"Es geht nicht ohne Druck"
HANDBALL: Brandrede von Trainer Kljaic vor dem Heimspiel gegen TuSEM Essen
Lübbecke. "Spielen, zurück laufen und kämpfen - mehr verlange ich doch gar nicht", sagte Velimir Kljaic und war sichtlich angefressen über die aufgekommene Kritik an seiner Person. "Natürlich bin ich selbstkritisch. Mein einziger Fehler war es aber, dass ich auf diese Stimmen gehört habe", ergänzte der Trainer des Bundesligisten TuS N-Lübbecke.
"Immer wenn ich Druck gemacht habe, ist es gut gegangen", erzählte Velimir Kljaic und verwies auf die Vorbereitung zum bislang einzigen Saisonsieg gegen Balingen. "Ich habe den Spielern gedroht, dass sie einen Monat lang jeden Morgen um 6 Uhr trainieren müssen, wenn sie nicht kämpfen. Aber das kann ich nicht immer sagen. Ich hatte gehofft, dass der Sieg Selbstvertrauen gibt, und war vor dem Melsungen-Spiel ganz lieb. Und was ist zurück gekommen?" fragte der 61-Jährige und erinnerte an den 0:5-Fehlstart, der in die 24:32-Niederlage mündete.
"Ich kann diese Sprüche, dass die Spieler auch nur Menschen sind, nicht mehr hören. Ich bin auch nur ein Mensch und verlange lediglich, dass die Spieler laufen und kämpfen. Es gibt aber Leute, die du ständig pushen musst, damit sie die nötige Wut haben. Es geht bei uns nicht ohne Druck", sagte Velimir Kljaic und fügte hinzu, dass er dabei nie Druck auf den Angriff ausgeübt habe. "Im Angriff sind wir nicht besser als einige andere Mannschaften. Dort ist es wie bei den Künstlern, denen ein Bild gelingt und ein anderes nicht. Aber in der Abwehr ist es Arbeit wie im Bergwerk", ergänzte er und kam während des Pressegespräches vor dem Heimspiel am Samstag gegen TuSEM Essen (15 Uhr) gleich zum nächsten Kritikpunkt.
"Warum hat die deutsche Mannschaft den WM-Titel geschafft? Weil sie einen super Angriff hatte? Nein, sondern mit einer super Abwehr. Aber bei uns soll das nicht erlaubt sein", ereiferte sich Velimir Kljaic und wirkte bei seiner Abrechnung wie eine Mischung aus Giovanni Trapattoni ("Ich habe fertig") und Rudi Völler ("Ich kann diesen ganzen Mist nicht mehr hören").
Kljaic wies dabei den Vorwurf, der TuS N-Lübbecke sei eine Schlägertruppe, weit von sich. "Nur Sergo Datukaschwilli war einmal grob, sonst war nichts", sagte er und brachte selbst ein von den Schiedsrichtern ungeahndetes Nachschlagen des Rückraumspielers nach einem Foul im Balingen-Spiel zur Sprache. "Für andere ist alles erlaubt, nur wir sollen wie Pudel sein", so Kljaic, der seine Mannschaft ungerecht behandelt sieht.
"Dass im Forum des Fanclubs heiß diskutiert wird, zeigt das Interesse am Verein, aber oft sind die Beiträge auch zu emotionsgeladen", meinte Teammanager Zlatko Feric und hofft, dass "die Zuschauer durch die Diskussionen in der Woche vor dem wichtigen Spiel unsere Lage erkennen und uns wie gegen Balingen unterstützen". Damit es mit dem zweiten Saisonsieg ein Happyend gibt.
"Ganz ruhig wird es aber nicht werden. Die Diskussionen gehen auch bei einem Sieg weiter, denn wir haben nun einmal Defizite, die abgestellt werden müssen", meinte Armin Gauselmann. Der Sprecher des Wirtschaftsbeirates bezog sich dabei auf eine mögliche Verstärkung auf der Mittelposition und am Kreis. "Es ist allerdings nichts auf dem Markt, und wir wollen nicht den erst besten holen", so Armin Gauselmann. Mit dem Szenario einer möglichen Niederlage gegen TuSEM Essen und den folgenden Diskussionen wollte er sich vorab nicht beschäftigen