So, hier mal News aus Essen. Besonders irre finde ich die Meldung, das Viktor zum THW gehen soll. Hat schon jemand was näheres gehört? Würde ich Viktor von Herzen gönnen. Er ist für mich einer der am meistne unterschätzten Spieler in der Liga.
Zeit drängt, aber noch steht Plan B nicht
Der Schock sitzt tief. Nach dem endgültigen Lizenzentzug ringt der Tusem um Fassung. Klaus Schorn hat den Spielern bereits einen Brief mit der "Kündigung des Arbeitsverhältnisses" geschickt, sich für ihre ungewöhnliche Solidarität bis zum bitteren Schluss bedankt und gleichzeitig noch einmal versucht, seine Sicht der Dinge darzustellen. Eine neue Zeitrechnung beginnt.
Wie wird es weiter gehen mit dem Tusem, der sich vorerst mit dem Ruhm früherer Jahre bescheiden muss? Die nahe Zukunft verspricht vor allem harte Arbeit in der anonymen Drittklassigkeit, auch um finanziell zu gesunden.
"Ich habe bereits ermutigende Gespräche geführt", sagt Schorn, wobei der Espo-Vorsitzende Bernhard Görgens geholfen habe. "Wir müssen generell erst einmal klären, wie es weiter gehen soll", sagt der Handball-Chef. Die wirtschaftliche Lage muss analysiert und geregelt werden. Was ist mit den Schulden, was geschieht mit der angeschlagenen Handball GmbH, die ja mit dem Zwangsabstieg ohnehin ihre Existenzberechtigung verloren hat.
Sportlich solle mit einem "stimmigen Konzept, das wir schon immer hatten", ein weiterer Absturz verhindert werden, sagt Schorn. "Einen Sturz ins Bodenlose wird es nicht geben." Noch am Abend nach dem fatalen Urteil des Ständigen Schiedsgerichts in Minden hatte er mit HaDe Schmitz telefoniert. Der Sportliche Leiter soll klären, "welche Spieler bereit wären, in der kommenden Saison für den Tusem in der Regionalliga zu spielen und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen."
Das Team, das im Mai so grandios im EHF-Pokalfinale gegen Magdeburg auftrumpfte, das gleichermaßen Qualität und Harmonie verkörperte, ist längst auseinander gebrochen. Oleg Velyky hat seinen Wechsel zum Aufsteiger SG Kronau-Östringen bekannt gegeben, dort wo auch Trainer Iouri Chevtsov angeheuert hat. Viktor Szilagyi wird wohl zum THW Kiel wechseln, Oliver Roggisch ist beim SC Magdeburg im Gespräch, Michael Haaß bei der HSG Düsseldorf. Nach Evars Klesniks wurde bereits gefragt, nur die Rekonvaleszenten Rose, Casanova und Torgovanov sowie Schmetz und Kelentric haben offenbar noch nichts Konkretes, wobei vor allem Ex-Kapitän Torgovanov mit seiner Klasse keine Probleme bekommen dürfte.
Die Talente Ingo Stary und Sebastian Reiners haben Gesprächsbereitschaft signalisiert. Immerhin. Doch "Plan B" steht längst nicht, und die Zeit ist derart fortgeschritten, dass selbst Handballer mit Regionalliga-Qualität kaum noch auf dem Markt sind. "Diese Liga ist zu stark, um direkt wieder aufzusteigen", meint deshalb Schmitz. Er werde Klaus Schorn erst einmal zur Seite stehen, ob er jedoch weiter mache, hänge entscheidend von der Richtung ab, die der Tusem nimmt. Ein zukunftsorientiertes Konzept schwebt dem Pädagogen vor, "bei dem nicht alles nur auf Geld aufgebaut ist". "Eine gesunde Mischung aus Idealismus und Qualität", fordert er. "Wo es nicht immer nur heißt: Was verdient der, was kostete der?" Im ersten Jahr müsse man die Klasse halten, um dann im zweiten Jahr durchzustarten. "Der Tusem hat das Potenzial dazu."
01.07.2005 Von Rolf Hantel
Ziel: Direkter Wiederaufstieg
HANDBALL / Harsche Kritik am Sponsor. Gummersbach-Geschäftsführer Hecker: Chance für einen Neuanfang nutzen.
Am Tag eins nach dem Sturz in die Drittklassigkeit bemühte man sich im Tusem-Lager, den Blick nach vorne zu richten. Direkter Wiederaufstieg ist das erklärte Ziel des Traditionsvereins, dem am Donnerstag in Minden in letzter Instanz vom ständigen Schiedsgericht die Lizenz für die Handball-Bundesliga entzogen worden war.
Tusem-Boss Klaus Schorn krempelt nach der größten Enttäuschung seines Lebens die Ärmel noch einmal hoch. In einem Schreiben an die Spieler des Europapokalsiegers bedankte er sich am gestrigen Freitag persönlich für die bis zum 30. Juni demonstrierte, außergewöhnliche Solidarität. Er bestätigte, dass "ab heute jeder Spieler in seiner Entscheidung frei ist, sofern die getroffenen Vereinbarungen nur eine Tätigkeit im Rahmen des Bundesliga-Spielbetriebs beinhalten."
Kiel bekundet Interesse an Szilagyi
Gleichzeitig fragte Schorn an, welcher Spieler - und wenn ja zu welchen Bedingungen - bereit wäre, in der kommenden Saison für den Tusem in der Regionalliga mit dem Ziel eines sofortigen Aufstiegs in die 2. Bundesliga zu spielen.
Schorn hatte Essens Sportlichen Leiter Hade Schmitz noch von Minden aus damit beauftragt, diese Möglichkeiten bei den Spielern auszuloten.
Schmitz hatte in einer ersten Reaktion kommentiert: "Das ist ein schwarzer Tag und schlimm für die Region. Da wieder hochzukommen, ist ganz, ganz schwer."
Als erster Top-Spieler, der von vielen Bundesligisten in den letzten Wochen umworben worden war, bestätigte der Rückraum-Star Oleg Velyky seinen Weggang zum Bundesliga-Aufsteiger Kronau-Östringen, der künftig von Iouri Chevtsov trainiert wird. Der 27-jährige Torjäger erhielt dort einen Dreijahresvertrag. Mit 202 Treffern war Velyky trotz seiner schweren Erkrankung achtbester Werfer der Bundesliga und bester Schütze des Revier-Klubs.
Es ist davon auszugehen, dass sich noch weitere Essener Akteure verabschieden, um weiterhin in der obersten Klasse spielen zu können. So soll beispielsweise Kiel großes Interesse an Rückraumspieler Viktor Szilagyi haben. Michael Haaß gilt als Wunschkandidat von Düsselorf. Oliver Roggisch wurde von Magdeburg heiß umworben.
Keine Sorgen muss sich Torhüter Chrischa Hannawald machen, dessen Weggang nach Großwallstadt schon lange feststand. Der Ex-Nationalkeeper nahm kein Blatt vor den Mund, wen er für den Absturz des Tusem verantwortlich macht. Er rechnet gründlich mit Sponsor Georg Weiner von Weinerplan Hellas ab: "Dass Herr Weiner ungeschoren davonkommt, ist eine absolute Frechheit. Der hat immer nur seine Klappe aufgemacht, aber passiert ist nichts. Einfach erbärmlich."
Tusems Torwart-Legende Stefan Hecker zeigte sich sehr betroffen. "Es tut mir persönlich schrecklich Leid für den Verein. Für die Bundesliga ist das ein Riesen-Verlust. Uns als benachbarter Verein kostet das außerdem eine sechsstellige Summe. Tusem war ein Zuschauermagnet", so der Geschäftsführer des VfL Gummersbach.
Hecker hofft, dass sein Ex-Verein im Zwangsabstieg die Chance für einen Neuanfang begreift: "Sicherlich muss sich strukturell einiges ändern. Mit einem Team und einem vernünftigen Konzept kann der Wiederaufstieg gelingen. Dann müsste endlich auch die Essener Industrie in die Gänge kommen."
01.07.2005 SABINE HANNEN