Jau, die Zuschauerzahl war jetzt nicht so dolle...
ich denke nicht, dass man dem Bundestrainer allzuviel Vorwürfe machen kann, halte es schon für glaubwürdig, dass er eine völlig zerstrittene Mannschaft fokussiert hat - den Ausfall von Hubinger halte ich für fatal (die spielt einfach ruhiger und souveräner als die durchaus couragiert spielende Gubernatis, schon aufgrund ihrer körperlichen Voraussetzungen). Bei Geschke dachte ich schon, dass der so eine Jochen Fraatzrolle zugedacht war (also LA. der auch aus dem Rückraum kommt), das wurde überhaupt nicht umgesetzt.
Dank gebührt ihm auf jeden Fall, sich der Aufgabe angenommen zu haben (nachdem der DHB eine Doppelfunktion der Idealbesetzung Herbert Müller nicht haben wollte, so wird das jedenfalls in der ausländischen Presse dargestellt)
Biegler musste sicherlich auch Kompromisse machen - glaube z.B. kaum, dass ihm die (unter Etikettenschwindel angetretende) holländische B-Mannschaft als zentraler Testspielgegner so recht gewesen ist (eine Maßnahme des Verbandes, um das öffentliche Interesse anzuheizen) - eine Zielsetzung Achtelfinale + x (wie ihn auch andere ambitionierte Verbände benannt haben) wäre für die Mannschaft sicherlich besser gewesen (nach dem erschreckenden Litauenspiel hätte man da sicher überlegen können, etwas mit den Zielsetzungen runterzufahren)
Biegler selbst blieb ja immer in seinen 'konkreten' öffentlichen Äußerungen sehr vage, sowohl vom organisatorischen als auch vom taktischen (da kenne ich ihn vom SCM ganz anders, wo er wahnsinnig viel erklärt hat), nuja, Sommerfeld könnte man vielleicht ein bißchen als 'Verbandsaufpasser' interpretieren.
Man kann die Mannschaft durchaus auch als Opfer des Verbandes und Teilen der unkundigen deutschen Öffentlichkeit sehen (wenn in den Tagesthemen z.B. nach dem Auftaktsieg gegen Kamerun vom WM-Gold die Rede war).
Klar, der Verband hat zunächst im Auge, sein Turnier zu vermarkten... (und durch die sehr günstige Auslosung, dann ja auch durch die Turnierbäume vom Achtelfinale, ergaben sich Möglichkeiten...)
Ps. sehr aufschlussreich fand ich diese Passage aus einem Bericht der FAZ vor dem Turnier:
Zitat
Isabell Klein hat als kopfgesteuerte Spielerin in Frankreich dazugelernt. Viele Jahre setzte sie sich am frühen Morgen in Kiel ins Auto, fuhr etwa 150 Kilometer nach Buxtehude und arbeitete dort als Projektmanagerin einer Medizintechnikfirma. Dann kam das Training. Abends ging es zurück nach Kiel. Beruf, Handball, Familie – die Organisation all dessen lag bei ihr. Dominik Klein spielte schließlich alle drei Tage mit dem THW Kiel. Die Familie brauchte vier Babysitter, um den Alltag zu organisieren. Jetzt genügt ein australisches Au-pair-Mädchen für Colin. Freudig sagt Isabell Klein: „Wir können sogar abends zusammen Abendbrot essen.“ Sie genießt die Unterschiede: „Vieles in Frankreich ist viel verpeilter als bei uns. Wir sind ja gewohnt, dass alles perfekt läuft. Wir sind durch unser Leben gehetzt, alles war durchgeplant. Hier herrscht Laissez-faire, und ich muss sagen, diese Lockerheit hat auch Vorteile.“
Mit französischer Lockerheit spielt Isabell Klein bei der WM
Nuja, z.B. Cristina Neagu sagt glaubwürdig, sie hätte sich mit 13 Jahren dazu entschlossen,Weltklassespielerin zu werden (...und sie hätte noch nicht viele Bücher ihrem Leben gelesen). Die Erwartungshaltung an die Spielerinnen in Deutschland ist halt, an vielen verschiedenen Fronten zu kämpfen (wenn eine Spielerin in Deutschland nur Handball spielt, wird sie 'schräg' angeguckt- wenn der DHB da jetzt verstärkt irgendwelche Maßnahmen ergreift, die 'Vereinbarkeitsproblematik' anzugehen, dann doktert er nur an Symptomen rum).