Loran schreibt
ZitatDas ist doch mal ein vernünftiger Artikel. Nicht die Scheiße aus Bild und Express.
So viel anderes steht da doch gar nicht drin - die Artikel sind doch weitgehend in der Sache inhaltsidentisch ![]()
Loran schreibt
ZitatDas ist doch mal ein vernünftiger Artikel. Nicht die Scheiße aus Bild und Express.
So viel anderes steht da doch gar nicht drin - die Artikel sind doch weitgehend in der Sache inhaltsidentisch ![]()
Bericht über Waltke (Eggers):
ZitatEr war 1976 mit Dankersen Meister
Kaum ein Artikel hier im Thread ohne sachlichen Fehler: GWD war 1977 Meister, 1976 und 1979 (mit Waltke) Deutscher Pokalsieger.
Gegen Hasanefendic würde natürlich sprechen, daß er erst nach der WM zur Verfügung stünde. Glaub nicht, daß die Melsunger soviel Zeit haben. Wird wohl eher eine 'Überraschung' werden.
Tja. ich bin mir gar nicht sicher, ob Lübking den damaligen Wechsel insgeheim in einer stillen Stunde nicht vielleicht doch als größten Fehler seines Lebens ansieht.
Edit:
ZitatSeine Karriere begann in Dankersen und führte ihn über TuS Nettelstedt und TBV Lemgo zurück nach Dankersen.
Das ist falsch. Nachdem er den TBV Lemgo verließ, war er als über 40jähriger Spielertrainer beim TuS Möllbergen (Landesliga/Verbandsliga) und beim TuS Lahde/Quetzen (Bezirksliga).
In der Hinrunde 04/05 hat Johanesson schon ein paar Spiele (neben der Reha) für GWD gemacht (übrigens in tw. beieindruckender Manier). Die Knieverletzung war für die (geplante) Zentralfigur des GWD-Spiels und für den Verein eine ganz bittere Sache (man kann sogar die These aufstellen, daß das Hannovergastspiel wegen dieser Verletzung gescheitert ist).
Auch Tutschkin, Dujshebajev, Frändesjö und Andersson hatten ja lange Verletzungspausen in ihrer Dankerser Zeit - da hat man viel Pech gehabt (und u.a. deshalb auch nicht den Durchbruch in die absolute nationale Spitze Ende der 90er Jahre/Anfang 21.Jhd. geschafft)
Die ist natürlich indiskutabel - und ein schönes Beispiel für diese merkwürdige massenmediale Brand Verehrung (der bei Lichte gesehen ja gar kein besonders erfolgreicher Bundestrainer ist), die ihm schon seine Amtszeit von Anbeginn an begleitet.
Ansonsten find ich das Heft aber schon kaufenswert (3,80 € sind auch okay) - schon allein wegen dem Statistikteil. Da gibt es übrigens überraschende Erkenntnisse - z.b. wenn man sich die ewige Torschützenliste der WM genauer anguckt (S. 34): von den dort aufgelisteten 42 Spielern haben 7 in ihrer Karriere das GWD-Trikot getragen - eine Anzahl, die kein anderer Verein der Welt erreicht!!
Position 4: Alexander Tutschkin - 178 Tore (5 Teilnahmen)
Position 7: Talant Dujshebajew - 170 Tore (6 Teilnahmen)
Position 13: Stephane Stoecklin - 149 Tore (5 Teilnahmen)
Position 17: Johan Petterson - 144 Tore (6Teilnahmen)
Position 23: Magnus Andersson - 125 Tore (7 Teilnahmen)
Position 32: Patrekur Johanesson - 111 Tore (4 Teilnahmen)
Position 41: Martin Frändesjö - 102 Tore (4 Teilnahmen)
Insgesamt ist das HW-Sonderheft ein schönes Beispiel für die Vorteile des Printmediums gegenüber dem Internet.
Bibo schreibt:
ZitatEinen jungen Trainer ohne Erstligaerfahrung zu holen, der erst einer Station hinter sich hat, ist immer ein gewagter Schritt...
Nuja, RR hat ja reichhaltigste Erfahrungen als herausragender Spieler, allerdings in nur 2 Vereinen (Bergkamen und Düsseldorf) - das Haifischbecken Gummersbach war dann natürlich vom Umfeld her schon ein Schritt (auch wenn der VFL damals nur ein selbsternannter Spitzenverein war). Außerdem hatte er, wenn ich mich recht erinnere, keinen entscheidenden Einfluß auf die Kaderzusammenstellung nehmen können.
Klajic kann natürlich auch längerfristig arbeiten (siehe in Essen und Wallau/Massenheim); unsinnig ist es auch, Ratka generell die Fähigkeit abzusprechen, eine Spitzenmannschaft trainieren zu können (es ist ja z.B. nicht so, daß er ibei GWD nur mit absoluten 'Nonames' arbeitet, sondern auch z.B. mit dem Mittelmann des isländischen Nationalmannschaft). In Minden sind natürlich die Umstände schon günstiger (das gilt aber für wohl fast jeden Trainer), in Ratkas Fall allein schon wegen des Verhältnisses zu Hotti Bredemeier (der Ratka ja schon fast 10 Jahre in Düsseldorf trainierte).
Edit:
Mythbuster: mit der Charakterisierung 'Kampf eintrichtern' (sinngemäß) wirst Du Ratkas Arbeit mit der Dankerser Mannschaft der letzten beiden Saisons nicht gerecht.
Als Klajic GWD 2004 übernommen hatte, war die Mannschaft nach dem 11. Spieltag mit einem Punkt Tabellenletzter - das Abwehrverhalten war desolat, dem Spiel fehlte die Struktur, die Mannschaft fiel regelmäßig nach Rückständen auseinander (Rainer Niemeyer hatte es wegen der Integration der vielen Neuzugänge und vor allem der Johannessonverletzung aber auch nicht einfach). Klajic hat meiner Einschätzung nach aus den Möglichkeiten das Beste gemacht (taktisch war das teilweise schon sehr gut). Seine gute Arbeit in Minden wurde dann ja auch mit dem Trainerstuhl in Gummersbach honoriert.
In der Situation (und mit der TuI-Arena als Spielort) mußte einfach gehandelt werden und ein 'erfahrener Hund' von außen geholt werden - und die Rückrunde war ja auch ordentlich.
Das GWD den Klassenerhalt nur per Zufall erreicht hat, ist nicht richtig. Am Ende stand man auf dem Relegationsplatz (die Relegation brauchte dann wegen der Lizenzentzüge nicht mehr gespielt werden).
ZitatOriginal von Wieland
Ein sehr erfrischendes Interview mit Aussagen (siehe oben) die man sonst nicht so oft liest.
Seine Mission hat Velco Klajic aber auch bei GWD erfüllt - war schon genau der richtige Mann zum damaligen Zeitpunkt.
Ps. In der Tat, wenn man sich so einige andere Interviews in diesem Thread so anguckt (häufig ja son PR-Geschreibsel) fällt das Schäpsmeier-Interview positiv auf .
Naheliegend ist der Gedanke schon - ich bin allerdings sehr skeptisch, ob Mudrow wirklich zu N-Lübbecke gehen würde (und als Lemgoer Trainer überblickt er die Verhältnisse dort ja).
Ein Mudrow würde sicherlich nur zu N-Lübbecke gehen (falls Gauselmann überhaupt Interesse an ihm hätte), wenn ihm verbindliche Zusagen hinsichtliche Kompetenzen (und finanzieller und sonstiger Spielraum bei der Kaderzusammenstellung) gegeben werden würden.
TommiAxner: Nuja, erste Beiträge sind naturgemäß sehr schwer einzuschätzen.
Die Punktevorgaben von Gauselmann sind natürlich von Pfänder nicht erfüllt worden - dazu noch die tw. völlig verfehlte (Mittelblock!!) und nicht billige Einkaufspolitik (zudem ohne Zeitdruck getätigt). Mudrow hat in der Vor-Tiemeyerzeit übrigens bei N-Lübbecke mal eine Saison recht erfolgreich da gespielt(da wird jetzt ja Wert darauf gelegt, jemanden als 'Nettelstedter' zu verkaufen - siehe 'neues Konzept') - aber ob der sich darauf einließe?
Mal abwarten! Dagegen würde sprechen, daß die dann ja schon wieder einen neues Konzeptentwickler beauftragen müßten. Wie gesagt: erstes Posting.
Ps. Nuja, Pfänder würde die Arbeitslosigkeitsstatistik ja nicht 'verschlimmern' - hat ja Vertrag bis Ende der Saison (eine Trennung wäre also für den TuS nicht allzu teuer. Es wird allerdings schon ein paar zusätzliche Euros gekostet haben, Feric zu verpflichten). Gesellschaftspolitisch höchst verdienstvoll von N-Lübbecke war es übrigens Roch im Jahre 2006 mit einem Vertrag bis 2009 zu versorgen.
Hm, von dem Ausbau der Bördelandhalle (und ihrer Übernahme durch den SCM) redet Hildebrand gar nicht mehr?
Tja, die Preise sind natürlich okay.
Bleibt halt die Frage nach der Qualität des Internetlivestreams (und welche Internetverbindung und Computerausstattung man sinnvollerweise braucht) und die Möglichkeit des Mitschneidens des Livestreams.
härter-schneller zum Artikel der Süddeutschen
Zitatna ja, jedem das seine.für mich trieft hier zuviel gute-alte-zeit-nostalgie aus den zeilen, ganz zu schweigen von dem versuch, aus einem menschen eine ikone zu machen.
Tja, ein paar nette Beobachtungen und Anekdoten sind ja drin (die Stilmittel sind allerdings problematisch, so ein bißchen 'popkulturmäßig') - die Ikonisierung von Brand hat ja schon bald nach seinem Amtsantritt eingesetzt (so ganz unironisch ist er selbst angesichts dieses Zustands allerdings nicht - neulich hat er bei einer Einladung vom GWD-Sponsorenpool mal angemerkt, daß er sich vor 25 Jehren nicht hat vorstellen können, mal in Minden beklatscht zu werden).
Ne kleine sachlliche Inkorrektheit/Ergänzung:
ZitatMan sagte: Wenn die Russen kommen, gibt es nur einen Mann, der sie stoppen kann: Heiner Brand. Gemeint waren die Handball-Russen, aber in der Zeit des kalten Kriegs hatte der Satz einen besonderen Klang.
Den Spitznamen des 'Russen-Schrecks' hatte aber Rainer Niemeyer (deshalb wurde der Dankerser Torhüter auch 1978 im Endspiel gegen die UDSSR von Stenzel statt Rudi Rauer nominiert)
Handelsblatt:
Zitat„Pleitgen hat uns ermuntert, dieses Projekt mit Sportfive anzugehen“, sagte ein Insider.
Na, da werden wir auch nach Krämers absehbaren Verschwindens aus der Handballlszene noch lange an ihn zurückdenken (die bisher bekannten Spielverlegungen v.a. der Mannschaften der unteren Tabellenhälfte lassen den Nutzen dieser ganzen Pay-TV Geschichten für diese Vereine sehr fraglich erscheinen)
Ein extrem lesenswerter Brand-Artikel (was erscheint da viel Mist diese Tage) findet sich in der Süddeutschem vom 4.1.
Kleine Kostprobe:
ZitatEr erzählt eine Geschichte, während er zusieht, wie der VfL gegen Minden gewinnt: "Wir hatten hier drei Duschen in der Halle. Und eine von denen war meine Dusche. Als der Andreas Thiel neu zu uns kam, hat er sich unter meine Dusche gestellt. Der hat dann schnell kapiert, dass das meine Dusche war." So war Brand. Und so war Handball.
Wer Brand noch selbst als Spieler gesehen hat, ist übrigens meist kein 'Brandfan' ![]()
ZitatAlles anzeigenZu Besuch im Bergischen Land
Größer als Gummersbach
Von Christian ZaschkeHeiner Brand geht nicht so oft zu Fuß. Wenn er zu Fuß geht, wirkt es manchmal, als zöge er ein Bein nach, aber das ist nicht so. Er hat sich eine Art zu gehen angewöhnt, bei der die Füße sich nicht weit über den Boden heben. Wenn er joggt - und er joggt eher, weil er es als nötig empfindet, nicht, weil er gerne joggt - sieht es aus, als laufe er, ohne dass der Kopf sich hebt oder senkt.
Wer je Heiner Brand beim Joggen erblickt, wie er hinter einer Hecke vorbeiläuft, die den Blick nur auf Schultern und Kopf freigibt, der sieht einen Mann, der auf einem Laufband vorbeifährt. Solange, bis die Hecke zu Ende ist, dann sieht man wieder den ganzen Brand und sieht, dass er tatsächlich läuft, jeden Schritt bedächtig setzend. Es ist der Rücken; Brand musste sich bereits operieren lassen, seitdem geht es besser.
An diesem Samstag, es ist der Tag vor Heiligabend, setzt sich Brand in sein Auto, das neben der rechten Hälfte des Doppelhauses in Gummersbach geparkt steht. Er dreht den Zündschlüssel, der Motor springt an, und auf dem Armaturenbrett erscheinen einige Ziffern in Rot. Die Ziffern der Kilometeranzeige stehen auf knapp über 52.000. Brand fährt sein Auto stets nur ein Jahr, dann tauscht er es gegen ein neues ein.
Bald ist auch dieser Wagen dran, der Zähler wir dann die 60.000 erreicht haben. So ist es in jedem Jahr, und vielleicht werden es in diesem Jahr sogar weniger als 60.000 Kilometer sein, denn in zwei Wochen steht die Handball-WM an, und da muss Brand nicht mehr so viel Auto fahren, weil er als Bundestrainer mit der Mannschaft fährt, im Bus. 52.000. Brand hat eine Stimme wie Ivan Rebroff, und mit dieser Stimme brummt er: "Ja, ich bin viel unterwegs."
Jetzt ist er unterwegs in die Eugen-Haas-Halle, es spielt der VfL Gummersbach gegen GWD Minden. Die Halle liegt in zehn Minuten Fußweg Entfernung, und als Brand mit seinem Auto zum Parkplatz für wichtige Gäste kommt, dem Vip-Parkplatz, ruft eine junge Frau an der Absperrung: "Ist schon voll."
Brand lässt das Fenster wieder hochsurren und sagt: "Das ist der einzige Vip-Parkplatz beim Handball in Deutschland, auf den ich nicht immer raufkomme." Er lächelt dabei, nicht mehr bitter, eher wie einer, der zehn Jahre nach der Scheidung sagt: "Ach, das Haus hat sie auch noch auf sich überschreiben lassen." Gummersbach, Brand und der deutsche Handball, das schien so lange eins zu sein.
WM-Ziel: Finale in Köln
Brand dreht dann trotzdem noch eine Runde über den Parkplatz, er ist jetzt 54Jahre alt, er hat 27 Jahre für den VfL gespielt, er hat ihn trainiert, er war sechsmal deutscher Meister als Spieler, dreimal als Trainer, er hat den Europapokalsieger der Landesmeister gewonnen, zweimal - da wird er doch wenigstens eine Runde über den Parkplatz drehen dürfen, um zu sehen, ob "Ist schon voll" wirklich "voll" heißt.
Doch der Parkplatz ist tatsächlich voll, und Brand fährt dann durch einige Gassen, bis er einen Platz findet, an dem er den Wagen parken kann. Dann geht er zur Halle, es ist nicht weit, und es wirkt, als würde er ein Bein nachziehen, aber das ist nicht so.
Gummersbach, Brand und der deutsche Handball - das ist die Geschichte einer Entwicklung, und auch wenn nicht alle immer auf den gleichen Pfaden gewandelt sind, so eint sie nun, im Januar 2007, dasselbe Ziel: Es ist ein Ort namens Köln, genauer: die Kölnarena.
Das ist eine Mehrzweckhalle, Platz für 19000 Zuschauer, in der der VfL Gummersbach mittlerweile seine wichtigen Heimspiele austrägt und in der am 4. Februar das Endspiel der Handball-WM ausgetragen wird. Wenn es Brand gelingt, die deutsche Mannschaft dahin zu führen und zu gewinnen, dann hat sich ein Kreis geschlossen.
Brands Haus in Gummersbach liegt in fußläufiger Entfernung vom Bahnhof, wie alles in Gummersbach in fußläufiger Entfernung zu liegen scheint. Er nutzt den Bahnhof fast nie, weil der Zug nach Köln länger als eine Stunde unterwegs ist, obwohl die Entfernung zwischen Gummersbach und Köln in Kilometern 53 beträgt.
Im Handball wird diese Entfernung stetig kleiner, und es ist die Hoffnung des Klubs und der Sportart, dass die Entfernung zwischen Gummersbach und Köln verschwindet. An diesem Nachmittag vor Heiligabend schaut Brand Fernsehen, bevor er zur Halle fährt, der THW Kiel spielt gegen die SG Flensburg-Handewitt. Es ist das Spitzenspiel, die besten deutschen Mannschaften, aber es sind gerade keine deutschen Spieler auf den Parkett.Brand brummt: "Flensburg spielt besser, aber Kiel gewinnt." So kommt es. Draußen wird das Licht jetzt fahl, der Himmel ist bewölkt, und im Garten heben sich die Zweige des großen Ahorn-Baums, fast so groß wie das Haus, schwarz gegen die Bewölkung ab. "Im Herbst ist der Baum herrlich", sagt Brand, "dann strahlt er in wunderschönen Farben." Er lächelt dabei, wie einer, der 30 Jahre nach der Hochzeit sagt: "Ich liebe meine Frau heute wie damals."
Bei den Olympischen Spielen 1976 überreichten die Veranstalter aus Montreal jedem Teilnehmer einen Ahorn-Zweig, ein kleines Andenken an Kanada. Brand hat den Zweig von Kanada mit nach Gummersbach genommen, er hat ihn in seinem Garten eingepflanzt, und heute steht da der Baum.
Brand betritt die Eugen-Haas-Halle durch einen Hintereingang, er kann einfach durchgehen, er muss keine Karte vorzeigen, das dann doch nicht. Tribünen gibt es nur an zwei Seiten des Spielfeldes, es passen 2200 Zuschauer darauf. So war Handball früher: eine erweiterte Schulturnhalle in der Provinz, ein paar Zuschauer.
Für die ganz großen Spiele im Europapokal ist der VfL nach Dortmund in die Westfalenhalle gegangen, und wenn die Spieler dort aus den unterirdisch gelegenen Kabinen auf das Parkett kamen, dann sahen sie erst einmal nichts, weil der Rauch nebeldick in der Halle stand. Die Zuschauer durften damals rauchen beim Handball.
Nur einer konnte die Russen stoppen
Das ist das Milieu, aus dem dieser Sport stammt. An einer Wand der Haas-Halle hängen Plastiktransparente von örtlichen Geschäften, unter anderem von einem Autohändler namens Brand, und Heiner Brand sagt: "Der hat nichts mit mir zu tun." Ein seltsames Schicksal für den Autohändler: Immer wenn er sich vorstellt als Brand aus Gummersbach ist er der falsche Brand.
An der Seite des Spielfeldes steht eine Wechselbande, die zu modern für die Halle wirkt, und manchmal steht auf dieser Bande: Kölnarena. Es sieht dann so aus, als sei das der Name der Halle, und das wirkt recht witzig: die Kölnarena eine ausgebaute Schulturnhalle. Es sieht aus wie ein Bild, das sagen will: Wir schreiben zwar Kölnarena drauf, aber das hier ist noch immer der echte Handball; hier ist er zu Hause.
Wenn der VfL ein Tor wirft, tönt aus den Lautsprechern "Viva Colonia". Man kommt in Gummersbach um Köln nicht herum. Köln bedeutet die neue Zeit, den Weg von der Halle in die Arena, den Weg vom Milieu in die Welt der Events. Der VfL hat einen Teil des Wegs zurückgelegt, aber noch ist er nicht angekommen, noch muss er immer wieder mal in der Haas-Halle mit ihren Autohändler-Transparenten spielen. Auch Brand hat einen Teil des Wegs zurückgelegt, und der Weg hat ihn gezeichnet.
In den siebziger Jahren war Brand der beste und auch der härteste Abwehrspieler der Welt. Man sagte: Wenn die Russen kommen, gibt es nur einen Mann, der sie stoppen kann: Heiner Brand. Gemeint waren die Handball-Russen, aber in der Zeit des kalten Kriegs hatte der Satz einen besonderen Klang.
Im Oktober des letzten Jahres stand der Mann, der einst die Russen stoppte, in der Bremer Stadthalle. Die Nationalmannschaft lag beim World Cup, einen Vorbereitungsturnier, zur Halbzeit gegen Dänemark 11:15 zurück, sie war gerade in die Kabine gegangen.
Brand blieb vor der Kabine stehen. Er beugte sich langsam vornüber, er stützte die Hände auf die Knie, und dann verharrte er in dieser Stellung, 15 Sekunden lang, 20 Sekunden lang. Er atmete tief, er hatte Schmerzen. Er versuchte, sich in einen Zustand zu versetzen, in dem er eine Kabinenansprache würde halten können. Ganz langsam richtete er sich wieder auf, und als er dann auf die Kabinentür zuging, wirkte es, als zöge er ein Bein nach.
In diesem Moment waren Brand die Entbehrungen anzusehen, die das Leben mit dem Handball bedeuten kann. Zu diesen Entbehrungen gehört auch, dass er sich von seinem Heimatklub entfremdet hat. Bevor er vor zehn Jahren Bundestrainer wurde, trainierte er den VfL. Sein Wechsel auf den Bundesposten wurde früh bekannt, dann verlor der VfL zwei Spiele, und manche im Klub sagten, Brand gebe nicht mehr alles, er sei wohl im Kopf schon beim neuen Job. 1959 ist Brand dem VfL Gummersbach beigetreten. Dann das, nach 37 Jahren. Er war tief gekränkt. Die Beziehung erkaltete.
Meine Dusche, seine Dusche
Die Entbehrungen lassen sich auch am Tachometer des Autos ablesen. 60.000 im Jahr, das sind 5000 im Monat, knapp 170 jeden Tag. In diesem Jahr hat der Handball-Bund einen begehbaren Handball auf eine so genannte Roadshow geschickt, und mit dem Ball erschien stets der Bundestrainer. Der Ball sah ein bisschen lächerlich aus, doch Brand war immer da und beantwortete die immer gleichen Fragen, stoisch. "Es ging an die Grenzen der Belastbarkeit", sagt er.
Zwischendurch kehrte er immer wieder nach Gummersbach zurück. Hierhin ist er immer zurückgekehrt, hier wurde er geboren, und hier ist er nie weggezogen. Mit den Gummersbacher Mitspielern Erhard Wunderlich und Joachim Deckarm ist er 1978 Weltmeister geworden, es war außerhalb des Fußballs der größte Titel einer deutschen Mannschaft (neben dem Olympiasieg der DDR-Handballer 1980). Man könnte einerseits sagen, er ist der Mann, die nie aus Gummersbach rausgekommen ist, aber andererseits ist da der Tacho des Autos, der sagt, er ist der Mann, der so selten in Gummersbach ist.
Als Spieler war Brand Gummersbach. Als Bundestrainer ist er größer geworden als Gummersbach, er ist das Gesicht des deutschen Handballs, des Handballs von damals und des Handballs von heute. Es liegt nahe, ihn mit Franz Beckenbauer und dessen Bedeutung für den Fußball zu vergleichen, aber Brand ist anders.
Er erzählt eine Geschichte, während er zusieht, wie der VfL gegen Minden gewinnt: "Wir hatten hier drei Duschen in der Halle. Und eine von denen war meine Dusche. Als der Andreas Thiel neu zu uns kam, hat er sich unter meine Dusche gestellt. Der hat dann schnell kapiert, dass das meine Dusche war." So war Brand. Und so war Handball.
Jetzt versucht der Handball den Weg in eine neue Zeit, und Brand ist nicht einfach noch immer dabei, er ist als Bundestrainer die Spitze der Bewegung. Brand sagt: "Nachdem ich mit dem aktiven Handball aufgehört habe, ist es damals die Dusche vom Thiel geworden." In der Kölnarena sind genug Duschen für alle da.
Quelle: Süddeutsche
Diddi schreibt:
Zitathinzuzufügen bei der fehlenden Deckung des Etats sind wohl noch die bald zu 99% ausfallenden Zahlungen von ISE; dem Betrieb geht es momentan wohl gar nicht gut; wäre nicht verwunderlich, wenn sie nächste Saison etwas weniger für den Etat beisteuern würden!
Tja, Geschäftsführer von ISE ist Gerd Rosendahl - verliert das nächste Beiratsmitmitglied (und jetzige "Interims-Boss") seine Machtbasis beim VFL - diesmal durch eine drastische Einschränkung des eigenen finanziellen Engagements?
KSTA-Artikel zur Lage von ISE: hier
Ps. Ich bin schon ein wenig erstaunt, daß die 'VFL-Experten' uns das hier bislang weitgehend 'verschwiegen' haben (ich habs als regelmäßiger Leser der HE jedenfalls aus dem Wirtschaftsteil der Presse erfahren - und nicht aus dem Forum).
Na, dann mal den Express-Aertikel, da ist von einem siebenstelligen Liquiditätsloch die Rede:
ZitatAlles anzeigen
STOPFT ER DAS LIQUIDITÄTSLOCH?
Mysteriöser Millionär steigt beim VfL einVon ALEXANDER HAUBRICHS
Gummersbach – Der Rücktritt von VfL-Aufsichtsratsboss Hans-Peter Krämer und seine Folgen. „Unser Verein befindet sich jetzt in einer kritischen Phase“, weiß nicht nur Coach Alfred Gislason.Denn der Handball-Macher hinterlässt – entnervt von den Bremsern in Oberberg und gesundheitlich angeschlagen – einen Klub im Schwebezustand: Die sportliche Zukunft ist ungeklärt und die Finanzierung der neuen, lebensnotwendigen Halle in Gummersbach – bis Mittwoch Krämers Projekt – ist fraglicher denn je.
Zudem klafft derzeit wegen der ungünstigen Kölnarena-Termine, diverser Altlasten aus der Ära von Amtsvorgänger Jochen Kienbaum und der Probleme eines Hauptgeldgebers auch noch ein siebenstelliges Liquiditätsloch im Etat der Oberbergischen.
„Es kommt einiges an Arbeit auf uns zu“, sagt VfL-Manager Stefan Hecker. „Jetzt müssen wir das Ganze auf andere Beine stellen.“
EXPRESS erfuhr: Es gibt schon einen Plan. Heute trifft sich der Rest des Aufsichtsrates zu Gesprächen. In denen geht es vor allem um eine Person: Hartmut Lademacher.
Der Unternehmer ist seit der Boom-Zeit am „Neuen Markt“ Multi-Millionär, lebt trotz seiner Oberberger Wurzeln in einer von Deutschlands reichsten Gemeinden: in Königstein im Taunus. Zu den VfL-Spielen lässt er sich von seinem Chauffeur im Rolls-Royce Phantom oder in seinem Maybach kutschieren.
Schon einmal zog Lademacher die Fäden bei den Oberbergischen: Im Januar 1999 rettete er den VfL nach der Maxima-Pleite, nur um ein Jahr später wegen mangelnder Unterstützung seinen Rückzug anzutreten. Jetzt soll er wieder helfen.
Interims-Boss Gerd Rosendahl sagt EXPRESS: „Namen kann ich nicht kommentieren, aber wir freuen uns über Jeden, der sich beim VfL konstruktiv einbringt.“
Der künftige Sportdirektor Francois-Xavier Houlet erklärt: „Ein neuer Geldgeber ist sehr wichtig“, sagt aber auch: „Es besteht immer die Gefahr, dass einer plötzlich die Lust verliert. Deshalb muss man das auf breite Beine stellen.“
Das bleibt jetzt erst einmal aus: Krämers Kontakte zum russischen Gas-Riesen Gazprom (EXPRESS berichtete) liegen ebenso auf Eis wie die Gespräche mit einem großen Textil-Discounter. Die Zukunft des VfL bleibt ungewiss.
Artikel Hansi Schmidt:
ZitatGemeinsam mit dem berühmten Vater schaute der sich in der Köln-Arena das Spiel gegen den HSV an. Nicht der Verein, den Hansi Schmidt berühmt gemacht hat, sondern ein Sponsor versorgt das Idol von einst mit zwei VIP-Dauerkarten. Der verlorene Sohn Yoon trifft an diesem Abend vier Mal gegen den ehemaligen Arbeitgeber. Und Hansi Schmidt schüttelt verständnislos den Kopf: „Ich hätte nie gegen meinen alten VfL Gummersbach gespielt.“
Wie, hat er das denn nicht mit dem TuS Derschlag (zu deren BL-Zeit) gemacht?
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Tja, so ist das: die These ist wohl nicht allzu gewagt, daß mit dem Verlust seiner beruflichen Machtbasis (die der Sponsorenakquisation zumindest nicht schadete) seine Stellung beim VFL nachhaltig erschüttert wurde.
Ps. Auffällig die zeitliche Nähe des Krämer-Rücktritts mit dem Prozeßende gegen Düsseldorf.