Hallo,
die Türkei als Gewinner hinzustellen ist schon sehr weit hergeholt. Das Land muss jeden Strohalm aktuell greifen, um nicht ganz unterzugehen. Sie hat keinen Rückhalt mehr in Europa und keinen mehr in der Arabischen Welt. Da bleiben nun mal nur Russland und China übrig, um die hohen Kosten in diesem Land etwas zu kontrollieren.
Was ich etwas vermisse ist ein großer Blick in die Geschichte und Verträge. Nach dem Zusammenbruch des Ostblockes, wurde von Seiten Nato und EU versprochen, dass man nicht zu nah an Russland heranrückt. Um dies zu unterstreichen wurde damals der Nato-Russland-Rat gegründet. Nun steht die Nato direkt an den Grenzen Russlands. Die EU ebenfalls. Für eine Großmacht das schlimmste, was passieren kann. Als die Ukraine nach Europa drängen wollte (mit aller Macht) fiel Russland in der Krim ein und übernahm die Halbinsel.
Wie der Zufall so will, ist es hier genau so abgelaufen, wie es schon mal in der Geschichte war. Ein Vergleich zwischen Hitler und Putin in diesem (nur in diesem) Zusammenhang (Annektieren) ist gerechtfertigt und auch richtig.
Die Interessen an der Krim sind klar und deutlich gewesen von Seiten Russlands.
Das was jetzt in der Ukraine abgeht ist etwas anders gestrickt und hat mit der Krim eigentlich gar nicht mehr wirklich was zu tun.
Dazu muss man auch mal schauen, wie der Konflikt entstanden ist: Das Unterjochen einer in dieser Region starken auf Ukraine gesamt gesehen kleinen Minderheit von Russland-stämmigen Einwohnern. Russland wurde als Amtssprache abgeschafft, es wurde aus Schulen verbannt. Russische Sender aus dem Kanalnetz genommen, Russische Ortsnamen umgeändert. Das sich das die Einwohner nicht gefallen lassen, liegt auf der Hand. Dass sie nach Russland ziehen wollen ebenfalls.
Die EU will hier eigene Interessen vertreten. So möchte man die EU auch gerne auf die Ukraine ausweiten, um wirtschaftlich weiter interessant zu werden, ist doch Osteuropa ein boomender Wirtschaftsraum. Die einzelnen Mitgliedsländer treffen die Sanktionen bisher ganz unterschiedliche. Aus sicht Deutschlands versucht man schwere Sanktionen zu verhindern. Wohl wissend, dass diese nicht nur Russland schaden. Aber auch die USA hat enge Wirtschaftsbeziehungen zu Russland, die ebenfalls jetzt unter den Sanktionen leiden. Trotzdem muss die EU ein Zeichen setzen, dass das Verhalten Putins so nicht akzeptabel ist. Seine geheimen Operationen in der Ukraine, die in meinen Augen tatsächlich stattfinden, sein Verhalten nach dem Abschuss von MH17 all dass muss Sanktioniert werden. Das schmerzt mehr als militärische Operationen.
Sowohl Nato, als auch Russland sehen in der Ukraine zur Zeit einen Spielball. Es wird massive Show of Forces betrieben. Übungen an den Grenzen zwischen Nato und Russland nehmen überhand. Dass man in der Ukraine einen wichtigen Nato-Partner sieht, zeigt, dass man eine Übung in der Ukraine angesetzt wird. Gegenseitige Provokationen sind aktuell auf der Tagesordnung. Dabei wird es bleiben. Sowohl Russland als auch EU/Nato können sich keinen Krieg mehr gegeneinander leisten. Wirtschaftlich würde es beide Seiten in ein Desaster stürzen. Das wissen beide. Daher sind ja regelmäßige Treffen möglich und finden statt.
Die Angst im übrigen, was manche Nato-Partner haben, ist Hausemacht. Auch in Estland, Litauen und Lettland, werden russischstämmige Bewohner unterdrückt. Estland zum Beispiel, haben diese Personen mit Glück einen russischen Pass, oder sind staatenlos. Sie arbeiten hauptsächlich als Putzfrauen, Bauarbeiter oder in anderen niedrigen Dienstleistungsbereichen. Aufstiegschancen = 0. Auch hier brodelt es dann. Und kein Staat lässt seine Bevölkerung im Stich. Das hat Deutschland damals auch nicht gemacht.