Nichts war es mit dem so wichtigen TSG-Heimsieg
HANDBALL; Bundesligist Ketsch gegen Buxtehude schwach
(c) Schwetzinger Zeitung - Andreas Lin - - 15.01.2007 *rk
Mit einem Sieg gegen den direkten Konkurrenten Buxtehuder SV wollten die Bundesliga-Handballerinnen der TSG Ketsch gestern Nachmittag eigentlich einen ersten wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt machen. Doch dieses Vorhaben ging gründlich in die Hose: Nach einer vor allem in der ersten Hälfte schwachen Vorstellung unterlagen die Bären in der sehr gut besuchten Neurotthalle auch in dieser Höhe verdient mit 22:31 (10:17). Durch den gleichzeitigen Erfolg des bisherigen Schlusslichts Borussia Dortmund gegen Oldenburg rutschte die TSG auf einen Abstiegsplatz - und muss sich gegenüber gestern deutlich steigern, damit das nicht bis Saisonende so bleibt.
Enttäuscht von der Leistung ihrer Mannschaft verließen viele Ketscher Anhänger die Halle. "Man darf verlieren - aber nicht so", schüttelte ein treuer Fan den Kopf und erinnerte sich da besonders an die erste Hälfte, als die Gastgeberinnen fast überhaupt nichts zustande brachten, sage und schreibe 20 Angriffe versemmelten und auch in der Abwehr keine Einstellung fanden. "Da kamen wir immer einen Schritt zu spät", ärgerte sich Trainerin Karin Euler. "Buxtehude war konsequent in der Abwehr und konsequent im Gegenstoß, da hatte es Ketsch einfach schwer", analysierte Bundestrainer Armin Emrich. Viele Zuschauer fragten sich, wie die Bären in der Vorrunde auswärts bei dieser Mannschaft gewinnen konnten. Doch damals fehlten die aktuelle Nationalspielerin Stefanie Melbeck und die ehemalige Auswahlakteurin Susanne Henze, die auf der rechten Seite mächtig Alarm machten und zusammen 16 Tore erzielten.
Zudem verpflichtete "Buxte" kürzlich für den Abstiegskampf noch die holländische Nationaltorhüterin Debbie Klijn. Sie brachte zwar gestern keine Glanzleistung, was angesichts der oft harmlosen Würfe der Gastgeberinnen auch gar nicht notwendig war. Aber die Torhüterposition war bei den Gästen deutlich besetzt, auch wenn "Ketschs "Aushilfskeeperin" Nicole Mahr nach ihrer Einwechslung für die glücklose Mandy Burrekers wenigstens noch einige Bälle hielt. "Schade, dass Ilka Arndt, nicht dabei war, das hat man natürlich gemerkt", bedauerte der Bundestrainer - einerseits für die TSG Ketsch und auf der anderen Seite auch, weil er die verletzte Nationalspielerin nicht beobachten konnte.
Nur eine Viertelstunde hatte Armin Emrich Gelegenheit, Natalie Augsburg unter die Lupe zu nehmen. Nicht wenige Experten rund ums Ketscher Lager sind nämlich der Ansicht, dass die abwehrstarke Linksaußen einmal eine Einladung zu einem Lehrgang der Nationalmannschaft verdient hätte. Doch nach einer Viertelstunde musste die 23-Jährige verletzt aus dem Spiel - Verdacht auf Sehnenabriss am Finger. Damit fällt die Leistungsträgerin mit Sicherheit für das doppelt wichtige Spiel am Sonntag in Göppingen aus.
Als Natalie Augsburg gestern ausschied, hatte das Ketscher Schicksal schon seinen Lauf genommen. 4:10 stand es zu diesem Zeitpunkt. Vom Anpfiff weg fanden die Bären nicht zu ihrer Linie. Vom Rückraum ging praktisch überhaupt keine Gefahr aus, die kompakte Deckung der Norddeutschen hatte besonders Maike Brückmann früh den Zahn gezogen. Zahlreiche technische Fehler und Fehlwürfe kamen hinzu. Und auf der Gegenseite war die Ketscher Abwehr häufig nicht im Bilde und sah tatenlos zu, wie der Buxtehuder SV seine beiden Außen in schöner Regelmäßigkeit freispielte und die dann auch noch problemlos trafen.
Zu Beginn der zweiten Hälfte hatten die Bären zehn stärkere Minuten, als sie fünf Tore hintereinander (zum 15:19) erzielten und noch genug Zeit gehabt hätten, das Blatt zu wenden. Doch bald schlichen sich wieder die bekannten Fehler ein und schließlich resignierten die Gastgeberinnen in der Schlussphase. "Ärgerlich, dass wir nicht in der Lage waren, eine bessere Leistung zu bringen", meinte Karin Euler. Offensichtlich hatte der Wille, dieses wichtige Spiel unbedingt gewinnen zu wollen, die TSG-Spielerinnen eher gelähmt als gepusht. Denn irgendwie fehlte auch etwas der bekannte Bären-Kampfgeist, der gestern nur bei der in Abwehr wie Angriff stets engagierten und zielstrebigen Friederike Gubernatis sowie bei Franziska Gracia Almendaris zu spüren war.
TSG Ketsch: Burrekers (1. - 20.), Mahr; Ullrich (6/5), Zapf, Merkel (2/1), Augsburg (1), E. Garcia Almendaris, Trunk (3), Wörner (2), F. Garcia Almendaris (5), Gubernatis (2), Huber (1), Laverroux, Brückmann.
Buxtehuder SV: Klijn, Reiner; Vogt, Kotenko (2), Wode (1), Pawlewska, Harms (5/3), Schulz (5), Lorenz, Henze (8), Lupke, Hipler, Neumann (2), Melbeck (8).
Zuschauer: 800 - Schiedsrichter: Hilfinger/Kroner (Ulm/Senden) - Siebenmeter: 6/7:3/3 - Zeitstrafen: 8:12 (und rote Karte nach drei Hinausstellungen gegen Kotenko/40.) - Beste Spielerinnen: Gubernatis - henze, Melbeck.
Wichtige Spielstationen: 0:2, 1:5, 4:10, 10:17 (HZ), 10:19; 16:20, 18:26, 21:31, 22:31.
Schwetzinger Zeitung 15. Januar 2007