Alle an Deck: Die SG träumt vom Finale
Flensburg - Kent-Harry Andersson ist keiner, der sich weit aus dem Fenster lehnt. Der Trainer der SG Flensburg-Handewitt ist vielmehr vorsichtig, wenn es um Prognosen geht. Umso bemerkenswerter ist seine Aussage vor dem Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen CBM Valladolid heute um 19.45 Uhr in der restlos ausverkauften Campushalle. "Wir spielen im Finale gegen Kiel", meint der 57-jährige Schwede - um dann doch gleich wieder einzuschränken, " . . . wenn alle Spieler gesund sind."
Genau das ist die alles entscheidende Frage für den SG-Coach vor einem der wichtigsten Spiele der Saison. Denn in den vergangenen Wochen waren die Flensburger vom Verletzungspech gebeutelt. Blazenko Lackovic und Ljubomir Vranjes waren angeschlagen, Sören Stryger fiel mit Kniebeschwerden aus, und auch Joachim Boldsen musste zuletzt wegen einer Achillessehnenreizung passen. Da kam das vorzeitige Aus im Titelrennen mit dem 31:33 in Hamburg fast zwangsläufig.
Diese Tatsache kann der SG jetzt allerdings zum Vorteil gereichen. Trainer und Mannschaft können sich voll und ganz auf die Königsklasse und die beiden Auseinandersetzungen mit dem spanischen Spitzenclub CBM Valladolid konzentrieren. Kent-Harry Andersson hat das Ziel bereits vorgegeben. "Jetzt geht es für uns ums Finale - um nichts anderes."
Und alle wollen dabei sein. Bis auf den Rekonvaleszenten Frank von Behren kann der Trainer heute voraussichtlich auf das komplette Personal bauen. Erstmals seit Wochen waren am späten Mittwoch Nachmittag alle 14 Akteure wieder beim Training versammelt, und Andersson freute sich: "Durch die Verletzungen hatte die Qualität im Training gelitten."
Zwar blieben nur zwei Einheiten zur Einstimmung auf das Halbfinal-Hinspiel, dennoch gehen Trainer und Manager die Aufgabe gegen den Tabellenfünften der Liga Asobal sehr zuversichtlich an. "Es sind noch vier Spiele bis zum größten Titel, den man im Vereinshandball gewinnen kann. Vielleicht steht uns das Glück in diesen Spielen wieder zur Seite", hofft Thorsten Storm nach dem Verletzungspech der vergangenen Wochen. "Valladolid hat zwar ein besseres Kollektiv und ist im Gegenstoß stärker als Barcelona,dafür hat Barca die stabilere Abwehr und die stärkere Bank", meint Kent-Harry Andersson nach einem intensiven Video-Studium des Gegners.
Im Gegensatz zur SG spielt Valladolid eine sehr defensive 6:0-Abwehr, in der die Mittelspieler Marc und Carabaya in erster Linie versuchen, die Würfe zu blocken. Deshalb ist der SG-Trainer froh, Blazenko Lackovic nach mehrtägiger Trainingspause wieder dabei zu haben. "Er und Marcin Lijewski können diese Abwehr knacken."
Auch Joachim Boldsen, der am Dienstag zum ersten Mal Vater geworden ist, könnte in dieser Partie zu einer Schlüsselfigur avancieren. Nach seinen Achillessehnenbeschwerden hinterließ der Däne im Training einen guten Eindruck (Andersson: "Das sah ganz gut aus"), zudem hofft der Schwede, dass sich die Geburt von Tochter Fleur "positiv auf seine Leistung" auswirken wird.
Schwerstarbeit erwartet die Gastgeber in der Defensive. "Wegen der starken zweiten Welle müssen wir schnell zurück laufen", weiß der Trainer. Zudem gilt es die gefährlichen Rückraumschützen Muratovic (links) und Gull (rechts) sowie Spielmacher Rodriguez in den Griff zu bekommen, der immer wieder das Anspiel zum Kreis sucht.
"Das werden zwei enge Spiele", glaubt Andersson nach den starken Auftritten des Gummersbach-Bezwingers im Viertelfinale. Auch der Manager denkt nicht, dass das Halbfinale im Hinspiel entschieden wird. "Zunächst müssen wir das Spiel erst einmal in den Griff bekommen. Wenn es dann läuft, reichen zehn verrückte Minuten, und du hast ein paar Tore mehr", hofft Storm, der wie gegen Barcelona auch auf die Unterstützung der Zuschauer zählt. "Unsere Fans sind mittlerweile erfahren, was große Spiele angeht. Sie werden für den richtigen Rahmen sorgen."
H.-W. Klünner