"Diese Region gibt viel Geld für Handball aus"
GWD-Manager Horst Bredemeier begrüßt die neuen Fernsehzeiten, kämpft aber mit einem drohenden Zuschauerschwund
Minden (mt). Handball-Bundesligist GWD Minden wartet in seinem ersten Saisonspiel am Samstag gegen den VfL Gummersbach mit einigen Neuerungen auf. Die Partie wird wegen einer Fernsehaufzeichnung bereits um 15.00 Uhr angepfiffen. MT-Sportredakteur Jürgen Knicker und MT-Mitarbeiter Michael Lorenz führten zum Stand der Dinge folgendes Interview mit dem Vorsitzenden und Manager von GWD Minden, Horst Bredemeier.
Die Handball-Bundesliga hat in der letzten Woche den Weltkonzern Toyota als neuen Namenssponsor präsentiert. Zwei Millionen Euro sollen die Japaner pro Jahr an die Liga und damit an die Vereine zahlen. Ist damit nun ein neuer Spieler für GWD drin?
Für den Verein selbst bleibt nicht viel übrig. Im ersten Vertragsjahr erhält GWD statt 50 000 Euro an Fernsehgeldern nun 75 000 Euro. Davon ist kein neuer Spieler zu finanzieren. Wäre der Toyota-Vertrag nicht abgeschlossen worden, dann hätte es übrigens nur 20 000 Euro aus dem TV-Vertrag gegeben. Die 30 000 Euro zusätzlich waren im Vorjahr schon auf den neuen Titelsponsor angerechnet. Die Summe steigert sich jedoch von Jahr zu Jahr und wird im dritten Jahr die 100 000-Euro-Grenze erreichen.
Gibt es von den Japanern noch eine Dreingabe?
Jeder Bundesligaverein erhält neben dem Geld noch ein Fahrzeug von Toyota gestellt.
Wird GWD Minden durch die verhängten Lizenzierungs-Auflagen stark geknebelt?
Wir müssen den wirtschaftlichen Verlust, den wir in der Saison 2006/2007 gemacht haben, bis zum 30. Oktober ausgleichen. Dies sind 200 000 Euro. Unsere Gesellschafter und Sponsoren sind darüber unterrichtet. Finanziellen Spielraum haben wir also nicht. Diese jährliche Unterdeckung müssen wir auf lange Sicht wegbekommen. Das muss unser Ziel sein. Ein Etat von 2,2 Millionen ist ein Muss, um die Klasse zu erhalten.
Wie kann solch eine Summe entstehen?
Als wir von Hannover nach Minden zurückgegangen sind, hat uns die eine Million gefehlt, die Hannover gebracht hatte. Wir haben in Minden auch nicht die Zuschauer-Einnahmen, die wir in Hannover hatten. Statt 500 000 Euro kalkulieren wir in Minden nur mit 400 000 Euro an Zuschauergeldern. Davon haben wir real 377 000 Euro erreicht. Das heißt, wir sind auch da um 23 000 Euro unter den Möglichkeiten geblieben. heißt, wir hatten in diesem Bereich allein fast 125 000 Euro weniger als in Hannover.
Wie sind diese Negativposten denn ausgeglichen worden?
Die Mindener Sponsoren haben ihr Engagement von einer Millionen auf fast 1,6 Millionen Euro erhöht. Nur deshalb können wir überhaupt wieder in Minden spielen. Die Einsicht der Geldgeber, dass Minden/Hannover nicht geht, hat sie zu einer Erhöhung ihrer Gelder um 60 Prozent veranlasst. Das ist eine fantastische Zahl. Aber es ist immer noch nicht genug, um einen Haushalt von 2,1 Millionen Euro zu decken.
Welche Kosten tun denn besonders weh?
Allein die Kosten für das Lizenzierungsverfahren sind ein beachtlicher Faktor. Zudem müssen wir fast zu jedem Spiel den TV-Hallenboden verlegen. Weitere Kostensteigerungen hat es bei den Schiedsrichtern und bei den Beiträgen zur Handball-Bundesliga gegeben. Die gesamte Professionalisierung hat die Kosten nach oben getrieben, auch unser Aufwand für die medizinische Betreuung der Spieler inklusive aller präventiver Maßnahmen . Bei den Personalkosten schmerzt die 30-prozentige Erhöhung der Beiträge für die Berufsgenossenschaft. In den nächsten beiden Jahren sind hier jeweils weitere Steigungen angekündigt, sodass wir innerhalb von drei Jahren um 50 Prozent angehobene BG-Beiträge zu bewältigen haben.
Konnte man denn nicht wenigsten bei den Spielergehältern sparen. Zwei Stars wurden abgegeben, nur ein neuer wurde geholt?
Bei den jüngst verlängerten Verträgen mussten wir überall draufzahlen. Kein Spieler oder Trainer verlängert zu gleichen Bedingungen. Deshalb sind wir trotz der Tatsache, dass wir einen Spieler weniger als im Vorjahr haben, fast schon wieder am Volumen des Personaletats des letzten Jahres angekommen.
Gibt es denn einen Hoffnungsschimmer für den Mindener Fan, sein Team nicht so gefährdet wie im Vorjahr zu sehen?
Wir haben keinen Vorteil gegenüber den anderen. Schade, dass es keine Perspektive in Richtung Mittelfeld gibt. Aber die dort angesiedelten Klubs haben Etats von 3,0 bis 4,0 Millionen Euro. Vereine wie Balingen, Wilhelmshaven, Wetzlar oder wir liegen um 1,8 bis 2,2 Millionen, also deutlich dahinter. Daraus ergibt sich faktisch dann eine Geldtabelle.
Den größten Sprung haben hier die Rhein-Neckar Löwen gemacht, die von Karlsruhe bis Mannheim ein ganze Region abdecken und ihren Etat von 3,6 auf 5,7 Millionen gesteigert haben. Wenn die drei ostwestfälischen Klubs als HSG Ostwestfalen auflaufen würden, hätten wir mit neun Millionen Euro den größten Etat der Handball-Bundesliga. Dies zeigt: Diese Region gibt richtig viel Geld für Handball aus. Der Handballkreis Minden-Lübbecke bringt zusammen 4,5 Millionen auf. Das ist dann die Summe, die der TBV Lemgo hat. Damit sind ganz natürliche Grenzen erreicht.
In anderen Regionen ist es nicht vorstellbar, dass zwei Bundesligisten auf solch engem Raum existieren können. Das ist so, aber die Rivalität zwischen Minden und Lübbecke muss bleiben. Eine Fusion würde auch nicht im Verhältnis 1 plus 1 gleich 2 zu machen sein. Wir wären dann vielleicht bei 3,3 Millionen und wären verglichen mit Kiel, Flensburg, Hamburg oder Kronau dann immer noch im Mittelfeld. Es gibt keine ernsthaften Überlegungen in Richtung einer Fusion. Das ist nicht machbar.
Wie sieht es denn bei den leidigen Altlasten aus?
Vor einst 1,7 Millionen Euro Schulden sind 370 000 übrig geblieben. Langsam erscheint Licht am Ende des Tunnels.
Die Stimmung in der Kampa-Halle ist meist gut, aber mit den Zuschauerzahlen ist der Klub nicht zufrieden?
Wir müssen einfach die kalkulierten 400 000 Euro aus Zuschauereinnahmen erreichen. Wir haben 1200 Dauerkarten verkauft, im Schnitt aber nur 2200 zahlende Zuschauer. Hätten wir einen Schnitt von 3000, dann wäre das ein positives Zeichen für die Sponsoren, einen zusätzlichen Spieler zu verpflichten. Nicht nur die Sponsoren sind hier in der Pflicht, auch die Zuschauer. Alle müssen zusammen harmonieren.
Trainer und Fans wünschen sich einen neuen Rückraumspieler. Geht der Manager dafür bald betteln?
Die Sponsoren treffen sich regelmäßig. Aber aufgrund des nicht ausgeglichenen Etats sehen sie überhaupt keine Möglichkeit dafür. Der kaufmännische Aspekt und die Auflagen der Liga lassen das nicht zu. Dieses Risiko können wir nicht eingehen.
Die Weltmeisterschaft hat den Handball nach vorn gebracht. Die neuen Fernseh-Sendungen sollen dies auch tun. Doch wird sich der Fan mit den frühen Zeiten am Samstag anfreunden?
Wir wollen den Handball als Sportart Nummer 2 im TV etablieren. Wir begrüßen die neue Sportschau in WDR und NDR, die eine höhere Aufmerksamkeit in den Medien für den Handball und einen Mehrwert für die Sponsoren bringt. Die Anwurfzeit am Samstag um 15.00 Uhr ist ein Nachteil, den wir in Kauf nehmen müssen. Es wird uns Zuschauer kosten.