Zu Ihrer Kündigung – war sie freiwillig oder erzwungen?
- Herr Hildebrandt, können Sie eine kurze Schilderung der Vorgänge um Ihre Kündigung geben? Sie erläuterten im Rahmen eines Interviews, Sie seien mit Drohungen und Einschüchterungsversuchen zur Kündigung gedrängt worden. Die Frage ist deshalb von besonderem Interesse, da es den Anschein hat, als ob Nötigungen seitens der jetzigen Clubführung kein Einzelfall sind.
BUH: Ich habe Klage eingereicht, der Prozess meiner persönlichen und beruflichen Demontage lief bereits seit Monaten, in der besagten Sitzung des Vorstandes des SCM im März wurde ich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen genötigt, eine Kündigung zu unterschreiben – ich habe deshalb Klage auf Wiedereinstellung wegen Nötigung zur Kündigung eingereicht.
- Wie schätzen Sie in die Aussagen von Herrn Stiebler, das in der jüngsten Diskussion ein künstliches Ost/West - Problem geschaffen wurde, wie ist die Aussage einer Managerin zu kommentieren „endlich sind die Ostseilschaften in Magdeburg aufgebrochen worden“? Gab es zu Ihrer Amtszeit diese Ostseilschaften?
BUH: Lächerlich. Letzter Präsident war der „Wessi“ Penz, davor der „Wessi“ Dr. Schreiber. Es kam uns immer auf Ehrlichkeit zum Verein an, auch der Verwaltungsratsvorsitzender Maas kommt aus den alten Bundesländern und auch zahlreiche Geschäftsführer von Sponsoren, z.B. Dr. Gerold (GETEC) sind im „Westen“ geboren. Die letzten zehn Jahre waren die erfolgreichsten des Gesamtvereins im 50-jährigen Bestehen des SCM.
- Wie schätzen sie die Persönlichkeitsstruktur der Herren Oesterhoff und Kaiser ein? Welche Einschätzungen geben sie ihnen in fachlicher und persönlicher Hinsicht? Wie schätzen sie deren Befähigung ein, den SCM erfolgreich zu führen? Haben Sie jemals sachlich vernünftig mit Herrn Oesterhoff zusammenarbeiten können – so wie zuvor erfolgreiche zehn Jahre mit Herrn Penz?
BUH: Persönliche Einschätzungen zu den genannten Personen sind nicht möglich. Herrn Kaiser bin ich nur einmal, vor ca. zwei Jahren begegnet. Nicht nur mein Eindruck aus den Interviews ist, dass Herr Kaiser viel redet aber wenig sagt. Dies ist im Bereich des Hochleistungssports absolut kontraproduktiv, da es immer auf konkrete Aussagen und abzurechnende Vorgaben und Zielsetzungen ankommt, die man auch kontrollieren kann. Hier läuft ein einziges Durchschlängeln nach dem Motto: „ und bloß nicht konkret werden....“
Mit Herr Oesterhoff habe ich sportfachlich kein einziges vernünftiges, inhaltlich befriedigendes Gespräch führen können. Vom ersten Tage an, war nur Konfrontation und Antipathie zu spüren und die Gespräche fanden regelmäßig nur in Anwesenheit seines Anwaltes statt.
- Welche Meinung vertreten Sie zur Kritikfähigkeit von Oesterhoff und Kaiser, insbesondere gegenüber kritischen Fans? Wie werten Sie die zutage getretenen Versuche, das Magdeburger Handballforum zu schließen bzw. kritische Forumsmitglieder zu sperren?
BUH: Ich selbst bin im Forum nicht aktiv, habe nur durch das Schreiben des Webmasters davon erfahren. Aber auch hier mein Eindruck, man will sich nur durchschlängeln. Es gibt keine Kritikfähigkeit, keine Antwort auf kritische Fragen zum Thema, eher nur Profilierungsversuche. Einige Sponsoren haben diese Masche bereits durchschaut und u.a. auch deshalb ihren Rückzug erklärt, ich nenne als Beispiel Herrn Petermann von FAM.
- Wie schätzen Sie es ein, dass Herr Oesterhoff als Präsident des SCM und sein Vize, Herr Meyer, in der Öffentlichkeit den Magdeburger Handball vertreten und den Anschein erwecken, die faktische Geschäftsführung auszuüben?
BUH: Eine effektive Vertretung des Handballs geht nur, wenn der Manager seinen Verein nach außen ordentlich vertritt. Ich muss hier keine Beispiele aus der Liga nennen.
Die Herren Oesterhoff und Meyer sind nicht legitimiert, alleine für die HMD (Handball Magdeburg GmbH) zu sprechen, da sie nur Vertreter des Gesellschafters SCM bei der HMD sind, sie vertreten 50% der Anteile. Da aber Entscheidungen immer mit einfacher Mehrheit getragen werden müssen, ist das Auftreten dieser Herren im Namen der HMD nicht zu tolerieren und stellt eine Verletzung des Gesellschaftervertrages dar.
- Wie werten Sie den Auftritt des Herrn Kaiser in der zuletzt stattgefundenen Pressekonferenz?
BUH: Kein Kommentar. Jeder hat sich eine eigene Meinung bilden können.
Die wirtschaftliche Situation – Gefahr für den Handball in Magdeburg?
- Wie sehen die wahren Hintergründe, um die angeblich „Spitz auf Knopf“ stehende Lizenzierung aus. Gab es tatsächlich eine Deckungslücke von 500.000 Euro?
BUH: Nein, nicht in dieser Höhe. Wenn die VOLKSSTIMME berichtet, dass damit ein Vorgriff auf die neue Saison vorgenommen werden soll -„Sahnehäubchen“ - und das Geld dort dringender gebraucht worden wäre, zeugt das von wenig betriebswirtschaftlichem Sachverstand. Man will damit sicher schon wieder einen Schuldigen für die zu erwartenden Probleme in der neuen Saison festmachen.
Die Lizenzierungsunterlagen sind komplett und vollständig im Februar `07 abgeschickt worden – wie jedes Jahr. Es gibt seitens der HBL oft Rückfragen, zum Beispiel zu Etatlücken und Spielerneuverpflichtungen. Immer mal gab es Deckungslücken, die ganz in Ruhe wieder gedeckt wurden. Seriös und in gegenseitigem Vertrauen, nicht mit Tamtam, wurde in diesen Fällen das Gespräch mit den Förderern und Sponsoren gesucht und die Auflagen erfüllt. Dieser Vorgang ist in der gesamten Liga normal, als Beispiel sei u. a. auch Nordhorn genannt. Ich habe es aber nie als besonders schick empfunden, die Erfolge bei der Deckung von Finanzierungslücken an die große Glocke zu hängen, um meine Eitelkeit zu befriedigen.
- Wie stehen Sie zu der Aussage von Herrn Kaiser, er selbst und Herr Stiebler hätten gerade 24 Stunden Zeit gehabt, sich für den neuen Job zu entscheiden? War es nicht eher so, dass der Name Kaiser bereits im Herbst 2006 in informierten Kreisen als Ihr Nachfolger herumgereicht wurde? Hatte Herr Stiebler nicht bereits bei Ihnen einen Vertrag zur Mitarbeit im Management unterschrieben?
BUH: Auch ich habe bereits im Herbst 2006 den Namen Kaiser in Zusammenhang mit dem Posten als Manager beim SCM gehört. Herr Kaiser hat seine anstehende und angebotene Vertragsverlängerung in Ahlen immer wieder hinausgezögert, um dann schnell nach Magdeburg wechseln zu können. Herr Stiebler hatte bereits einen Abend vor meiner Kündigung zugesagt, den Posten als Finanzmanager zu übernehmen. Er sollte eigentlich als Prokurist den Betrieb der Küchen und Internate der Sportgymnasien in Magdeburg und Halle führen. Dafür hatte er von mir einen großen Vertrauensvorschuss bekommen.
- Wie werten Sie die Öffentlichkeitsarbeit der Magdeburger VOLKSSTIMME in Bezug auf den SCM? Ist deren Berichterstattung aus Ihrer Sicht objektiv? Weshalb liest man gegenwärtig so wenig über Handball in der BILD Magdeburg?
BUH: BILD hat sich aus dem Handball in Magdeburg zurückgezogen. Die VOLKSSTIMME berichtet absolut einseitig, dies ist eigentlich nur vergleichbar mit ihrer Arbeit vor 1990.
- In den letzen Tagen wurden vermehrt Gerüchte öffentlich, regional ansässige Sponsoren würden ihr Engagement beim SCM reduzieren bzw. einstellen? Es existiert eine konkrete Liste abgesprungener Sponsoren, ist diese falsch? Herr Kaiser erläuterte in der VOLKSSTIMME, es gäbe keinen Rückzug. Wie sehen Sie die Sache?
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BUH: Der Rückzug einer ganzen Reihe von Sponsoren ist inzwischen allgemein bekannt und die Liste ist auch einsehbar. FAM und Bio-Ölwerk sind als Trikotsponsoren ausgestiegen. Nur der Sponsor Wiedemann hat seinen Vertrag in veränderter Form um ein Jahr verlängert. Der massivste Rückgang ist bei den mittleren und kleinen regionalen Sponsoren zu verzeichnen.
- Auch bei den Gesellschaftern rumort es – welche konkreten Entwicklungen stehen uns hier bevor?
BUH: Was bisher keiner wusste, Herr Oesterhoff hatte im Dezember den Geschäftsbesorgungsvertrag des Gesellschafters SCM mit der HMD gekündigt, leider aber nach der von der HBL festgesetzten Meldefrist zum 1. Dezember 2006. Damit war der SCM Handball zum 30. Juni 2007 quasi aus dem professionellen Spielbetrieb abgemeldet. Nur auf massiven Druck der Gesellschafter und durch mich persönlich, hat er diese Kündigung aber wieder zurückgezogen. Wenn wir hier nicht reagiert hätten, wäre am 30. Juni 2007 Schluss gewesen mit Bundesligahandball in MD.
In meinen Augen dokumentierten sich schon damals in dieser Aktion des derzeitigen SCM-Präsidenten seine wahren Interessen.
- Sehen Sie eine reale Gefahr für das finanzielle Überleben der Handball-Profimannschaft?
BUH: So genau kann ich nicht beurteilen. Wir alle, also Gesellschafter und Sponsoren kennen keine Zahlen, der Verwaltungsrat wollte diese Zahlen einsehen, aber Herr Kaiser ist zur gemeinsamen Sitzung von Gesellschaftern und Verwaltungsrat nicht erschienen. Auch eine schriftliche Vorlage diese Zahlen ist weder durch Herrn Kaiser noch durch Herrn Oesterhoff jemals erfolgt. Nach dieser Brüskierung ist dann der Verwaltungsrat zurückgetreten. Auch bei einer Reihe von einzelnen Sponsorentreffen wurde von Herrn Kaiser nur in Ansätzen und unvollständig ein Bild zur wirtschaftlichen Situation und den Ausblick gegeben...
- Welche Auswirkungen auf den Gesamtverein SCM haben die gegenwärtigen und nun schon über vier Monate andauernden Querelen bei den Handballern? Haben Sie diesbezüglich Informationen?
BUH: Jeder hat den Vorstand, den er gewählt, also verdient hat. Das Flaggschiff Handball schlingert stark. Deshalb ist zur Zeit gar nicht absehbar, welchen Schaden der Gesamtverein nehmen wird.
- Da, wo sie vordem allein als Manager gearbeitet haben, beschäftigen sich nun drei Personen mit denselben Aufgaben. Alle Interessierten fragen sich, wie die Arbeitsteilung zwischen den drei Managern aussehen könnte. Die Verwaltungskosten sollen deswegen auch stark angestiegen sein. Halten Sie das für gesund?
BUH: Mit Sicherheit haben wir in der Vergangenheit an der Grenze der Belastbarkeit mit haupt- und nebenamtlichen Mitarbeitern gearbeitet. Eine personelle Aufstockung war sicher notwendig. Aber die jetzige Situation mit drei hochbezahlten Managern ist in der Bundesliga einmalig. Unser Ziel war immer: Wenig Geld für Verwaltung, viel Geld für die Mannschaft. Die gegenwärtigen Overheadkosten liegen weit über jeder Wirtschaftlichkeit der Unternehmensführung. Die meisten Kosten sollten immer beim Produkt und seiner innovativen Weiterentwicklung liegen.
- Es wird behauptet, dass auch die Kosten für die Mannschaft gefallen sind – entspricht das auch Ihrem Eindruck?
BUH: Dass kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Die Verträge sind bekannt. Die in der Vergangenheit verhandelten abgestuften leistungsbezogenen Verträge erfordern in diesem Jahr deutlich höhere Zahlungen, wie zum Beispiel bei Heinevetter, Grafenhorst und Theuerkauf. Auch die polnischen Spieler bekommen deutlich mehr, und die Herren Vasiliakis und Kabengele bekommen vergleichbare Gehälter wie die Vorgänger. Die Neuzugänge sind nach meinen Informationen von den Managern der Spieler nicht billiger geworden. Es ist auch hier mit einer deutlichen Kostenerhöhung zu rechnen.
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Zukünftige Arbeit im Handball?
- Würden sie dem Handball im Allgemeinen und dem SCM im besonderen in verantwortlicher Position wieder zur Verfügung stehen wollen?
BUH: Natürlich, wer in 17 Jahren 13 Titel geholt hat und dabei vier Mannschaften immer neu aufgebaut und zu Erfolgen geführt hat, möchte auch in Zukunft weiter im Handball an verantwortlicher Stelle Impulse setzen.
- Habe Sie für diesen Fall ein tragfähiges Konzept? Haben Sie für diesen Fall ein tragfähiges Team von besessenen Mitarbeitern? Können Sie uns dazu ein paar Erläuterungen geben?
BUH: Es gibt genug Anfragen. Es gibt ein Team von sehr guten Mitarbeitern, die jederzeit bei Abbruch der jetzigen Situation bereit stehen – dies ist ein Team von Fachspezialisten. Der eine oder andere wäre bereits von mir in der kommenden Saison integriert worden. Alle diese Leute sind keine Lehrlinge, sondern ausgewiesenen Fachleute.
- Welche Personen würden Ihnen als Alternativen zur Besetzung des Managerpostens, aber auch als Präsident des Gesamtvereins, einfallen?
BUH (schmunzelnd): Dazu zur Zeit kein Kommentar!
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- Was möchten Sie den Fans des SCM, egal ob erklärte BUH-Freunde oder Gegner persönlich mitgeben?
BUH: Bleibt weiterhin kritisch, lasst Euch nicht verbiegen und belügen, hinterfragt alle Entscheidungen, die Mannschaft muss leistungsfähig erhalten bleiben.