Aus der Flensborg Avis:
Abschieds-Gala vermasselt
Handball. SG Flensburg−Handewitt enttäuschte beim 28:29 gegen Minden auf ganzer Linie.
FLENSBURG. 6300 Fans säumten die Zuschauer−Ränge der Campushalle, ausgerüstet mit jeder Menge guter Laune und spürbarer Vorfreude fieberten die Anhänger der SG Flensburg−Handewitt dem finalen Saison−Auftritt gegen den Abstiegskandidaten GWD Minden entgegen und gaben zugleich der großen Abschieds−Zeremonie einen würdigen Rahmen.
Was an diesem Tag allerdings ganz und gar nicht in dieses Bild eines "schönen Saison−Abschluss" passen wollte, war der Auftritt der Handballer − und zwar der der heimischen Ballwerfer. "Es ist beschämend, so verabschiedet man sich nicht", fand Manager Fynn Holpert noch recht moderate Worte, um den peinlichen Schluss−Akkord zu beschreiben.
Nach einer in vielen Belangen nahezu indiskutablen Vorstellung war der frischgebackene Vizemeister dem Gast aus Ostwestfalen mit 28:29 (12:15) unterlegen gewesen und erntete dafür vollkommen zurecht Pfiffe von den maßlos enttäuschten Zuschauer.
Während sich die SG den guten Gesamteindruck einer unerwartet guten Saisonleistung ein Stück weit selbst vermasselte, vollführten die Gäste wahre Freundentänze, hatten sie durch den Überraschungserfolg den Klassenerhalt noch im allerletzten Moment geschafft.
"Wir müssen uns entschuldigen. So etwas darf nicht passieren", rätselte auch der frustrierte SG−Coach Kent−Harry Andersson, der die kämpferisch starke Leistung der Gäste damit nicht mindern wollte. "Aber wir haben einfach nicht ins Spiel gefunden. Auch wenn wir unter dem Strich zufrieden sein können, so bleiben die letzten Spiele klar in Erinnerung. Und da waren wir nicht gut. Das ist schade."
Minden reichte die erwartet kämpferische Toppräsentation, um die Campushalle zu erobern. Der Favorit leistete sich nur Stückwerk, ließ die Bindung in Abwehr wie Angriff vermissen und agierte absolut tempomüde.
In der Summe zu viele Defizite, um Oberhand zu bekommen. Ab dem 8:8 (16.) schalteten die Gastgeber von Hasen− auf Schneckengang um und gerieten völlig verdient mit 8:13 (22.) ins Hintertreffen.
Andersson wechselte an diesem denkwürdigen Tag seine Besetzung häufig, Besserung stellte sich nicht ein. Die Palette an Gefühlsdarstellungen reichte dabei von "ich will, aber alleine kann ich nicht" bis zu "ich könnte, will aber nicht".
Beim 26:26 (56.) schienen die Hausherren den Kopf noch aus der Schlinge ziehen zu können, doch der Handball−Gott hatte ein waches Auge und bestrafte den für ein Spitzenteam "unwürdigen Auftritt" mit einer gerechten 28:29;Niederlage.
"Wir bekommen eine neue Mannschaft, die über einen anderen Charakter verfügen wird", bemühte sich Fynn Holpert tröstende Worte zu finden und schob eine interessante Kampfansage hinterher: "Im nächsten Jahr wollen wir besser abschneiden, als es in dieser Saison der Fall war."
SG Flensburg−Handewitt: Beutler, Sijan − Mogensen 5/2, Nielsen 1, Holmgeirsson, Jensen, Christiansen 7/5, Vranjes 2, Johannsen 3, Lijewski 2, Petersson 3, Knudsen 5.
GWD Minden: Besirevic − Hynek, Niemeyer 6, Henriksson 4, Kunisch, Buschmann 1, Buschmann 1, Haaß 4, Simon 2, Schäpsmeier 5, Jonsson 6/4, von Behren 1.
Schiedsrichter: Damian/Wenz (Bingen)
Zuschauer: 6300 (ausverkauft)
Zeitstrafen: 4:12−Minuten (Jensen, Petersson ; Hyrek, von Behren zwei Mal, Schäpsmeier, Henriksson, Simon)
Rote Karte: Simon (47. nach Foul an Jensen)
Volker Metzger