Hallo Lothar, (die Anrede ‚lieber’ wähle ich nicht, da sie als Anrede bei einem persönlich Unbekannten einen herablassenden Ton hat)
Zunächst: mit dem ‚Videoabend’ hab ich sehr unglücklich formuliert – mit dem ‚einschlägig Beauftragten’ wollte ich Dir solche Sachen nicht unterstellen (es konnte aber der Eindruck entstehen – habe ich sehr unglücklich gemacht und bedaure es) – sondern nur auf die prinzipielle „Möglichkeit“ hinweisen. Ich finde das Vorgehen, der Ankündigung der Videoüberwachung in einem Internetposting einen Tag vor dem Spiel aber sehr unglücklich. Zumal jede Information über die Modalitäten dieser in ostwestfälischen Hallen einmaligen Aktion fehlte.
Ein Problem bei den folgenden Ausführungen ist, daß Du eine Person bist, die sich stark öffentlich in der Problematik exponiert hat (Radio; Zeitung; Inet) – und ich der ‚User Karl’ bin, der zwar nicht anonym ist, aber halt eine ‚virtuelle Person’ (und in keiner Verpflichtung zu irgendeinem Handballverein steht). Aber das Faß ist aufgemacht:
Zu den einzelnen Punkten:
1. Das ist mit der Einleitung schon abgehandelt – nuja, ‚Zeit’ verwendest Du ja schon bei deinem Kampf gegen sog. ‚Gewalt’ auf Handballtribünen. Den Ansatz des öffentlichen ‚Skandalisierens’ halte ich aber für grundverkehrt (und wenn, dann bitte konsequent durchziehen).
2. Ich hab vom „Verdacht der manipulativer Verwendung“ geschrieben. Ich habe das auch mit dem Verweis auf den entsprechenden Thread begründet. Der ‚hohe Wellenschlag’ nach dem ‚Eierwurf’ stand in keiner relationalen Beziehung zu der ‚Reizgasattacke’ (die für Asthmatiker usw. wirklich gefährlich war). Mit „manipulativer Verwendung“ ist natürlich gemeint, daß niemand ausschließen kann, daß man auf einer Seite mal halt die Kamera etwas 'später' hinhält - bzw. eine Aufnahme unter den Tisch fallen läßt, weil man sie etwas 'anders' interpretiert. Wie gesagt: die Aufnahmen sind eine rein private Geschichte (wenn nicht, dann schreib das doch!) - jenseits der rechtsstaatlichen Kontrolle (wenn nicht, dann schreib das doch!). Daß das natürlich eine sehr theoretische ‚Konstruktion’ von mir ist, ist klar (hätte ich aber deutlicher machen sollen) Deshalb wollte ich ein wenig mehr erfahren, mit welchen Maßnahmen diese ‚prinzipielle Möglichkeit’ ausgeschlossen wird (und sowas gehört in die Öffentlichkeit!)
3. Der Vergleich mit Videokameras in Kaufhäusern hinkt - nicht nur, weil man sich dort nicht 'emotional' verhält. Außerdem ist diese Maßnahme von N-L. erst heute (‚quasi informell’) bekannt geworden - das Gros der Kartenkäufer war also nicht informiert, unter welchen Bedingungen sie sich dieses Spiel angucken.
4. Wenn Du am 23.12.06 so etwas postest, dann brauchst Du Dich nicht zu wundern, Häme zu bekommen:
Zitat
Dank der guten Zusammenarbeit mit GWD haben wir dann Ergebnisse, die dann auch öffentlich werden.
Quelle: bitte anklicke
Das kam dann dabei raus (gleicher Thread: 01.02.07):
Zitat
Täter ist ermittelt und dem Hauptgeschädigten bekannt. Hallensperre ist auch klar.
Also: ohne Angabe der Zugehörigkeit des ‚Täters’. Ein oder zwei Worte mehr – und wir hätten diese unangenehme Diskussion hier nicht.
Auf der Red-Devils-Homepage hätte man z.B. eine leicht zugängliche Publikationsmöglichkeit (ohne großes Aufsehen zu erwecken) gehabt (und die Mindener Zeitungen fressen so was doch auch). GWD hat in dieser ‚Gewaltgeschichte’ eine sehr defensive Informationspolitik (die ich gut finde!) - egal, auf welcher Seite nun irgendein ‚Schuldiger’ zu finden ist. Hast Du eigentlich Dein ‚Auftreten’ direkt nach dem vorletzten Derby auch mit GWD abgesprochen?
5. Verdammt noch mal: wer macht die Aufnahmen denn genau; wer hat Zugang zu Ihnen – und wer löscht sie wann und wo? Da haben die Besucher ein Recht darauf, das zu erfahren.
Insgesamt: eine sehr vertrauensbildende Maßnahme wäre es gewesen, zu schreiben, daß die Sache mit der Videoaufzeichnung zwischen beiden beteiligten Vereinen abgesprochen ist (vielleicht wurde sie das ja sogar? – keine Ahnung) - oder das eine Anregung von Seiten der Polizei vorgelegen hätte (vielleicht lag die ja vor? – keine Ahnung). In der Form, wie das hier publiziert wurde- nee, so geht das nicht. Da kommen dann halt ironische (und vermutlich auch ungerechte) Anmerkungen – die eigentlich eher als Fragen gedacht waren.
Ich möchte Dir jetzt nicht einen Strauß von Zitaten aus dem ‚Red-Devils-Forum’, in der HE und eine überspannte Reaktion im ‚GWD-Forum’ vorhalten – das Problem ist, wenn man sich so exponiert, dann kommt der Bumerang halt zurück. Und die ‚Anklägerattitüde’ beim ersten Derby steht halt im krassen Widerspruch zum zweiten Derby. Ich beziehe mich bei meinen Postings prinzipiell auf frei zugängliche Informationen – es hat von allen GWD-Fans niemand im Inet einen ‚Hermann’ draus gemacht, daß ein Lübbecker Fan der Täter war (ein ‚pikantes Detail’ hast Du wegeditiert, wenn ich mich nicht täusche: das war mir aber schon vorher bekannt – überhaupt: 31mal editiert, nicht schlecht). Ich bezieh mich aber nur auf die Endfassung (alles andere ist unfair).
Ich finde es lächerlich, wie erwachsene Menschen (ich jetzt auch) sich stundenlang öffentlich mit einer Horde von Pubertären beschäftigen – zudem ist es in höchstem Maße ‚kontraproduktiv’. Wenn ich mir z.B. mal anschaue, mit was für Leuten die Flensburger (im Gegensatz zu sonst) dieses Jahr nach Minden angereist sind (ich war selbst nicht beim Spiel – Augenzeugenberichte und Photos genügen mir aber) – dann wird deutlich, was für Folgen so eine überzogene Berichterstattung hat
Mein Ausgangsposting war sehr hart und provozierend formuliert – es kann sein (nein, wird wahrscheinlich) sogar sein, daß ich Dir unrecht tue (vor allem bei dem irrtümlichen Eindruck, den der 2. Abschnitt erwecken könnte – gemeint war das personenunspezifische Aufzeigen einer ‚sehr theoretischen Möglichkeit’) – aber Dein ganzen Auftreten hier im Inet in diesen Angelegenheiten war für mich halt nicht ‚vertrauensbildend’.
Meine Vorbehalte gegen (fast) jede Form von ‚Videoüberwachung’ sind gesellschaftspolitisch fundiert. Hinter dem Ganzen steckt ein Konzept der staatlichen 'Kriminalitätsprävention', daß in höchstem Maße bedenklich ist (ich hab mich in anderen Zusammenhängen damit sehr intensiv beschäftigt – von daher meine ‚Überempfindlichkeit’ in solchen Sachen).
Ganz davon abgesehen können solche 'Überwachungsmaßnahmen' kontraproduktiv sein, da so doch der Reiz geschaffen wird, es 'Ihnen' zu zeigen, daß man doch was machen kann, ohne gefilmt zu werden. Der 'Vorfall' des letzten Derbys 'passierte' im/am Toilettenraum.
Ich hab jetzt zu lauter Dingen gepostet, die mich eigentlich gar nichts angehen (doch, halt: die Videoaufnahmen sehr wohl!) – doch so ist das ‚hier draußen’ im Inet halt: was dort steht, hat Ewigkeitswert (außer man editiert es) – und steht zur offenen (für jeden zugänglichen) Diskussion.