Gerstensaft und Fair-Play-Pokal statt Pluspunkte
Handball. DHK Flensborg bekam beim 27:25-Heimsieg gegen den Polizei SV aus der Hansestadt reichlich Hilfestellung der Gäste.
FLENSBURG. Eines ist sicher - Sebastian von Weiß wird das Regionalliga-Auswärtsspiel seines PSV Rostock beim DHK Flensborg mit Sicherheit nie vergessen. Schließlich hatte der Rechtsaußen entscheidend dazu beigetragen, dass der DHK am Ende einen schmeichelhaften 27:25 (15:11)-Erfolg verbuchen konnte. Während der SdU-Vertreter nun etwas entspannter dem Derby beim TSV Hürup entgegensehen kann, bleibt Rostock weiter vom Abstiegssog erfasst.
Aber zurück zu Sebastian von Weiß: Der 27-Jährige hatte in der 52. Minute seinen und vor allem für den weiteren Spielverlauf schicksalhaften Auftritt. Soeben hatte der DHKer Jörn Johannsen mit dem 23:22 die heiße Schlussphase eingeläutet, als er in der Rückwärtsbewegung mit seinem Oberarm versehentlich den Kopf des Linkshänders streifte.
Das ohnehin schwache Schiedsrichtergespann Fischer/Stahlberg (Oranienburg) unterstellte Johannsen Absicht und zeigte ihm für »grobes Foulspiel« die rote Karte.
Fair-Play
Von Weiß erwies sich allerdings als wahrer Sportler und führte mit den Unparteiischen ein aufklärendes Gespräch. Und siehe da, »Jay« Johannsen durfte die Partie zu enden spielen, statt vorzeitig unter die Dusche zu müssen.
»Das liegt in Sebastians Naturell«, erklärte später PSV-Trainer Lothar Goldschmidt mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Jene Aktion bescherte seinem Rechtsaußen zwar Beifall vom Gegner und den rund 120 Zuschauern sowie den Fair-Play-Pokal, sein Team allerdings geriet durch diese sportliche Geste auf die Verliererstraße.
Schon bei der nächsten Angriffs-Aktion »bedankte« sich ausgerechnet Johannsen in Form eines weiteren Treffers zum 24:22 (52.)-Zwischenstand und verhalf zudem seiner Abwehr zur »Vollzähligkeit«. Auf der Gegenseite leistete Rostock dem DHK weiterhin kräftig Unterstützung, indem zunächst Michael Wegner eine »unnötige« Zeitstrafe erhielt. Doch selbst das daraus resultierende 25:22 (54.) für den DHK sollte noch keine Vorentscheidung bedeuten.
Ausgleich
Jener Sebastian von Weiß sowie der athletische Linksaußen und Kapitän Torsten Frahm warfen die Gäste erneut heran und sorgten für den 25:25-Ausgleich (56.).
Mit seinem fünften Treffer besorgte Kim Lautrup das 26:25 (57.) für den DHK und trieb damit die Spannung weiter dem Höhepunkt entgegen, als Rostock zum letzten und auch entscheidenden Mal dem SdU-Vertreter »Hilfestellung« leistete.
Ausgerechnet der überragenden Haupttorschütze Peter Roloff ließ sich zu einem dummen Foulspiel hinreißen und bekam zurecht seine insgesamt dritte Zeitstrafe.
Nach diesem »Bärendienst« von Roloff ergriff Sebastian von Weiß 40 Sekunden vor dem Abpfiff erneut die Initiative, scheiterte mit seinem Wurfversuch allerdings am überragenden DHK-Keeper Oliver Schultz. Der Treffer zum 27:25-Endstand durch Kim Lautrup hatte dann nur noch rein statistischen Wert.
»Ich will die Niederlage nicht an den letzten Aktionen festmachen, die sicherlich auch dazu beigetragen haben. Wir haben generell zu viele Fehler im Gegenstoß-Verhalten gemacht und dabei mindestens zehn gute Chancen nicht genutzt. Wir haben hier heute zwei Punkte verschenkt«, bilanzierte PSV-Trainer Goldschmidt treffend.
Vorbereitung
Sein freudestrahlender Gegenüber, DHK-Coach Rainer Cordes, berichtete zunächst von der schlechten Vorbereitung auf die »Schicksalspartie«, da an einen geregelten Trainingsbetrieb aus verschiedensten Gründen nicht zu denken war. »Und wenn man die ganzen Umständen berücksichtigt, dann muss ich meiner Mannschaft ein Riesen-Kompliment machen. Sie hat eine Super-Leistung geboten.«
Ein Lob, das in puncto Moral und Einsatzwillen sicherlich auf alle DHK-Spieler gemünzt war. Vom Leistungsstand her betrachtet hatte allerdings nur Oliver Schultz das Trainer-Prädikat »Super-Leistung« wirklich verdient gehabt. »Ich habe 32 Paraden bei Olli verzeichnet. Das sagt wohl alles«, berichtete Cordes.
In einer abwechslungsreichen Begegnung zweier ersatzgeschwächter Teams hatte sich der DHK beim 8:5 (14.), 12:8 (22.) und letztmals beim 16:11 (31.) deutlicher abgesetzt.
Um den moralisch und kämpferisch ebenso makelos agierenden Gast vorzeitig in die Knie zu zwingen, reichte es aber bei weitem nicht.
Zu schwankend agierte der DHK auf allen Positionen, wobei vor allem die Rückraum-Achse um Johannsen, Okholm und Lautrup für reichlich technische Fehler Verantwortlich war und in der Schlussphase »aus dem letzten Loch pfiff«.
Diese »Geschenke« nahm Rostock jederzeit gerne an und demonstrierte Konterspiel vom Feinsten. Nur im Abschluss waren die Gäste mehrmals vom Pech verfolgt und hatten zudem die Rechnung ohne Oliver Schultz gemacht.
Kiste Gerstensaft
Als kleines »Danke-Schön« für die Fair-Play-Geste von Sebastian von Weiß, übrigens am 24. Dezember 1977 geboren, stürmte Jörn Johannsen unmittelbar nach dem Abpfiff in die Cafeteria der Idrætshallen um mit einer Kiste Flensburger Gerstensaft die Rostocker Gemüter wieder ein wenig aufzuhellen.
Auch eine (kleine) Geste im Sinne des Fair-Play.
DHK Flensborg: Schultz, Meyer (n.e.) - Gräber 1, Johannsen 5, Kraack 3, Okholm 4, Lautrup 6/1, Goldbeck 5, Himborn 1, Schmalfeld 2, Ilius.
PSV Rostock: Hubmann (n.e.), Brümmer - Roloff 9, Frahm 6, Förster 3/1, Wendig 2/1, Klabba, Steinhagen, von Weiß 4/1, Petrov 1, Wegner.
Schiedsrichter: Fischer/Stahlberg (Oranienburg)
Zuschauer: ca. 120 Zuschauer (Quelle: Flensborg Avis)