Eine solide finanzierte Vizemeisterschaft ist für mich mehr wert und ein größerer Erfolg, als eine ergaunerte Meisterschaft. Aber da mag gerne jeder seine eigenen sportethischen Ansprüche haben. Mit dem Kader, der Müller in Brasov zur Verfügung stand, hatte er keinen Erfolg und solide finanziert war es eben auch nicht. Sowohl national, als auch international war das, was erreicht wurde mit dem künftigen CL-Sieger Brasov, zu wenig. (Man kann hinter Oltchim landen, aber bei dem Kader nicht mit dem Punkteabstand - Der Titel war ja schon fast vom ersten Spieltag an weg). Hinzu kam ja auch noch der Beinaheabstieg im letzten Müllerjahr.
Was das Finanzielle angeht, war Brasov ein Fiasko, da sind wir uns einig. Was das Sportliche anbelangt, verstehe ich Deine Beschreibung als einen Schlag unter die Gürtellinie von Herbert Müller. Wenn Du von sportethischen Ansprüchen schreibst, erwarte ich von jemandem wie Dir, der ein weit überdurchschnittliches Handballverständniss hat, einige Erklärungen.
1.) Du schreibst: "Man kann hinter Oltchim landen, aber bei dem Kader nicht mit dem Punkteabstand."
Abschlusstabelle 2008/2009
1 Oltchim Rm. Valcea 50 Punkte
2 Rulmentul Urban Brasov 48 Punkte
Welcher Punkteabstand wäre für Dich in Ordnung gewesen?
Ich möchte noch erwähnen, dass Müller etwa 3 Monate Zeit hatte, um eine Mannschaft zu formen, deren Spielerinnen aus allen Himmelsrichtungen zusammengekommen waren. Die Spielerinnen der rumänischen Nationalmannschaft-Amariei, Stanca und Neagu-rückten wegen der Teilnahme an den Olympischen Spielen erst 3 Wochen vor Saisonbeginn in den Kader.
Die Qualifikation für die CL wurde gegen Ikast (Dänemark) verloren-die deutschen Mannschaften können in dieser Saison ein Lied über dänische Mannschaften in Europapokalen singen.
In der rumänischen Meisterschaft gab es gleich am ersten Spieltag ein Unentschieden gegen Baia Mare. Am dritten Spieltag musste Brasov bei Oltchim ran und verlor 25:31. Was hättest Du nach so einer kurzen Vorbereitung von einem so heterogenen Kader erwartet? Bei Oltchim spielte damals etwa 70% der Rumänischen Nationalmannschaft.
In der Rückrunde gewann Brasov- nachdem die Mannschaft eingespielt war- mit 41:36 gegen Oltchim.
Im Halbfinale des EHF-Pokals machte Brasov 23:23 gegen Itxako in Spanien und verlor zu Hause 27:28. Zu der Zeit lagen die Nerven der Spielerinnen wegen der finanziellen Lage blank. Was das bedeutet, wirst Du wohl wissen, seit die Bayer AG sich vom Frauenhandball aus Leverkusen zurückziehen will.
2.) Du schreibst: "Hinzu kam ja auch noch der Beinaheabstieg im letzten Müllerjahr."
Was möchtest Du damit sagen?
Müller hatte in der Saison 2009/2010 aus bekannten Gründen mit einem vejüngten Kader angefangen (ein erneuter Aufbau weil viele Spielerinnen den Verein verlassen hatten). Die Mannschaft hatte eigentlich recht ordentlich gespielt, belegte stets die vorderen Plätze in der Tabelle. Dann kam der "Schnitt". Die Stadt übernahm den Verein, es wurde Frau Tarca als Trainerin eingesetzt, weil der Bürgermeister -ein Freund der Dame-das so wollte und einige Spielerinnen hatten den Verein verlassen weil sie mit der Trainerin nicht arbeiten wollten. So kam es zum Beinaheabstieg.