Trikot zerfetzt und ungerechtfertigtes "Rot"
Dimitri Kusilew stößt bei Schiedsrichterinnen Ehrmann/Künzig nicht auf Gegenliebe / Starkes Spiel von Simon (6 Tore)
Minden (kn). "Wir haben uns wesentlich besser verkauft als im Hinspiel. Aber wir müssen es bei unserer nächsten Aufgabe am Donnerstag gegen Nordhorn hinbekommen, unser bestmögliches Niveau auf die vollen 60 Minuten auszudehnen". Das war das Fazit von GWD-Trainer Richard Ratka nach der 25:30 (10:14)-Auswärtsniederlage in der Handball-Bundesliga bei FA Göppingen.
Die Deckung noch nicht kompakt genug, Kapitän Arne Niemeyer unzufrieden über eine nicht zufrieden stellende Wurfausbeute, Snorri Gudjonsson noch nicht im Alltagsgeschäft zurück und zwei Schiedsrichterinnen, die in drei, vier Situati-onen den Überblick verloren und sich dann dem Druck der 4000 Zuschauer in der Hohenstaufenhalle beugten. Das waren die wesentlichen Kritikpunkte dieser Niederlage.
Positiv war der kämpferische Gesamteindruck bei GWD, die starke Vorstellung von Linksaußen Andreas Simon, sowie der gute Einsatz von Spielern wie Stephan Just, Dimitri Kusilew, Moritz Schäpsmeier und Malik Besirevic.
"Insgesamt bin ich mit der Leistung zufrieden. Das Team hat sich durchgekämpft, Rückstände aufgeholt und die Basis für die nächsten Spiele gelegt", hat Richard Ratka nach der WM-Pause nun wieder einen Maßstab, an dem er seine Trainingsarbeit ausrichten kann.
Minden begann das Spiel nach dem Ehrungsmarathon für FAG-Weltmeister Michael Kraus und die WM-Teilnehmer beider Mannschaften konzent-rierter. Mit Stephan Just auf der Spielmacherposition und einem gut startenden Malik Besirevic hinter einer 6:0-Deckung machte GWD aus einem 3:4-Rückstand (6.) eine 9:6-Führung (14. Minute). Drei Treffer Just, zwei Treffer Simon und das 9:6 durch Moritz Schäpsmeier, Minden war Mitte der 1. Hälfte auf gutem Weg.
Doch Göppingen wendete innerhalb der nächsten zehn Minuten das Blatt zum 12:9 (24.). Die Petkovic-Sieben profitierte dabei von zwei Überzahl-Situationen, als Dimitri Kusilew (18.) und Andreas Simon (20.) kurz hintereinander auf die Strafbank geschickt wurden.
"Das war eine entscheidende Phase, in der wir eine Schwäche aber auch unglaubliches Pech hatten", ärgerte sich Richard Ratka später. Minden fand nach einem Time-out und einem Just-Tor zum 10:12 zurück ins Spiel. Doch Arne Niemeyer und Andreas Simon vergeben am Ende der ersten Hälfte zwei sehr gute Chancen. "Sonst hätte es 12:14 statt 10:14 gestanden", so GWD-Coach Ratka.
Die zweite Hälfte begann mit einer spektakulären Aktion. Göppingens Rückraumspieler Rajkovic zerfetzte das Trikot des Mindener Dimitri Kusilew bei einem Foul in der Deckung derart, dass Kusilew mit einem Leibchen, das nur noch als Putzlappen zu verwenden ist, praktisch mit blankem Oberkörper zur Wechselzone eilte. Eine Zeitstrafe für Trikotzerren, wie bei der WM oft gesehen, gab es durch die Schiedsrichterinnen Ehrmann/Künzig jedoch nicht.
Es blieb nicht der einzige Fehltritt des Damen-Gespannes. GWD kämpfte sich dank seines starken Konterspezialisten Andy Simon auf 16:17 heran, da erfolgte kurz darauf beim 16:18 der nächste Fauxpas der Unparteiischen. Beim Göppinger Angriff erkannten sie auf Zeitstrafe gegen Minden, wussten dann jedoch nicht, ob sie Arne Niemeyer oder Jiri Hynek hinausstellen sollten. Schließlich wurde die Zeitstrafe gegen die GWD-Bank verhängt, weil dort Mindens Hallensprecher Jürgen Schäpsmeier zu laut geworden war.
Und auch dabei blieb es nicht. Beim Stand von 27:23 (55.) erfolgte die dritte Zeitstrafe und damit die rote Karte gegen Mindens Dima Kusilew. Tatsächlich hatte es in dieser Situation ein Stürmerfoul des Göppingers Vukasin Rajkovic gegen Kusilew gegeben, was die TV-Zeitlupe deutlich nachwies.
Trotz seiner Aufholjagd dank Kusilew, Just, Schäpsmeier und Niemeyer zum 23:26 (54.) und 24:27 ging GWD zum achten Mal in dieser Serie auswärts leer aus. Rajkovics Tor zum 29:25 (58.) sorgte für die Entscheidung, da Just am eingewechselten TW Michal Shejbal scheiterte. Göppingen nahm vor den letzten 75 Sekunden die Auszeit und Schweikardt stellte schließlich mit seinem vierten verwandelten Strafwurf den 30:25-Endstand her.