hier noch etwas Presse aus Essen:
Der Tusem ist wieder da!
HANDBALL. Das 21:21 gegen Bayer Dormagen reichte zum Bundesliga-Aufstieg. Sektduschen und Blumen vor 3300 Fans.
Evars Klesniks köpfte die erste dicke Pulle nur wenige Sekunden nach dem 21:21 (10:12) im direkten Aufstiegsduell mit Bayer Dormagen vor 3300 Zuschauern im erstmals restlos ausverkauften Hallo. Die erste Fontäne traf Mark Dragunski, der die Tränen der Rührung einfach wegspülte. Stephan Krebietke hielt eine Riesenflasche wie sein Baby im Arm und tanzte den Aufstiegstango. Mark Schmetz hüpfte auf und ab wie ein Flummi und über allen thronte Sergio Casanova auf den breiten Schultern seinen Freundes Xavier. Der Spanier hatte das wohl wichtigste Tor seiner Laufbahn gemacht, das zum 21:20, das Tor für den Tusem zur Bundesliga.
Pokal für Mark Schmetz
"Da, wo er auch hingehört", so Tusem-Präsident Uli Gaißmayer, der ebenso wie Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger zu einem der größten Erfolge in der Vereinsgeschichte der Margarethenhöher gratulierte. "Willkommen zurück", sprach HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann ins Hallenmikro und drückte Mannschaftsführer Mark Schmetz den goldenen Pokal "Meister der Zweiten Handball-Bundesliga Gruppe Süd" in die verharzten Hände. Dabei gab es Pfiffe für den Ligamann von den Fans, die nicht vergessen haben, wer den Traditionsverein vor zwei Jahren in die Drittklassigkeit entlassen hatte...
"Endlich wieder 1. Liga - erstklassig, aufgestiegen" - die frisch gedruckten Sieger-Shirts waren im Handumdrehen vergriffen. Sie waren nur in kleiner Stückzahl in Auftrag gegeben worden. Es hätte ja auch durchaus schief gehen können...
Dormagen hatte alles abgerufen, den weitaus besseren Start erwischt (5:1), zunächst den besseren Torwart mit Joachim Kurth gehabt, den besten Rückraumwerfer mit Pfahl, tolle Fans im Rücken. Und doch standen sie am Ende schon wieder mit leeren Händen da. "Wir werden den Kopf nicht hängen lassen" versprach Trainer Kai Wandschneider entschlossen. Und Manager Uli Derad will die völlig geknickten Spieler bis zur Relegation gegen Stralsund irgendwie wieder aufrichten. "Hoffentlich sehen wir uns in der Ersten Bundesliga wieder", verabschiedeten die freudentrunkenen Essener ihren desillusionierten Gegner.
Nicht wenige im Tusem-Lager fühlten sich an den legendäre Europapokalkampf gegen den SC Magdeburg erinnert. So eng war es für den Tusem, der erst in der 37. Minute erstmals durch Schmetz mit 15:14 in Führung ging, der es aber versäumte, nachzulegen und vorzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen.
Kampf ohne Ende gegen TSV
"Das war Kampf ohne Ende. Ich bin heilfroh, dass wir nicht mehr in die Relegation müssen", schnaufte Riese Dragunski. Kapitän Mark Schmetz, der fitgespritzt worden war, kann sich jetzt ganz aufs Vater-Werden konzentrieren. Frau Marieke, im siebten Monat schwanger, meinte nach all der Aufregung: "Die Geburt kann auch nicht spannender werden."
Stephan Krebietke, der auf seine reiferen Tage als reaktivierter Linksaußen den Pokal gar nicht mehr hergeben wollte, gab zu: "Das ist einer der schönsten Tage in meinem Leben." Tusem-Geschäftsführer Horst-Gerhard Edelmeier jubelte unterdessen ins Mikro: "Wir sind wieder da! Kiel, Flensburg, Gummersbach - alle kommen hierher zu uns. Darauf freuen wir uns."
Zu den ersten Gratulanten gehörten Ex-Tusemer: Iouri Chevtsov, Petre Ivanescu, Viktor Szilagyi, Gokir Sigurdsson, Stefan Hecker, Peter Quarti, Kristof Shargy, Hade Schmitz - und auch Klaus Schorn, der per SMS Glückwünsche mit "feuchten Augen" übermittelte.
Für Trainer Jens Pfänder hat gedanklich bereits die Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison begonnen. "Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Aber wir werden bereit sein."
20.05.2007 SABINE HANNEN
"1. Liga - wir kommen!"
So jubelt ein Aufsteiger: Der Tusem kehrt nach nur zweijähriger Abstinenz in die Erstklassigkeit zurück. Fotos (3): WAZ, Michael Gohl
21:21 "gewonnen". Für den Tusem ist dieses Unentschieden gegen Bayer Dormagen so wertvoll wie ein Sieg. Zwei Jahre nach dem Zwangsabstieg ist die Rückkehr ins Oberhaus perfekt. Kapitän Mark Schmetz: "Dieser Aufstieg ist für den Verein wichtiger als der Europapokalsieg 2005"
DAS AUFSTIEGS-ENDSPIEL IN DER 2. HANDBALL-BUNDESLIGA Mark Schmetz nimmt den golden glänzenden Pokal entgegen. Noch in derselben Sekunde wendet sich der Tusem-Kapitän seinen Teamkollegen zu und reißt die Trophäe gen Hallendecke. Und sie jubeln. Alle. Es ist der Moment der Gewissheit: Der Aufstieg ist geschafft. Für diesen Augenblick haben sie hart gearbeitet. Und jetzt ist er kein Traum mehr, sondern herrlichste Realität. Nach dem 21:21 gegen Dormagen frohlockt ganz Handball-Essen: "1. Liga - wir kommen!"
Das Spiel ist aus. Bruchteile von Sekunden später ist das Feld geflutet. Mit Menschen. Hier die Aufsteiger, die sich in die Arme fallen. Sich herzen. Sich gegenseitig zum Geleisteten gratulieren. Dort die Fans, die mit ihren Lieblingen jubeln und tanzen. Alle schreien ihre Freude heraus, ihre Erleichterung. Inneres Glück wird greif- und sichtbar. Sektfontänen. Die ersten schießen nach dem berühmten Korken-"Plopp" der Magnum-Flaschen steil nach oben. Die nächsten sind edle Spontan-Duschen. Auch Horst-Gerhard Edelmeier bekommt das schäumende Sprudeln am eigenen Leib zu spüren. Der Geschäftsführer genießt das. Denn auch bei ihm löst sich jetzt der Druck. Sein erstes Wort: "Geschafft!"
Geschafft war auch Mark Schmetz. Der Kapitän umklammerte den Meister-Pokal mit festem Griff. So, als ob er ihn nie wieder loslassen wollte. Das war ihm mit dem Ball in den letzten Sekunden dieses dramatischen Aufstiegs-Endspiels beim Stand von 21:21 leider nicht geglückt. Und da war ihm selbst und allen Tusem-Fans in der rappelvollen Halle am Hallo das bangende Herz in die Hose gerutscht.
"Ich habe nur gedacht: Shit, der Ball ist weg! Oje, es kommt kein Pfiff! Jetzt ist alles vorbei." Während er dies dachte, lag der zuvor sehr hart eingestiegene Bayer-Gegenspieler Florian Wisotzki auf Schmetz und versperrte ihm die Sicht. Deshalb konnte er nicht sehen, dass kein Dormagener, sondern Eryk Kaluzinski das Spielgerät zu fassen bekam. Der hielt es fest. Passte es dann zum aufgestandenen Schmetz. Aus und vorbei. Geschafft!
Schmetz hätte also zur tragischen Figur dieses Abends werden können, so wurde er einer der Helden in Rot und Weiß. "Dieser Aufstieg ist aus meiner Sicht für den Verein noch wichtiger als der Europapokalsieg vor zwei Jahre", sagte er später. Zwar lag das Spielende da bereits 90 Minuten zurück, Schmetz stand aber noch immer im Meister-T-Shirt und mit Bierbecher in der Halle und diskutierte mit Joey Duin - seinem niederländischen Landsmann im Dormagener Aufgebot - über das soeben Geschehene. Besagter Duin und seine Teamkollegen müssen nun dorthin, wo es weh tut: in die Relegationsrunde.
"Gut, dass uns das erspart geblieben ist", so Schmetz im Tonfall der Erleichterung.
Diese Meinung vertrat auch Tusem-Trainer Jens Pfänder. "Unter der Woche sind teilweise sechs Leute bei uns im Training ausgefallen. Wir haben Sigfusson trotz eines Rippenbruchs spielen lassen. Fast alle gehen am Stock. Ich weiß gar nicht, wie wir die Relegation personell hätten durchstehen sollen", sagte Pfänder.
Sein Blick aufs Spiel geriet betont sachlich, ohne jede Spur von Häme oder Genugtuung in Richtung des unglücklichen Kontrahenten. Dormagen hatte bereits im Vorjahr den Bundesliga-Aufstieg nur um Haaresbreite verpasst. Nun also der nächste Nackenschlag in einem Finale.
"In der ersten Halbzeit haben wir nicht die richtigen Antworten auf die Dormagener Angriffe gehabt", so Pfänder. Dann habe sich seine Mannschaft aber vor allem in der Abwehrarbeit kontinuierlich gesteigert. Leidtragender der ersten taktischen Umstellung war Eryk Kaluzinski. Der hatte sich bei den ersten Angriffsversuchen zwei Fehlversuche erlaubt - und fand sich prompt auf der Bank wieder. Erst gegen Ende von Hälfte eins durfte er aufs Feld zurück - und zahlte dieses Trainervertrauen mit wichtigen Toren zurück. "Eryks Stärke ist, dass er auch nach schwachem Beginn immer zurückkommt", lobte Pfänder.
Mit Blick auf die Zukunft blieb der Coach zurückhaltend: "In der 1. Liga kann es für uns nur um den Klassenerhalt gehen. Wir wollen unseren Kader qualitativ in der Breite verbessern. Erste Neuzugänge werden wir bereits in dieser Woche präsentieren."
Dann eilte der Coach in die Kabine. Dort warteten seine Spieler. Und ein Aufstiegs-Pokal. Dieser hatte inzwischen aber nur noch die Funktion eines Riesen-Bierbechers inne. Alle sangen. Alle tranken.
So schmeckt die 1. Liga.
20.05.2007 Von Thomas Richter