Nein, Dirk, übel nehme ich Dir gar nichts, hab die Weisheit auch nur tröpfchenweise geschluckt. Dass alles so bleibt wie es ist, habe ich auch nicht gemeint. Im Kern sehe ich es sogar wie Du, ich finde es allerdings nicht richtig, dass man sich den Medien, insbesondere den von uns finanzierten, anbiedern soll oder muss. Diese Arroganz, die da aus den öffentlich-rechtlichen Anstalten entgegenschlägt, ist ätzend. Da wird sich auf die großen Events festgelegt, statt den normalen Spielbetrieb zu begleiten. Da werden Bob und Noka zu Statements gezwungen, die für schönen Wirbel sorgen sollen. Show, nichts weiter.
Ich fand die Übertragung des NDR sehr gut, die haben mächtig Aufwand betrieben. Alles auf einem Niveau, dass helfen könnte, Handball langfristig zu etablieren bei einem neuen Publikum. Aber hat uns dieses Spiel irgendwie weitergebracht? Wo waren denn die Analysen? Was wurde während des Spiels taktisch verändert? Wieso war die Hamburger Abwehr nicht in der Lage, die Achse Lövgren/Ahlm zu unterbinden? Keine Antworten, nicht einmal die Fragen wurden gestellt.
Und als Sportinteressierter kritisiere ich das, insbesondere wenn dann stattdessen Kasperkram veranstaltet wird. Ja, ich weiß, der ist nötig, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber genau diese Entwicklung hat der Fußball schon lange hinter sich und dafür gesorgt, dass mich das schon lange nicht mehr anspricht. Diese ständigen Balzkämpfe über die Medien zwischen Spielern, Managern oder Trainern mögen ja für Auflage oder Quote sorgen, das geneigte Publikum mag das ja alles ganz aufregend finden, aber ich wende mich mit Grausen ab. Ich verpasse dadurch vielleicht das eine oder andere sehr schöne Fußballspiel, aber bevor ich mich zumüllen lasse, schaue ich lieber ganz weg. Oder Formel1. Ich weiß nicht, welche Faszination dieses laute Im-Kreis-Fahren auf die Menschheit ausübt und warum einer wie M. Schumacher zum Volkshelden werden kann, aber irgendwas muss da ja sein. Wieso Skispringen plötzlich zum Fernsehsport Nummer 1b werden konnte, leuchtet mir auch nicht so recht ein, aber RTL wird das Geheimnis schon kennen.
Was für die Medien toll ist, muss für den Sport noch lange nicht hilfreich sein. Wenn unsere Verantwortungsträger im Handball dafür sorgen, dass Handball zur Dauereinrichtung im Fernsehen wird um den Preis des Sportes (mit Vierteln und engen Höschen, mit Tamtam und Klamauk), dann hat man vielleicht das eine Ziel erreicht, der Sport ansich ist dann aber nur noch Nebensache.
Wenn es der Sport alleine über die Erfolge und den Spielbetrieb nicht schafft, dann soll es eben so sein. Sie zu prostituieren, wäre aus meiner Sicht der falsche Weg. So eine Show-Liga wie die Basketballer will ich nicht. Irgendwo muss es da doch einen Mittelweg geben.
Die Lösung sehe ich eher darin, dass sich die 3 Mannschaftssportarten hinter dem Fußball, also Handball, Eishockey und Basketball zusammen an einen Tisch mit den TV-Sendern setzen und eine Alles-außer-Fußball-Sportschau gemeinsam anstreben.
Dass einzige, was wirklich verhindert hat, dass Handball dauerhaft im Fernsehen zu sehen ist, ist der zerklüftete Spielplan (neben der sportlichen Misere der Nationalmannschaft seit den 80er Jahren). In der Liga ist man sich einig, jeden Wunsch der Sender zu erfüllen, soweit es geht. Man versteht sich als Dienstleister. Das ist auch absolut in Ordnung, auch wenn die Fans diese 15.00 Uhr-Spiele eher ablehnen. Und wenn Bob in Hamburg zum Medienliebling avanciert, dann ist das für Hamburg sicher auch richtig. Man kann aber auch alles übertreiben. Und ich finde, er überspannt den Bogen. Der Kommentar in den KN ist Unfug, da wollte jemand alles betont negativ sehen.
EDIT:
Phunkis Einschätzung bezüglich Live-Übertragung teile ich übrigens. Handball ist der Sport, der seit kurzem mit den meisten Live-Übertragungen im Free-TV glänzt. Davon träumen andere.