Spätestens nach dem Lesen dieses Artikels steht für mich fest, daß da Methode hinter steckt. Dragan Markovic tut mir wirklich leid. Natürlich kann man "von draußen" Konzeptlosigkeit und Versäumnisse in taktischer Hinsicht hinterstellen, wenn ein Spiel verloren wird. Generell aber sollte man die Möglichkeit in Betracht ziehen, daß da kein willenloser Gegner auf dem Feld steht, sondern eine ebenso vorbereitete und eingestellte Mannschaft.
Wenn dabei letztlich kein ansehnliches Spiel zustande kommt, wenn selbst der Bundestrainer als Augenzeuge "erschreckendes Niveau" feststellt, wie an anderer Stelle zu lesen war, dann belegt das im Wesentlichen, daß es sich um kein "Spitzenspiel" gehandelt haben kann. Nur das dürfte vorher schon jedem klar gewesen sein, und das Attribut "Derby", das von was-weiß-ich-wem lediglich aufgrund gleichem Herkunftsbundesland als Pseudo-Argument natürlich Einzug finden muß, entlockt mir ehrlichgesagt auch eher ein müdes Lächeln als echte Beachtung.
Aber zurück zum Anfang. Hält man sich die Pressekonferenz nach dem Spiel vor Augen, in der einige sehr merkwürdige Fragen gestellt wurden (selbst der Gästetrainer sah sich unaufgefordert genötigt, einige unverständlich vorgetragene Vorwürfe an Dragan Markovic sachlich zu kommentieren), dann bekommt der vorliegende Artikel ein völlig anderes Gesicht und einen für mich erschreckenden Hintergrund.
In meinen (unbedarften?) Augen wird da massiv unter Zuhilfenahme (das ist wohl der treffendste aller verharmlosenden Begriffe) der Lokalpresse am möglichst kostengünstigen "Entsorgen" des Trainers gearbeitet. Ich erkenne also diverse Fragestellungen absolut wieder, vermisse aber die entsprechenden Erläuterungen und Richtigstelungen, die ebenfalls gegeben wurden. Boulevardjournaille in allerübelster Güte also.
Unter dem Strich: selbst wenn man dem Trainer in fachlicher Hinsicht Mängel und Versäumnisse vorwerfen könnte, wäre der hier von Presseseite eingeschlagene Weg der denkbar lächerlichste. Jeder, der das teilweise unverständliche (ich vermeide das Wort "unwürdige") Szenario nach dem Spiel miterleben durfte, wird die Diskrepanz zwischen Hinterfragen und Schlußfolgern mühelos erkennen, was eine Wirkung des Pamphletes allenfalls beim "Fußvolk" erwarten läßt.
Aber - ist das nicht vielleicht genau das, was "man" bezwecken will? Einfach um jeden Preis Stimmung machen gegen einen vorher definierten "Schuldigen"? Aber wer ist "man"? Und wer hat diesen vermeintlich "Schuldigen" dann schon vordefiniert? Nunja, diese Fragen möchte ich als Nicht-Wetzlarer mal besser nicht beantworten ...
Ich wünsche der HSG jedenfalls vielleicht gerade wegen dieser unschönen Geschichten ein Überleben in der Bundesliga. Kein Verein (ganz abgesehen von den Trainern als Einzelpersonen) hat es verdient, auf solche Weise Stück für Stück der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden. Und vielleicht erlebe ich den Tag ja doch noch, wo das auch die "Strippenzieher" und die "Stimme des Volkes" einmal begreifen, daß es trotz aller wirtschaftlichen Abhängigkeiten auch um MENSCHEN geht, über die auf so üble Art in (unterstellter) konzertierter Aktion hinweggetrampelt wird. Ein wenig Contenance kann doch so schwer nicht sein - auch nicht für einen Herrn Ralf Waldschmidt -, oder?.