Hier mal der ganze beitrag aus Horizont dingens. Da wird das ganze Ausmaß der Unprofessionalität deutlich:
DSM gibt DHB-Team auf
[25. September 2002]
Der Professionellere gibt nach: Die Deutsche Städte-Medien (DSM) hat von ihrem Vorhaben Abstand genommen, die Handball-Bundesliga und das Nationalteam gemeinsam zu vermarkten. Damit ist ein von manchen Vereinsvertretern und der DSM angestrengtes Projekt gescheitert, mit dem die als konservativ geltenden Handballer Marketing-Neuland erschließen wollten.
Während die Pakete über die Zentralvermarktung der Liga nach Einigung mit deren Vertretern geschnürt sind, gelang es dem Deutschen Handball-Bund nicht, zu klären, wer für die Vermarktung der Auswahlmannschaft zuständig ist. Der Vertrag mit dem aktuellen Partner Handball-Marketing-Gesellschaft (HMG), bis 2003 gültig, verbietet ihr nicht, langfristige Abkommen mit Sponsoren zu schließen. Um weiterhin involviert zu bleiben, bemüht sich die HMG genau darum. Als Konsequenz verzichtet die DSM aufs DHB-Team. Heinz Jacobsen, Vorsitzender des Liga-Ausschusses, kritisierte gegenüber Horizort Sport Business den Verband: „Es ist nicht erbaulich, dass der DHB das nicht geregelt bekommt.“ Der Handball-Experte der DSM, Michael Käfer, betont: „Es ist nicht unsere Politik, ein Paket anzubieten, das in Teilen auch von anderen verkauft wird.“ Zudem stehe die DSM unter Zeitdruck. Im Herbst werden bei den Unternehmen die Etats für das kommende Jahr festgelegt.
Der „freiwillige“ Rückzug fällt dem Vermarkter schwer, schmollen tut die DMS deswegen nicht. „Wenn wir einen Interessenten für die Nationalmannschaft haben, werden wir schon Kontakt mit dem Verband aufnehmen“, sagt Käfer. Fragt sich nur mit wem. Während die Liga etwa in Uwe Schwenker von THW Kiel oder Fynn Holpert vom TBV Lemgo treibende Kräfte einer Professionalisierung besitzt, gibt es beim DHB keinen eindeutigen Ansprechpartner für Vermarktungsfragen, wie Käfer erklärt. Präsident Ulrich Strombach sei über lange Zeit nicht zu erreichen gewesen.
Fürs Marketing hat der Verband eigentlich seine Tochter, die HMG. Die Vertritt seine Belange aber offenbar unzureichend. Seit Jahren hakt es bei der Vermarktung der Nationalmannschaft. Gewann die HMG einen Sponsor, war er bald wieder weg. Seit rund einem Jahr hat das Team keinen festen Partner mehr. Immer wieder wird dem Hauptgesellschafter Günther Daiss, gleichzeitig Unternehmer, vorgeworfen, in eigenem Interesse zu handeln.
Einen Hinweis darauf gab das Länderspiel am Dienstag in der Hannoveraner Preussag-Arena gegen Schweden. Auf dem Boden prangte Werbung der Uhlsport-Marke Kempa, in deren Trikots die deutsche Mannschaft seit diesem Sommer aufläuft. Einer der Geschäftsführer von Uhlsport heißt – Günther Daiss. Fragt sich, ob er mit sich selbst den höchsten Preis ausgehandelt hat. Jedenfalls kann man Käfers Aussage nachvollziehen: „Wir sind aus dem Fußball eine andere Professionalität gewöhnt, als es sie im Handball gibt.“
Was nützt es, wenn die stärkste Liga der Welt allmählich professioneller (und demnächst eigenständig) wird und die Nationalmannschaft einen Erfolg nach dem anderen feiert, solange diese Impulse in den sumpfigen Vermarktungsstrukturen versinken? Auch die Austragung der WM 2005, für die sich der DHB beworben hat, wird die Grundsatzprobleme nicht lösen – so großartig die Pläne des Verbands sind. Mit insgesamt neun Großhallen sowie der Arena Auf Schalke, in der vor 35 000 Zuschauern das WM-Endspiel stattfinden soll, will man sich im Vierkampf gegen die Mitbewerber Russland, Norwegen und Tunesien durchsetzen. Präsident Ulrich Strombach: „Wir haben den Mut und die Absicht, dieses Wagnis einzugehen. Wir erhoffen uns durch die WM einen Sprung in eine neue Dimension. Sie soll zugleich eine Initialzündung für die Bundesliga sein, die an ihre finanziellen Grenzen gestoßen ist.“ „Neue Dimension“, „Initialzündung“ – Begriffe, die nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der EM 2002 oft zu hören waren. Effekt für die Sportart: unsichtbar.