Kljaic nimmt Platz auf dem "Schleuderstuhl"
Einstand voll Selbstvertrauen / Kroate übernimmt nun doch den Trainerjob beim Handball-Bundesligisten TuS N-Lübbecke
Lübbecke (nw). "Gibt es ein bestimmtes Sitzprotokoll? Ist das hier der Schleuderstuhl?". Velimir Kljaic hat sich überhaupt nicht verändert. Der 61-jährige Kroate strotzt nur so vor Selbstvertrauen - und genau dieses Selbstvertrauen soll er den verunsicherten Spielern des TuS N-Lübbecke in seiner dreimonatigen Tätigkeit bis zum Saisonende vermitteln.
Von Rainer Placke
"Wir schaffen das", sagt Kljaic und meint mit diesen drei gelassen ausgesprochenen Worten nichts anderes als den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga.Mit Velimir Kljaic hat der TuS N-Lübbecke seinen Wunschkandidaten verpflichten können, nachdem es in der vergangenen Woche nach der Beurlaubung Jens Pfänders zunächst nicht danach ausgesehen hatte.
Wunschkandidat entspannt und braun
"Ich habe gesagt, der Verein soll erst einmal das Spiel in Wetzlar abwarten. Mit einem Sieg dort hätte man einen vorentscheidenden Schritt unternehmen können und keinen neuen Trainer benötigt. Nun gab es erneut Gesprächsbedarf und ich habe meinen Präsidenten in Zagreb davon überzeugen können, mich für drei Monate gehen zu lassen. Ich muss nur Ende März/Anfang April von Freitag bis Montag zum Final Four nach Zagreb, doch das geht, da wir dann in der Bundesliga mit dem Lübbecke kein Spiel haben", erzählte ein braun gebrannter und äußerst entspannt wirkender Kljaic.
Armin Gauselmann wohnte der gestrigen Vorstellung von Trainer Velimir Kljaic als Vertreter des Wirtschaftsbeirats sowie der Hauptsponsoren des TuS N-Lübbecke bei. Dabei fand der 42-Jährige einige deutliche Worte, die vor allem in Richtung der abstiegsbedrohten Mannschaft gemeint waren. "Wir haben nur noch ein Drittel der Saison vor uns, es sind noch 24 Punkte zu vergeben. Es zählt nur noch der Klasssenerhalt, alles andere ist egal. Jeder einzelne hat seine persönlichen Interessen hinten an zu stellen", so Gauselmann. "Wir haben nicht unwesentliche Bemühungen unternommen, um Velimir Kljaic zu holen, weil wir von ihm und seiner Arbeit überzeugt sind. Aber letztlich ist das alles kein Wunschkonzert. Wir erwarten von allen Spielern, dass sie mitziehen, egal wer auf der Bank sitzt und wie der Trainer heißt", so Armin Gauselmann abschließend.
Die Vorstellung bei der Mannschaft übernahm am Dienstagabend Zlatko Feric, der in Zivil vor den Spielern erschien. "Ich habe ihnen gesagt, dass der neue Trainer keine langen Haare und keinen Bart hat", so Feric in Anspielung auf den ebenfalls als Coach gehandelten Dr. Rasttislav Trtik. Dann gab Feric das Wort an Kljaic weiter. "Ich habe den Jungens gesagt, dass wir nur gemeinsam den Klassenerhalt schaffen. dafür werde ich alles tun", so Kljaic. "Ich bin der Dirigent, doch ohne Orchester bin ich nichts. Gemeinsam wollen wir Musik machen und die nötigen Punkte holen", erzählte Kljaic weiter. Als Hauptaufgabe in den kommenden Tagen bezeichnet der 61-jährige Kroate die Arbeit im "psychologischen Bereich". "Ich muss für die nötige Lockerheit sorgen, um die Köpfe frei zu bekommen", so Kljaic weiter. Gleichwohl erwartet er von seinen Spielern, "ohne Angst in die Spiele zu gehen".
"Ich bin nur dann hart, wenn ich hart sein muss"
"Ich muss versuchen, den Spaß und die Freude am Handball zurück zu bringen. Darüberhinaus muss jeder Spieler das Maximum geben, Faulenzer mag ich überhaupt nicht", so Kljaic. Mit dem ihm anhaftenden Etikett "harter Hund" kann er nur wenig anfangen. "Ich bin nur dann hart, wenn ich hart sein muss. Alles geschieht zum Wohle der Mannschaft. Mit Mut und Selbstvertrauen schaffen wir den angestrebten Klassenerhalt", so Kljaic. "Alle Spieler müssen wie ich bereit sein, alles zu geben. Ich kann ihnen Wege zeigen, die sie mitgehen müssen. Dann muss ich acht Leute suchen, die geeignet sind für diesen Kampf um den Klassenerhalt", so Kljaics Vorstellungen. Den Rückflug nach Zagreb hat er für den 4. Juni gebucht, an die mögliche darauf folgende Relegation verschwendet er keinen Gedanken. "Ich werde die drei Monate in Lübbecke alles geben. Zu Hause wartet nämlich eine junge Frau auf mich", so ein schmunzelnder Kljaic .