Deutsch-norwegische Disharmonien
27.06.2008 - - Internationale Transfers sind in der GWD-Geschäftsstelle ungefähr so gefürchtet wie die Gesangseinlagen der deutschen Handball-Nationalmannschaft, denn wirklich harmonisch laufen diese Transaktionen nur in den seltensten Fällen ab.
Gründe hierfür gibt es viele. Immerhin sind an so einem länderübergreifenden Wechsel fünf, nennen wir es mal „Institutionen“ beteiligt. Da wären zum einen die beiden beteiligten Vereine, dann beide nationalen Verbände und als Schaltstelle der europäische oder der internationale Handballverband. Auf dem „kurzen Dienstweg“ geht da schon mal gar nichts und sprachliche Barrieren tragen ihr Übriges dazu bei, dass mancher Freigabeantrag zu einer wahren Odyssee wird.
Während die nationalen und internationalen Verbände ihren Teil zum Spielerwechsel immer recht zuverlässig beitragen, ist die Zusammenarbeit zwischen abgebendem und aufnehmendem Verein gelegentlich von gewissen atmosphärischen Störungen begleitet. Da ist man schon mal bezüglich der Freigabemodalitäten durchaus unterschiedlicher Meinung. Selbstverständlich möchte der abgebende Verein, seinen Schützling nicht ohne finanzielles „Schmerzensgeld“ ziehen lassen. Der übernehmende Klub hingegen hat das Ziel, sich wenn möglich die Zahlung von Ablösesummen zu ersparen. Entscheidend ist in solchen Fällen immer, ob der wechselwillige Spieler noch vertraglich an seinen alten Verein gebunden ist oder nicht. Und genau in dieser Frage scheiden sich oft die Geister, so aktuell im Fall Ingimundur Ingimundarson. Der isländische Rückraumspieler möchte seinen bisherigen Verein Elverum in Norwegen verlassen und in der neuen Saison für GWD Minden in der Bundesliga auf Torejagd gehen. In Norwegen, so sagen Ingimundarson und sein Spielerberater sei der Vertrag zum 30. April ausgelaufen. Folgerichtig hat der 28jährige in der vergangenen Woche einen Kontrakt beim Traditionsklub von der Weser unterzeichnet. Soweit so gut, wenn da nicht am Montag in der GWD-Geschäftsstelle eine E-Mail des Sportdirektors aus Elverum aufgelaufen wäre, in welcher der Herr Tronslien behauptet, Ingimundarson besitze einen gültigen Vertrag mit dem norwegischen Verein. Man sei, so Tronslien, grundsätzlich bereit, den Spieler gehen zu lassen, nur über die Höhe der Ablösesumme müsse man sich noch einigen. Doch GWD-Manager Horst Bredemeier gibt den überraschend zugeworfenen Ball gleich zurück: „Wir haben von Ingimundur Ingimundarson und seinem Berater Sören Gerster die Information, dass im Moment kein gültiger Vertrag mit einem anderen Verein besteht. Davon gehen wir jetzt aus. Ich denke, dass Ingimundur ab dem 1. Juli für uns spielt und dass wir dafür keine Ablösesumme zahlen müssen. Wir haben die Freigabe heute beantragt und werden sie auch bekommen.“
Der Aufforderung, ihre Behauptungen durch einen schriftlichen Beweis zu untermauern, sind die Norweger unterdessen noch nicht nachgekommen. Ein Fax oder eine e-mail mit der gewünschten Kopie des angeblichen Vertrages hat das Mindener Büro noch nicht erhalten.
So bahnt sich der Mindener Freigabeantrag für Ingimundarson gerade seinen Weg durch die fünf Institutionen. Wie holprig sich dieser gestaltet, ist und bleibt eine spannende Frage.
© GWD Minden