Funktionärsstreit um asiatische Olympia-Qualifikation
Paris (dpa) - In der Affäre um Manipulationsvorwürfe bei der asiatischen Olympia-Qualifikation hat Handball-Weltverbands-Präsident Hassan Moustafa alle Vorwürfe gegen die IHF zurückgewiesen.
"Wir kennen die Probleme, aber wir können nichts machen, da die IHF die Qualifikationsturniere nicht veranstaltet oder organisiert. Dies liegt in den Händen der Kontinentalverbände", erklärte Moustafa. Zwischen dem Ägypter und seinem ehemaligen Generaldirektor Frank Birkefeld ist ein offener Streit ausgebrochen. Einen Tag bevor die Vorgänge beim Turnier in Toyota (Japan) auf der Tagesordnung bei der Ratssitzung des Weltverbandes (IHF) stehen, beharrte Birkefeld auf einer Pressekonferenz am Rande der Frauen-WM darauf, dass der Weltverband hätte einschreiten können.
"Wir hatten lediglich einen Beobachter vor Ort, der einen Bericht anfertigte. Und dieser Bericht wird in unserer Council-Sitzung besprochen und bewertet", widersprach Moustafa. Dem entgegnete Birkefeld öffentlich: "Die Statuten der IHF und des Internationalen Olympischen Komitees besagen, dass die IHF die Turniere organisieren kann, aber auch die Organisation der Turniere an die Kontinentalverbände delegieren kann."
Das Council des Weltverbandes will auf seiner Sitzung in Paris über Konsequenzen aus der asiatischen Olympia-Qualifikation beraten. Bei dem Turnier Anfang September in Toyota soll Südkorea im Spiel gegen Kuwait von den Referees derart benachteiligt worden sein, dass Kuwait 28:20 gewann und sich somit für Peking qualifizierte.
Die IHF hatte eigens für diese brisante Partie das erfahrene Schiedsrichter-Duo Frank Lemme/Brns Ulrich aus Magdeburg angesetzt. Kurzfristig aber setzte der Asiatische Handball-Verband (AHF) die Jordanier Alshobali/Hirzallach an. Dies geschah gegen den Willen des von der IHF eingesetzten Beobachters Alexander Koschukow aus Russland.
In diesem Zusammenhang gerät Moustafa zusehends unter Druck. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet in seiner Montagsausgabe, dass der IHF-Präsident in die angebliche Manipulation verstrickt ist. Dabei beruft sich das Magazin auf ihm vorliegende Dokumente. Moustafa bestreitet, dass er in die Vorkommnisse verstrickt sei. "Der Spiegel" zitiert aus einem Fax des AHF-Präsidenten Ahmed al-Fahd-al-Sabbah aus Kuwait an Moustafa. Darin beschwerte sich der Scheich angeblich darüber, dass die IHF nicht nur Beobachter, sondern auch Technische Delegierte und Schiedsrichter zum Turnier nach Toyota entsenden wolle und erinnerte Moustafa an eine alte Absprache: "Du hast mir persönlich versprochen, dass die kontinentalen Qualifikationsturniere unter dem Schirm der Kontinentalverbände bleiben sollen."
Das IHF-Council berät nun in Paris über den südkoreanischen Protest. Die Koreaner streben eine Wiederholung des Turniers an. Ebenfalls im Fokus steht die asiatische Frauen-Qualifikation in Almaty, wo ebenso überraschend Gastgeber Kasachstan und nicht die favorisierten Südkoreanerinnen gewonnen hatten. Auch zu diesen Vorwürfen äußerte sich Moustafa in Paris nicht. Er verwies auf die bevorstehende Tagung. "Ich bin kein Diktator, und es wird eine demokratische Entscheidung geben", sagte der Ägypter.