Pfänder steht vor dem Rauswurf
HANDBALL: Velimir Kljaic als künftiger Trainer des TuS N-Lübbecke im Gespräch
VON WILFRIED BRASE UND RAINER PLACKE
Lübbecke. Jens Pfänder steht vor seiner Entlassung beim Handball-Bundesligisten TuS N-Lübbecke. Die samstägliche 30:33-Heimniederlage gegen den TV Großwallstadt nach einer katastrophalen Leistung der Gastgeber setzte bei den Lübbecker Entscheidungsgremien die in der Branche üblichen Mechanismen in Gang.
Es darf damit gerechnet werden, dass in den nächsten Tagen ein Retter präsentiert wird. Dabei könnte es sich um den inzwischen 61-jährigen Velimir Kljaic handeln, der zurzeit in Zagreb einen FrauenErstligisten trainiert. Kljaic war in der vergangenen Saison noch beim VfL Gummersbach aktiv, ehe er dort von Alfred Gislason abgelöst wurde. In der Saison 2004/2005 hatte er bei GWD Minden den seinerzeit entlassenen Rainer Niemeyer abgelöst und war anschließend nach Gummersbach gewechselt.
"Velko" Kljaic gilt in der Szene als "harter Hund", der ohne Rücksicht auf Namen und Verdienste auftritt. Seinen größten Erfolg in seiner langen Trainer-Karriere landete er 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta, als er mit Kroatien die Goldmedaille gewann. Kljaic gilt als profunder Kenner der Handballszene.
Paul Gauselmann weilte am Samstag auf einer Familienfeier und hatte ursprünglich gar nicht vor, live die Partie gegen den TV Großwallstadt zu sehen. Der erbärmliche Auftritt der ersten 30 Minuten sorgte dafür, dass Gauselmann mit Beginn der zweiten Hälfte in der Halle eintraf und anschließend mit ansehen musste, wie der TuS N-Lübbecke in eine erneute Heimniederlage schlidderte. "Es muss etwas passieren; es muss einfach ein Ruck durch die Mannschaft gehen", meinte der Hauptsponsor anschließend und gestand, dass er "stinksauer über die Vorstellung" sei . "Ich will den Spielern gar nicht den Willen absprechen, aber teilweise sind die Bälle regelrecht verstolpert worden. Wenn wir aus den nächsten beiden Spielen nicht vier Punkte holen, sehe ich schwarz für den Klassenerhalt", ergänzte Paul Gauselmann und sprach von klaren Vorstellungen, die die TuS-Verantwortlichen bezüglich der weiteren Vorgehensweise hätten.
Auf einen Trainerwechsel wollte er sich zu diesem Zeitpunkt jedoch ebenso wenig festlegen wie Geschäftsführer Uwe Kölling. "Es ist aber keine Weiterentwicklung in der Mannschaft zu erkennen. Der Auftritt war eine Katastrophe. Die desolate Abwehrleistung und die vielen technischen Fehler finde ich extrem enttäuschend. Ich habe nicht den wirklichen willen erkennen können, dieses Spiel gewinnen zu wollen", lautete Köllings ernüchterndes Fazit.
Und weil die Entscheidungsträger des TuS N-Lübbecke auch in den Stunden nach der Partie über Lösungsmöglichkeiten aus der sportliche Krise diskutierten, wurde im Laufe des Sonntags die bevorstehende Trennung von Jens Pfänder immer wahrscheinlicher.
Sollte die Trennung von Pfänder als Trainer vollzogen werden - und davon ist auszugehen - müsste in den folgenden Wochen eine weitere Personalie neu geregelt werden. Pfänder fungiert seit der Trennung von Siegfried Roch im Dezember des vergangenen Jahres ja auch als sportlicher Leiter.