Semrau heißt dieser fähige DSF-Mann, Uwe Semrau. ![]()
Ja, das Grundproblem der meisten Sportarten abseits vom alles überstrahlenden Fußball, wo schon Dreijährige die Aufstellungen sämtlicher Lizenzvereine auswendig 'runterbeten können. Aber ist das die Grundlage für ein Qualitätsurteil?
Ganz nüchtern betrachtet: der Handball als medientechnischer Jedermannsport ist immer noch erst am heranreifen. Bevor man die Kommentatoren namentlich nennt und virtuell "zur Sau macht", sollte man bei denen anfangen, die noch näher dransitzen. In mehreren Auswärtshallen fiel mir auf, daß die jeweiligen Hallensprecher teilweise mächtige Probleme mit Spielernamen haben. Da können wir uns in Melsungen glücklich schätzen, einen der besten Männer überhaupt in unseren Diensten zu haben.
Als jemand, der sich grundsätzlich ausschließlich und allein auf die eigenen Aufzeichnungen verläßt, fällt mir extrem oft die scheinbare Inkompetenz diverser Sekretäre auf. Da werden Tore den falschen Spielern zugerechnet, Zeitstrafen zeitlich verschoben, weil es scheibar zu viel verlangt ist, zwei Ereignisse (Tor und gleichzeitig Zeitstrafe für den Abwehrspieler) in kurzer Zeit zu verarbeiten, werden gar Zeitstrafen komplett "vergessen". Der Fall eines unbemerkt viel zu früh von der Bank ins Spiel zurückgekehrten Spielers war ja kürzlich erst in den Medien.
Bei solchen strukturellen Problemen vor Ort fällt es mir ehrlichgesagt schwer, einfach offen erstmal auf die Reporter einzuschlagen. Die sehen sich momentan auch einer Entwicklung gegenüber, die noch vor einem Jahr nicht abzusehen war. In der Fußball-Bundesliga fällt sowas kaum auf, weil da fast jeder eingesetzte Kommentator "seinen" Verein hat. Außerdem lassen die meist behäbigen Aktionen und langen "Verschnaufpausen" während der Spiele ganz andere Möglichkeiten für die Männer (und Frauen) am Mikrofon. Im Handball haben wir eine handvoll "Experten", die plötzlich alles und jeden kennen sollen/müssen, und das möglichst ohne jeden Fehler. Ne, so geht das nicht.
Kurz noch was zum Spiel:
Geniale Halle, super Stimmung, für einheimische Fans sicher eine tolle Sache. Melsungen mit engagiertem und für meine Begriffe auch mehr oder weniger gutem Beginn. Dann verhängnisvolle 150 Sekunden, in denen Hamburg auch durch individuelle MT-Schwächen (Zeitstrafe Klitgaard, indisponierter Stojanovic mit zwei katastrophalen Wurfversuchen, glückloser Kelentric) glatte fünf (f-ü-n-f-!-!-!) Buden macht. Danach haben die Rot-Weißen bis zur Pause schlicht abgeschaltet und sich in Grund und Boden spielen lassen.
Hamburg hätte gestern in jedem Fall gewonnen, da muß man nicht groß diskutieren. Aber ohne den Super-Blackout wäre es garantiert lange Zeit offen geblieben. Martin Schwalb hat's in der PK recht deutlich durchblicken lassen: wenn nicht Yoon so sauber in die Bresche gesprungen wäre, hätte das ganz ordentliche Probleme geben können mit der überraschenden (und trotz des Ergebnisses wirkungsvollen!) doppelten Manndeckung gegen Gille und Hens. Hedin hat seine Sache im Vorfeld mehr als ordentlich gemacht und die Mannschaft hat es auch entsprechend umgesetzt - bis zu dieser verhängnisvollen 20. Spielminute.
Über diese immer wieder vorkommenden kurzen Phasen im Spiel der MT muß dringend gesprochen werden. Nicht mehr und nicht weniger. Denn alles, was danach noch kam, ist in diesem Sinne nicht mehr als reell zu betrachten. Das Kind war im Brunnen, und jede noch so gut gemeinte Bemühung um Schadensbegrenzung wäre ohnehin vor dem Hintergrund dieser Schwächeperiode verpufft. Deshalb sollte man die Kirche trotz aller verständlicher Frustration (mir hat die Rückfahrt von Hamburg auch nicht sonderlich gefallen ...) im Dorf lassen, sich von pauschalisierter Generalschelte verabschieden und lieber punktuell auf die wenigen entscheidenden Baustellen konzentrieren.