Krieg der Taxifahrer
Schießereien auf offener Straße, mehrere getötete Taxifahrer: Das Geschäft um den Personentransport ist in Johannesburg heiß umkämpft. Jetzt will die Regierung massiv gegen die "Barbarei" vorgehen.
Johannesburg - Ein mutiger Sprung mit Bauchlandung im Staub hat Martha Shilange zu Beginn ihres Arbeitstages das Leben gerettet. Die Hausangestellte aus Johannesburg, die morgens mit einem Minibus-Taxi zur Arbeit fahren muss, geriet plötzlich in den Kugelhagel rivalisierender Taxifahrer. Acht Menschen wurden in den vergangenen Wochen im Johannesburger "Taxikrieg" erschossen. Eines der Opfer starb bei dem Vorfall im Township Diepsloot, bei dem sich Shilange durch den gewagten Sprung retten konnte. "Es ist lebensgefährlich, Taxis zu nehmen, aber mir bleibt nichts anderes übrig", seufzt sie. Und fügt hinzu: "Da hilft nur noch Beten".
Wenn die Pendler morgens mit den Taxi-Bussen von ihren Vororten zur Arbeit in die Innenstadt der südafrikanischen Metropole fahren, fährt immer auch die Angst mit. Eine Alternative gibt es für die meisten nicht - sie sind auf die hoffnungslos überfüllten Minibusse angewiesen. Für die Taxifirmen sind die Strecken in die Innenstadt wiederum ein verlockendes Geschäft, auf das sie um keinen Preis verzichten möchten: Wer eine Route für sich beanspruchen kann, verdient sich eine goldene Nase. Doch die Regierung hat die verschiedenen Einfallstraßen nie einzelnen Firmen zugeteilt.
Aus der Zeit der Apartheid bestehen noch sogenannte "Radiuslizenzen", die das Fahren in einem bestimmten Umkreis erlauben - wobei die Umkreise sich überschneiden. Seit Jahren versuchen die verschiedenen Firmen, ihre Gebietsansprüche mit Waffengewalt zu regeln.
Überfälle auf offener Straße
Bislang wurden die Fahrer der Rivalen meistens in ihren Häusern überfallen. In jüngster Zeit aber mehren sich die Angriffe auf Taxis auf offener Straße - Ziel dabei ist es auch, die Kunden von bestimmten Unternehmen fernzuhalten. Der offene Taxikrieg hat nun endlich die Regierung auf den Plan gebracht. Mit Hilfe eines neuen Programms in Höhe von 7,7 Millionen Rand (rund 800.000 Euro) will Verkehrsminister Jeff Radebe in Zukunft festlegen lassen, welche Strecke von welcher Firma befahren werden darf. Er hofft, dass die "Barbarei" damit endlich ein Ende hat.
"Zu wenig und zu spät", urteilt Boy-Boy Mogorosi, der Sprecher des Taxi-Zusammenschlusses Top Six Taxis. "An den Taxiständen wurde schon so viel Blut vergossen, und nie geschah etwas". So habe es die Regierung bisher verabsäumt, alle gerichtlichen Empfehlungen für eine Beilegung des Konflikts umzusetzen. Noch pessimistischer sieht der Fahrer einer der zerstrittenen Firmen die Aussichten auf eine friedliche Regelung. "Das wird nie etwas, niemals", meint der Angestellte des Faraday Taxi-Verbandes, der seinen Namen nicht nennen will. "Wasser und Paraffin kann man nicht mischen, auch wenn man sich große Mühe gibt. Von unseren Leuten wurden welche umgebracht, und von ihren auch. Was heißt das? Das heißt, dass als nächstes wieder Rache folgt."
Um das zu verhindern, wurden mehr Polizisten zu den Taxiständen beordert und private Sicherheitskräfte - sogenannte Marshalls - angeworben. Doch selbst diese sind skeptisch: "Die Leute haben große Angst, sie glauben nicht, dass die Schießereien zu Ende sind", sagt Calvin Malema. Der Marshall, der an Shilanges Taxistand in Diepsloot Wache schiebt, fühlt sich selbst nicht wohl dabei: "Das Geschäft wird immer gefährlicher. Ich will nur noch zwei Jahre hier arbeiten und dann einen Job suchen, wo ich in Sicherheit bin."
Von Isaak Mangena, AFP
[URL=http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,491460,00.html]Quelle: spiegel-online[/URL]