mal einen kleinen Einwurf ins Thema zu bringen:
Ausländer in der Bundesliga
283 Spieler haben die 18 Vereine der Handball-Bundesliga für den Spielbetrieb in dieser Saison angemeldet. 108 von ihnen sind ausländischer Herkunft – fast 40 Prozent also (exakt: 38,16 %) und damit so viel wie nie zuvor. Unter ihnen die Besten der Besten, die Creme de la creme der internationalen Handballszene. Und der Boom setzt sich fort: die SG Flensburg-Handewitt, mit 11 Ausländern ohnehin Bundesliga-Spitze, verpflichtete schon jetzt mit dem Dänen Michael Knudsen (26) einen der weltbesten Kreisläufer für die nächste Saison. Was macht die Liga so attraktiv? Weshalb zieht es so viele Ausländer nach Handball-Deutschland?
Der Slowene Roman Pungartnik (33), seit drei Jahren im Lande (zuerst in Wilhelmshaven, danach in Kiel), bringt es auf den Punkt: „Ich komme aus Celje und habe dort lange gespielt. Für mich stand immer fest: Wenn ich mal weggehe, dann nur in die deutsche Bundesliga. Sie ist die stärkste Liga der Welt.“ Pungartnik hätte es finanziell noch nicht einmal nötig gehabt. Seine Frau Iris und er sind gelernte Kaufleute, besaßen schon vor dem Wechsel in die Bundesrepublik eine Boutiquen-Kette namens „Socks“, spezialisiert auf italienische Socken, Strumpfhosen und Kniestrümpfe. „Ich spiele bei einem der besten Vereine der Welt. THW Kiel ist im Handball das, was Bayern München im Fußball ist. Was will ich mehr?“ sagt Pungartnik, der in 169 Länderspielen für Slowenien fast 700 Tore warf.
Ein anderer Star, der 24-jährige Kroate Blazenko Lackovic (SG Flensburg-Handewitt), zieht einen noch universelleren Vergleich: „Die Bundesliga ist im Handball das, was die amerikanische NBA im Basketball ist. Hier wie da treffen die Besten der Welt aufeinander.“ Viktor Szilagy (26), Österreicher in Diensten von Tusem Essen und im vierten Jahr Bundesligaspieler, erklärt den Unterschied zu anderen starken Ligen: „In Spanien und Frankreich gibt es ebenfalls ein paar starke Klubs. Aber es sind eben nur drei oder vier, die ein hohes Niveau haben, zum Rest besteht ein starkes Gefälle. Die Bundesliga dagegen ist in ihrer Gesamtheit sehr stark.“
Mit 15 % stellen schwedische Spieler den größten Ausländeranteil, vor Isländern (12 %), Norwegern (7 %), Dänen, Franzosen, Slowenen, Polen und Jugoslawen (alle 6 %). Die Vereine mit den meisten ausländischen Akteuren sind Flensburg-Handewitt (11), Nordhorn (10), Gummersbach, Kiel, Minden (alle
sowie Essen, Göppingen, Lübbecke und Magdeburg (alle 7). Die Vereine mit dem geringsten Anteil sind Lemgo und Schwerin (jeweils 2). Probleme mit Ausländern? „Nicht bei uns“, sagt Flensburgs Geschäftsführer Thorsten Storm. Unser skandinavischer Mix passt zu dieser Region sehr gut. Unser Team besitzt in Skandinavien wohl ebenso viele Fans wie in Deutschland.“ Sascha Schnobrich vom TV Großwallstadt bestätigt: „Unsere Isländer, Polen und Ukrainer sind voll integriert. Auch von anderen Bundesligisten sind mir keine Negativmeldungen bekannt. Sport überwindet eben Grenzen und Sprachen.“
Natürlich reizen neben der sportlichen Attraktivität der Liga noch andere Dinge. Dazu der Kölner Spielervermittler und Berater Jochen Bergener, der in den vergangenen fünf Jahren ca. 50 ausländische Spieler in die Bundesliga transferierte: „In ihrer Heimat spielten viele dieser Stars vor ein paar hundert Zuschauern, hierzulande sind es viele tausend. Die Hallen sind voll, und es werden Zuschauerweltrekorde aufgestellt. Und dann die wirtschaftlichen Aspekte. Hier wird am meisten verdient – und die Gehälter werden meist regelmäßig gezahlt. Das ist im Ausland nicht immer so.“
Im Schnitt kassieren Ausländer in der Bundesliga das zwei- bis vierfache ihres früheren Salärs. Obwohl er in Österreich zu den Topverdienern gehörte, erhält Viktor Szilagy nach eigenen Angaben hier „mehr als das Doppelte“. „Ich versuche, möglichst viel Geld zu sparen“, sagt der Slowene Pungartnik, „wenn ich eines Tages in meine Heimat zurückkehre, werde ich davon recht gut leben können.“ Flensburgs Kroate Lackovic hat zwar nichts dagegen, in Flensburg mehr zu verdienen als in Zagreb, doch für ihn zählen in erster Linie sportliche Gründe: “Mit Kroatien war ich Weltmeister. Jetzt will ich endlich auch Champions-League-Sieger werden und dazu Deutscher Meister!“
Quelle: HBL Newsletter vom 21.12.2004, Handball Bundesliga