Quelle: Flensburger-Tageblatt
Boesen macht den Unterschied – Klasse, Lasse!
Drei Spiele, drei Siege – die neue SG Flensburg-
Handewitt hat in der Handball-Bundesliga einen optimalen Start hingelegt. Der 36:34-Erfolg über den VfL Gummersbach war nach einer Achterbahnfahrt der Gefühle allerdings erst 15 Sekunden vor dem Abpfiff in Sack und Tüten.
Flensburg
– Der Schlusspfiff der schwachen Schiedsrichter Andler/Andler ging im Jubelsturm der 6300 Zuschauer unter. Die Campushalle bebte. In einem furiosen Finale hatte die SG Flensburg-Handewitt das beim 31:33-Rückstand (55. Minute) schon fast verloren scheinende Heimspiel gegen den VfL Gummersbach mit unbändigem Siegeswillen noch in einen 36:34 (19:16)-Erfolg verwandelt. Minuten lang feierten die SG-Anhänger ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. Zu Recht. Auch der sonst so zurückhaltende Kent-Harry Andersson verfiel anschließend in Superlative. „Mit einer unglaublichen Einstellung, voller Konzentration und unserem neuen Teamgeist haben wir das Spiel noch gedreht.“
In der Tat: Die runderneuerte SG hatte in den letzten fünf Minuten Grandioses geleistet. 5:1 hatten die Flensburger die entscheidende Phase für sich entschieden, nachdem sie nach famosen ersten 22 Minuten und einer 13:8-Führung in Abwehr und Angriff mächtig ins Schlingern geraten waren und den Altmeister aus dem Bergischen Land mit sechs technischen Fehlern in Folge zu Beginn der zweiten Hälfte endgültig ins Spiel zurück geholt hatten. „Es passiert nicht oft, dass man in Flensburg kurz vor Schluss mit zwei Toren führt. Dann muss man Erfahrung zeigen. Doch die hatten wir nicht“, ärgerte sich der neue Gummersbacher Manager Francois-Xavier Houlet.
Vor allem hatten die Gummersbacher in der Schlussphase keinen Lasse Boesen. „Er war heute der Matchwinner“, lobte Kent-Harry Andersson seinen neuen Dänen. „Er hat in der zweiten Hälfte die einfachen Tore gemacht, die wir gebraucht haben.“ Fünf seiner sechs Treffer erzielte der Europameister allein im zweiten Spielabschnitt und hielt eine nervöse und teils konfuse SG damit im Spiel. Boesen war es auch, der in der 59. Minute die vorentscheidende 35:33-Führung erzielte, ehe Lars Christiansen 15 Sekunden vor dem Ende mit seinem dritten verwandelten Siebenmeter zum 36:34 alles klar machte.
Boesen war der entscheidende Unterschied. Der Erfolg der SG hatte aber auch noch andere Väter. Vor der Pause glänzten die beiden Neuzugänge Alen Muratovic und Oscar Carlén als Anspieler und Torschützen. Im Tor bot Dan Beutler eine starke Leistung. Und über die gesamte Spielzeit war einmal mehr Verlass auf Lars Christiansen, der wie schon in Minden elf Treffer erzielte, nur beim 31:32 per Siebenmeter an Ploquin scheiterte. Bei Spielmacher Thomas Mogensen wechselten dagegen an diesem Abend Licht und Schatten.
„Wir haben nach der Pause den Kopf verloren anstatt Ruhe zu bewahren“, meinte der SG-Playmaker, der sich von der allgemeinen Verunsicherung ebenfalls hatte anstecken lassen. „Die vielen technischen Fehler haben uns nervös gemacht“, ergänzte Alex Petersson. Johnny Jensen indes machte die vielen Zeitstrafen gegen die SG für den spielerischen Substanzverlust in Angriff und Abwehr verantwortlich, „Da wurde es schwer gegenzuhalten.“
Doch die SG schaffte es – mit Hilfe ihrer Anhänger. „Das war ja eine Stimmung wie gegen Kiel“, bedankte sich Sportdirektor Anders Dahl-Nielsen für die großartige Unterstützung in den kritischen Phasen. „Mit 6300 Zuschauern im Rücken haben die Jungs das noch umgebogen.“ Auch Thomas Mogensen zollte den Fans Dank und Respekt: „Bei so einem Publikum darf man einfach nicht verlieren.“ Und mit Blick auf das nächste Auswärtsspiel in Melsungen merkte er an: „Wenn wir dort so kämpfen, werden wir wieder gewinnen.
“Hans-W. Klünner