Es ist schon ein wenig facettenreicher und mir geht das dumme Geschwätz von den Reichen auf die Nüsse, die nur Steuern hinterziehen.
Wer will denn guten Gewissens behaupten, daß er noch nie einen km mehr dazu geschrieben hat bei den Fahrtkosten, seiner Steuererklärung einen dubiosen Beleg beigefügt hat, einem Handwerker Bargeld ohne Rechnung in die Hand gedrückt hat, um die Umsatzsteuer zu sparen?
Wieso ist der Dumme ist denn immer der "arme kleine Mann"? Weil er nicht genügend in der Steuerprogression steckt, daß er ins Grübeln kommt, auch Steuern "zu sparen"?
Vater Graf war damals dafür bekannt, daß er das Antrittsgeld seiner Tochter gerne mal in der Plastiktüte davon geschleppt hat. Dumm nur, daß das Finanzamt ja auch Zeitung lesen konnte und wußte, wo seine Tochter angetreten war. Ebby Thust hat es mit Saunaclubs übertrieben und - ironischerweise - Vater Graf wegen dessen Plastiktütengeschäften erpressen wollen. Beide sind ebenso aufgeflogen wie Beris Bocker, der nachweislich doch nicht in Monaco, sondern in München lebte.
Es gibt durchaus Steuerfahnder in Deutschland, die sich in Luxemburg aufhalten und dort Kennzeichen vor Banken notieren. Der Zufall will es, daß man so ja auch immer mal nach dem Halter schauen kann. Genügend Dinge, von denen der Normalsterbliche nichts mitbekommt.
Das mit der Folter im Falle Metzler kam mir auch so in den Sinn. Hätte damals ein Herrn Steinbrück gerufen "Ich hätte mal die Reaktion des Volkes hören wollen, wenn wir das nicht gemacht hätten." Ja, hätte man den Entführer damals gefoltert, dann hätte man den Jungen vielleicht retten können. Ich bin froh, daß es nicht so gekommen ist, obwohl der Stammtisch das uneingeschränkt bejaht hat.
Aber dann stimmt mir der Maßstab nicht mehr. Ein Steuerhinterzieher - wenn er einer ist und nicht jeder, der eine Stiftung in Liechtenstein hat, muß per se einer sein, kann es aber natürlich - wird vom Staat durch eine Straftat aufgedeckt, davor ein Menschenleben zu retten schreckt man aber zurück?
Was wir in letzter Zeit erleben ist natürlich das Gefühl, "die da oben" bescheißen "die da unten". Das hat aber auch damit zu tun, daß der fürsorgende Staat spätestens nach Schröder sich doch ein wenig aus der Fläche zurückgezogen hat und gerade die Menschen, um die er sich doch sehr fürsorglich gekümmert hat, müssen eher darum fürchten, irgendwie auf der Strecke zu bleiben. Das erklärt doch auch diese neue Partei der Enttäuschten und Auf-der-Strecke-Gebliebenen.
Nichtsdesto trotz muß auch "der Staat", wie ihn der Bürger wahrnimmt, sich einmal Gedanken darum machen, wieso seine Abgabenquote eben nicht im gleichen Maße abnimmt, wie seine Leistungen abnehmen. Steuerhinterziehung gibt es nicht nur in Deutschland. Aber unrecht hat der Erbprinz von und zu Liechtenstein nicht, wenn er sagt, daß Deutschland erst einmal seine Hausaufgaben machen müsse.
Trotz gegenteiliger Meinung des Stammtisches zahlen die 10% der Besserverdienenenden noch immer die Hälfte aller Steuern. Trotzdem viele andere Staaten die Erbschaftsteuer abschaffen, "reformiert" das deutsche Ministerialbeamtenkrebsgeschwür Richtlinien und Verordnungen, die wieder mehr Kapital ins Ausland treiben.
Da kommt doch ein Fall Zumwinkel gerade mal recht. Der böse Manager, der Mindestlöhne fordert, der den hehren Unternehmensleiter gibt und der selbst Gelder ins Ausland schafft und hier verschweigt. Da kann man die öffentliche Meinung doch besser darauf hetzen als mal sein eigenes Handeln und Geldverschwenden zu verteidigen.