Hier mein veröffentlichter Kommentar zu diesem Dr´ss
Präsidentenschelte
Donnerstag, 05. Februar 2004
Welcher Teufel mag DHB-Präsident Ulrich Strombach geritten haben, als er der Sportbild seine Kritik an ARD und ZDF diktierte und gleichzeitig das DSF herabwürdigte? Mit markigen Sätzen wie "Das DSF ist nicht unser Sender" und persönlichen Angriffen auf ZDF-Sportchef Wolf-Dieter Poschmann wird nun der Präsident in allen Medien zitiert. DSF-Geschäftsführer Rainer Hüther vermutet hinter den Aussagen ein verletztes Ego.
Leicht übermütig spricht Strombach gegenüber der aktuellen Ausgabe der Sportbild vom Olympiasieg, der leichter einzufahren sei als der EM-Titel, um dann frontal gegenüber ARD und ZDF loszupoltern. Die Bundesliga sei zwar mit wöchentlich zwei Live-Spielen im DSF und samstäglichen Übertragungen in den dritten Programm der ARD gut versorgt, "aber mir gefällt überhaupt nicht", so Strombach, "wie die Öffentlich-Rechtlichen und deren Rechteinhaber SportA mit internationalen Veranstaltungen umgehen." Besonders sauer stößt dem DHB-Boss auf, dass die ARD nicht das Angebot des DSF für die Übertragung der EM in Slowenien überboten habe. "Darüber bin ich entsetzt, weil mir klar war, dass es eine super Europameisterschaft wird...".
Heftig angegriffen - nicht ganz zu Unrecht - wird auch ZDF-Sportchef Wolf-Dieter Poschmann. "Solange ein Poschmann beim ZDF das Sagen hat, wird der seine Leichtathletik und sein Eisschnelllaufen zeigen, aber der Handball, von dem er bei der WM 2003 noch mit guten Quoten profitiert hat, hat bei ihm keine Chance". Was das ZDF veranlasste, direkt zu dementieren, schließlich habe man ja am vergangenen Samstag noch vor dem Fußball über das Halbfinale berichtet und sogar eine Liveschaltung zu Daniel Stephan gemacht. Zudem würde am kommenden Samstag im Rahmen des Sportstudios zum Ball des Sports nach Frankfurt geschaltet (23.05 Uhr), wo die komplette Nationalmannschaft bejubelt werden soll. Vergessen scheint in Mainz zu sein, dass man während der letztjährigen WM ein Vorrundenspiel nur arg verkürzt in der Endphase live übertragen hatte, womit der Stellenwert des Handballs im ZDF beispielhaft beschrieben war.
Unverständlich hingegen die Bemerkung über das DSF: "Das DSF ist nicht unser Sender. Unser Sender für die Nationalmannschaft ist die ARD", lässt Strombach die Sportbild wissen. Wenn es um Verträge geht, ist die Aussage nicht ganz falsch. Für die drei oder vier Länderspiele des DHB in Deutschland hält SportA die Übertragungsrechte, von denen aber so gut wie nie Gebrauch gemacht wird. Lediglich vom Supercup hatte die ARD im letzten Jahr live berichtet, allerdings nur die Spiele der DHB-Auswahl live gezeigt.
Wenn Strombach die Vertragslage ausdrücken wollte, hat er sich aber kräftig vergriffen. Nachdem dpa die Sätze des DHB-Präsidenten über den Ticker laufen ließ, war man in der Münchener Senderzentrale heftigst irritiert. "Solche Aussagen zu diesem Zeitpunkt sind schon sehr verwunderlich", sagte DSF-Pressesprecher Jörg Krause diplomatisch zu handballimfernsehen.de. DSF-Geschäftsführer Rainer Hüther soll sogleich telefonisch bei HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann vorstellig geworden sein. Die Aussagen Strombachs kommentierte Hüther gegenüber handballimfernsehen.de mit den Worten: "Alle denken konstruktiv darüber nach, wie der EM-Titel für den deutschen Handball genutzt werden kann. Nur DHB-Präsident Strombach holt zu diesem ungünstigen Zeitpunkt zu einem Rundumschlag aus. Vielleicht war er sauer, dass er nicht überall und unmittelbar mit dem EM-Triumph in Zusammenhang gebracht wurde", versucht er eine Interpretation der Motivation des DHB-Präsidenten.
Denn angesichts des riesigen Quotenerfolges des DSF - wobei Strombach in der ARD die eine oder andere Million Zuschauer mehr erwartet hätte - kommen derartige Angriffe zur absoluten Unzeit. Anstatt die Welle des Medienerfolges zu reiten, kommen jetzt wieder Negativschlagzeilen. Noch am vergangen Montag haben Vertreter des DSF den in München auf einem Sportsponsoring-Kongress weilenden Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann zur Seite genommen, um mit ihm den weitere Ausbau der Bundesligaberichterstattung zu besprechen. "Man muss den Schwung jetzt nutzen", so die einhellige Meinung beim DSF. Man offerierte Bohmann schon ganz konkrete Vorschläge, die sicher ganz im Sinne der Aktion "Mehr Handball im Fernsehen!" sind.
Schon nach dem verlorenen WM-Finale fiel Strombach unangenehm auf. Damals träumte er von einem riesigen Marktwert der Handballer, von dem aber bis heute nicht viel sichtbar aquiriert werden konnte. Nach dem Gewinn des Finales von Slowenien verlangt Strombach zu allem Überfluss auch noch den Olympiasieg, anstatt vorsichtig mahnend den Zeigefinger zu heben, angesichts der riesigen Belastung der Spieler durch die ständige Terminhatz.
"Die Funktionäre, für die wir uns wegen der Vermarktung sowie Refinanzierung und nicht wegen des Sports bei solchen Mega-Mammut-Turnieren den Arsch aufreißen, müssen sich endlich etwas einfallen lassen", meinte Schwarzer nach dem Finale. Auch der 110-Kilo-Mann lag Nacht für Nacht am Tropf oder musste sich wie die Kollegen durch Massagen fit kneten lassen. Mannschaftsarzt Berthold Hallmaier stellte sich hinter die Spieler: "Der Verschleiß ist unglaublich. Ich habe bei den engen Terminplänen mit acht Spielen in so kurzer Zeit das Gefühl, dass die Funktionäre nicht wissen, was sie tun und nur für ihr Ego spielen lassen."
Als Heiner Brand sagte, er habe "die sportlichen Grundlagen geschaffen, jetzt müssen die anderen die organisatorischen Bereiche weiterentwickeln", meinte er sicher nicht eine derartige Medienschelte seines Präsidenten. Denn wer glaubt, in ARD oder ZDF wäre der Zuschauer mit 18 Live-Spielen zur besten Sendezeit von dieser EM verwöhnt worden, irrt gewaltig. Zudem hätten die Sender darauf gedrungen, dass die DHB-Auswahl am frühen Nachmittag spielt, was Anwurfzeiten von spätestens 16 Uhr bedeutet hätte.
Strombachs Worte kommen also nicht nur zur Unzeit, sie sind auch in ihrer Außenwirkung völlig fatal und lösten in der Handballszene bundesweit nur Kopfschütteln aus. Wenn ein DHB-Präsident öffentlich von "inkompetenten Schiedsrichtern" nach der Partie Deutschland - Frankreich spricht, mag er damit vielleicht die Gefühle der Fans korrekt wiedergeben, sie sind aber eines Amtsträgers unwürdig und nicht zielführend.
Man kann nur hoffen, dass das DSF nicht nachtragend ist. Worte wie "Das DSF ist nicht unser Sender" aus dem Mund des DHB-Präsidenten haben einen Flurschaden hinterlassen, der nun mühsam von der Bundesliga bereinigt werden muss.
Wir tun das unsrige, denn die EM hat bewiesen, dass das DSF sehr wohl unser Sender sein kann und führen weiterhin die "Danke, DSF!" - Aktion durch. -> zur Danksagung
handballimfernsehen.de