Auch wenn es sich ziemlich abgedroschen anhört und es jeder heute schon mal gehört hat, der es im Fernsehen verfolgt hat:
Hessen ist eigentlich traditionelles SPD-Land gewesen. Dann gab es mal einen CDU-Außenseitersieg, dann wieder Eichels SPD-Regierung. Dann hat Koch aus der Bundesopposition seiner Partei heraus Eichel besiegt, der dann nach Berlin gegangen wurde. Die Regierung in Hessen hat Koch dann bei der letzten Wahl erdrutschartig ausgebaut; auch hier hatte die Bundespolitik einen nicht unerheblichen Einfluß - es waren Krisenzeiten von Schröders SPD und die SPD hatte zumal einen so schwachen Kandidaten aufgestellt, an den ich mich gar nicht mehr erinnern kann.
Trotzdem waren die SPD und CDU in Hessen eigentlich traditionell gleichauf und so sieht es heute ja auch aus. Ausgehend von dem letzten Erdrutschsieg gab es heute also eine Erdrutschniederlage für Koch. Trotzdem muß man ihm allerdings konstatieren, wie ich es schon auf Seite 4 oder so getan habe, daß er in der Auswahl seiner Themen schlicht und ergreifend vollkommen in die Toilette gegriffen hat.
Anstatt den Amtsbonus auszunutzen und nichts Falsches zu sagen wie Wulff in Niedersachsen, hat Koch Themen besetzt, die er nicht im Griff hatte. Er hat es versäumt, Frau Ypsilanti selbst das Spiel machen zu lassen und sich so unter Beweis zu stellen, daß sie doch tatsächlich noch weniger schlau ist als er.
Daß sie ein der Schulpolitik traditionell auf die SPD-Schiene setzt der Einheitsschule, den Sohn ihres Lebensgefährten besser aber nicht an diesem Versuch teilnehmen läßt und ihn eine Privatschule besuchen läßt. Daß sie eine wolkenkuckucksmäßige Energiepoltik vertritt und einen Schattenminister im Bereich Wirtschaft aufstellt, der außer Windräder nichts angekündigt hat. Daß sie Mindestlöhne fordert und das Beispiel Frankreich doch genug sein sollte, um zu zeigen, wie sich das auf die Arbeitslosigkeit gerade der wenig gebildeten Bevölkerungsteile auswirkt - nämlich noch mehr staatlich verursachter Arbeitslosigkeit. Daß sie für den Flughafenausbau ist; die Grünen aber strikt dagegen wurde auch nicht wirklich thematisiert. Das sind übrigens Landesthemen, der Mindestlohn nicht.
Richtig ist allerdings, daß Frau Y. immer glaubwürdig geblieben ist. Schon Schöder hat sie als Parteilinke gehaßt und sie lediglich "Frau XY" genannt. Aber der Zeitgeist heute - und das beweißt das Ergebnis - steht nun mal auf den treusorgenden Sozialstaat, der Mindestlöhne einfordert, der beim ersten Sparerfolg die Zumutungen wieder zurückfährt. Das ist nach den Parteitagen der SPD und der Grünen sehr deutlich geworden, in dem wieder das Rad zurückgedreht wurde in Richtung der "Sozialen Annehmlichkeiten".
Und so steht das Wahlergebnis in Hessen unter Berücksichtigung der Partei, die einem Villenbesitzer hörig ist, mit 55% für inzwischen wirklich sozial-linke Parteien. Was auch nicht verwunderlich ist, wenn man sich vergegenwärtigt, daß 55% des Volkes vom Staat leben.
Zum Fazit bleibt: Wenn die Linken tatsächlich reinkommen, wird die SPD mit den Grünen keine Mehrheit haben, aber von den Linken toleriert werden. Ich bin mal gespannt, wie Frau XY und das Maskottchen des Dürkheimer Wurstfestes sich damit auseinandersetzen wollen. Rot-schwarz scheidet ebenso aus wie die Ampel.
Zitat
Wenn das stimmen sollte frage ich mich jedoch warum ausgerechnet in Viernheim, der Stadt mit der mit Abstand höchsten Kriminalitätsrate im Kreiß Bergstraße, seit gut zwei Jahren nur noch eine Teilzeit besetzte Polizeistation hat???
Weil man dort auf großartige Talente im Bereich Sozialarbeit wie Dich gesetzt hat. Also beende mal Dein Studium Summa cum Laude.