23:34 - Bären erschreckend schwach und harmlos
Erstligist TSG Ketsch unterliegt gestern im Heimspiel gegen Frankfurter HC / Viele Fehler auf beiden Seiten
In einem weiteren vorentscheidenden Heimspiel gegen den Abstieg aus der 1. Handball-Bundesliga der Frauen gab es für die TSG Ketsch wieder nur das Nachsehen: Mit 34:23 (12:10) nahm der Frankfurter HC den Erfolg gestern aus der Neurotthalle überdeutlich mit in den Osten. Statt mit den besser platzierten Oderstädtern nach Punkten gleichzuziehen, muss Ketsch weiter um den Klassenerhalt bangen.
Beide Teams waren in der Aufstellung nur dünn besetzt, Frankfurt/Oder ohne Rückraumspielerin Agnieszka Wolska, der Gastgeber ohne Simone Kuhn, Natalie Augsburg und Mandy Burrekers sowie mit einer durch eine Mandelentzündung gehandikapten Astrid Wörner, was bei ihr nur Kurzeinsätze zuließ. Die Anspannung auf beiden Seiten war zu Beginn groß. Die Nervosität legte sich in einer zerfahrenen Spielweise nieder, die anfänglich nur wenige Treffer zuließ, Fehlpässe prägten das Bild. Dies bestätigte auch FHC-Coach Dietmar Schmidt: "Wir kamen mit Spannung nach Ketsch, waren gewarnt und wir waren verunsichert." Denn zunächst kam dann Maike Brückmann gut ins Rollen. Mit ihren Würfen und Anspielen machte sie den HC-Verteidigern das Leben schwer, zwang Schmidt, beim 5:3 seine Damen zum Gespräch zu bitten (14.). Eine Auszeit mit Folgen - für die TSG. Der FHC reduzierte seine Fehlerquote fast auf Null und zog mit fünf Toren in Folge davon (5:8/18.).
Nach dem Seitenwechsel patzte Ketsch munter weiter, geriet fast hoffnungslos ins Hintertreffen. Das 10:17 (36.) war Anlass genug für Trainerin Karin Euler, ihrerseits den grünen Karton zu legen - allerdings ohne jegliche nachhaltige Wirkung. Ihr fehlten ohne Wörner und Augsburg "die personellen Alternativen in der Abwehr. Da waren die Zwerge doch etwas überfordert". So musste Elli Garcia Almendaris von Beginn an mit ran, vertrat Brückmann in der Defensive. Symptomatisch in dieser Phase aber auch: Unter Zeitdruck ballerte Ketsch x-mal auf das Gehäuse von Katja Schülke, bevor Julia Löbich mit einem verdeckten Glückstreffer das 13:20 (40.) gelang. Auch Ilka Arndt, die im ersten Durchgang glänzte, von fünf Siebenmetern keinen die Torlinie passieren ließ und weitere acht Paraden bot, bekam nun kaum noch eine Hand an einen Ball. Immer wieder die Aktionen am und über den Kreis brachte die TSG in Bedrängnis. "Dort hatten wir große Probleme, das bekamen wir gar nicht in den Griff", meinte Euler.
Auch eine Phase nach der 48. Minute, als Frankfurt nur zur viert agierte, ließ das Bären-Defizit nicht kleiner werden. Im Gegenteil: Die Gäste trafen zweimal, anschließend flog Franzi Garcia Almendaris mit "Rot" vom Platz, da sie sich mit Meckern ihre dritte Zeitstrafen einfing.
Es kam wie es kommen musste. Die Brandenburger deklassierten ihre Kontrahenten im Endspurt weiterhin, bauten ihren Vorsprung ständig aus. Beim 22:32 (57.) betrug die Differenz erstmals zehn Tore. Schmidt: "In der zweiten Halbzeit haben wir unser Konzeption so umgesetzt, dass es am Ende zum deutlichen Sieg geführt hat."
TSG-Abteilungsleiter Franz Lemberger, fehlte bei seinen Mädels "der Mumm. Die zweite Halbzeit war sehr schlecht. Ich hätte mir mehr Kampfeswillen gewünscht". Dem widersprach Schmidt ein wenig, als er noch artig Komplimente verteilte: "Ketsch hat nie aufgegeben. Hut ab! Aber am Ende hat wohl die körperliche Überlegenheit durch das Tempo mit dazu beigetragen, dass es so deutlich geworden ist."
Karin Euler machte hauptsächlich die Defensive für das Desaster verantwortlich: "Wir haben in der Abwehr über 60 Minuten nicht die Einstellung gefunden, die wir gebraucht hätten, haben uns selbst gegenseitig geholfen". Daraus resultierten dann unnötige Eins-gegen-Eins-Situationen, aus denen die TSG, wohl auch wegen der körperlichen Unterlegenheit, meist als zweiter Sieger hervorging. Aber auch die Chancenverwertung der letzten 30 Minuten fand bei Euler wenig Gnade: "Wenn wir eine Chance hatten, dann haben wir die auch noch vergeben." Aufgegeben hat sie allerdings noch nicht. "Dass das Spiel mit so einer deutlichen Niederlage ausgehen würde, damit habe ich beim besten Willen nicht gerechnet. Wir haben den Bonus vom letzten Wochenende heute wieder leichtsinnig verschenkt." Docj Euler kündigte massive und harte Arbeit an, "um die, wie ich glaube, erforderlichen vier Punkte zu holen".
TSG: Arndt, Mahr (ab 52.); Ullrich (9/2), Zapf (n.e.), Trunk, Merkel (1/1), E. Garcia Almendaris (1), Wörner, Gubernatis (2), F. Garcia Almendaris (2), Huber, Laverroux (n.e.), Löbich (2), Brückmann (6).
FHC: Schülke, Bralo; Groke (1), Paap (10), Schneider (1), Geschke (5/1), Scheidemann (1), Hering (6), Jochin (5), Kot, Neuendorf (4), Kinjo (1).
Schiedsrichter: Andler/Andler (Remseck). - Zuschauer: 450. - Siebenmeter: 6/3:6/1. - Zeitstrafen: 6:8 Minuten und rote Karte gegen F. Garcia Almendaris (53.).
Spielstationen: 5:3, 5:8, 9:10, 10:12 (HZ), 10:18, 12:20, 17:22, 21:26, 23:34.
Schwetzinger Zeitung - Mike Junker
29. Januar 2007