Sehe ich auch so, Meikel. Vize-Europameister ist vielleicht doch mehr, als viele erwartet haben.
Daß die Mannschaft gestern so schwach und platt wirkte dürfte meiner Meinung nach damit zusammen hängen, daß sich das Pendel nach guten ersten 10 Minuten langsam in die Richtung der Spanier geneigt hat. Egal, was die deutschen Spieler auch versuchten, es schien immer ein Spanier mehr in der Nähe zu sein. Das gibt dann einen Knacks in der Psyche und das hat man gemerkt. Die Spanier haben das Spiel ganz einfach dominiert, wie sie bislang jeden Gegner dominiert haben. Jeder verloren gegangene Ball wurde blitzschnell zu Kontern ausgenutzt, von denen - das einzige Manko der Spanier - zu wenige ausgenutzt wurden (auch aufgrund der starken Leistung des besten Deutschen Lehmann).
Da steht Deutschland in der Nachbetrachtung dann doch nicht als ein so schlechtes Team da, wenn man bedenkt, daß aber auch gar keine andere Mannschaft, die gegen die Iberer spielten, es schafften sich von deren Druck und Umklammerung zu lösen. "Nicht finalwürdig" halte ich von daher zu übertrieben und eher dem Frust des gestrigen Abends geschuldet.
Es gilt die alte Fußballerweisheit: Du spielst nur so gut, wie es der Gegner zuläßt. Und der Gegner gestern hat unheimlich wenig zugelassen, das war einfach Weltklasse.
Ich denke auch, daß in der Nachbetrachtung schnell die Einsicht einkehren wird, daß die 14. Finalteilnahme in den letzten 26. EM- oder WM-Turnieren (man möge mich korrigieren, wenn die Werte nicht stimmen) bei den Einzelspielern, die nun mal nur zur Verfügung stehen, schon eine bemerkenswerte Leistung ist. Die Schuld alleine auf Ballack zu schieben, halte ich für falsch. Sicher hat er keine gute EM gespielt, aber nichtsdestotrotz ist er immer noch ein im Ausland sehr und in Deutschland sehr wenig hochgeschätzter Spieler - man wird sehen, was er nächstes Jahr in seinem Verein zustande bringt.