Auf der Suche nach Identität
Lübbecke. Der TuS N-Lübbecke kämpft verzweifelt um den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga. Andererseits sucht der Verein eine neue Identität. Die Verantwortlichen wollen weg von dem in den vergangenen Jahren angenommenen Image einer Handball-Firma, zurück zu den Wurzeln. Die Überlegungen, wie man diese neue Identität definiert, findet und mit Leben erfüllt, wurden gestern Vormittag von Jens Pfänder, Zlatko Feric, Armin Gauselmann, Uwe Kölling und dem moderierenden Robert Hess vorgestellt.
Dabei gab es gleich zwei Premieren. Robert Hess, Pressesprecher des TuS N-Lübbecke, saß erstmals seit vielen Jahren bei einem offiziellen Termin des TuS N-Lübbecke, um keine Beurlaubung oder Freistellung eines leitenden Angestellten bekannt zu geben. Zum anderen gesellte sich erstmals mit Armin Gauselmann einer der Gauselmann-Söhne zu der Runde der Entscheidungsträger des TuS N-Lübbecke. "Ich sehe meine Aufgabe als Bindeglied zwischen den Gesellschaftern Paul Gauselmann, Reinhard Heidemann und Siegbert Wortmann auf der einen und der sportlichen Leitung in Person Jens Pfänders auf der anderen Seite. Wir wollen die Entscheidungswege kürzer als bisher gestalten", so Armin Gauselmann. Seine erstmalige Anwesenheit in offizieller Funktion bei einem Termin des TuS N-Lübbecke darf getrost als diskreter Hinweis auf die Zukunft gewertet werden.
Nach vielen Gesprächen und Verhandlungen in den vergangenen Tagen stellt sich die Führungsmannschaft des TuS N-Lübbecke folgendermaßen dar. Mit Uwe Kölling gibt es nur noch einen hauptamtlichen Geschäftsführer, der die Arbeit auf der Geschäftsstelle leitet. Jens Pfänder arbeitet als Trainer und sportlicher Leiter, er ist für die gesamte Personalplanung in der Zukunft verantwortlich.
Ihm zur Seite steht mit Zlatko Feric ein in Lübbecke äußerst beliebter Sympathieträger, der in erster Linie als Jugendkoordinator sowie als Spiele(r)beobachter in Aktion treten soll. "Ich freue mich auf diese neuen Aufgabengebiete. Ich lebe seit 1986 in Lübbecke, der TuS Nettelstedt und der TuS N-Lübbecke liegen mir einfach am Herzen", so Zlatko Feric in seiner Stellungnahme. "Um dieses Konzept umzusetzen, brauchen wir allerdings breite Unterstützung. Wir bieten dabei unsere Leistung an", so Feric weiter.
Jens Pfänder und Zlatko Feric werden sich auf der von Uwe Kölling verantwortlich geleiteten Geschäftsstelle ein großes Büro teilen. "Wir haben ein großes gemeinsames Ziel vor Augen. Wir wollen an einem Strang ziehen, um dieses Ziel zu erreichen", brachte Uwe Kölling die Empfindungen aller Beteiligten auf den Punkt. Im personellen Bereich wird es in der Geschäftsstelle eine Aufstockung geben, "im Januar oder Februar werden wir noch jemanden einstellen".
Bei den Gesprächen der vergangenen Tage kamen alle Verantwortlichen zu dem Ergebnis, den Stammverein TuS Nettelstedt wieder mehr zu integrieren. "Ich habe ein ausführliches Gespräch mit Volker Arning und Dirk Niemeyer geführt, der Verein weiß um unsere Bemühungen Bescheid", so Jens Pfänder. "Wir wollen ganz bewusst eine vernünftige Nachwuchsarbeit beim TuS Nettelstedt wieder aufbauen, um die verloren gegangene Identifikation wieder zu beleben", so Pfänder, der einräumte, dieses Projekt werde sehr lange dauern. Der TuS Nettelstedt hat zurzeit eine B- und eine C-Jugend, die jeweils in der Kreisliga spielt.
"Wir haben die Möglichkeit, Kooperationen anzustreben und einzugehen. Unsere Spieler können Trainingseinheiten leiten und Patenschaften übernehmen Wir müssen eng mit den Schulen zusammenarbeiten", formulierte Jens Pfänder diese Eckpunkte des Konzeptes, das von Zlatko Feric verantwortlich betreut wird.
"Der Nachwuchs ist das Herz eines Vereins. Wir wollen in den kommenden Wochen und Monaten mit interessierten anderen Vereinen Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit führen. Die Förderung des Nachwuchses liegt uns wirklich am Herzen, wobei das aktuelle Tagesgeschäft in der Handball-Bundesliga natürlich Vorrang hat", so Pfänder weiter.
Frühestens mit Beginn der kommenden Saison kann der verstärkte Einstieg in die Nachwuchsförderung beginnen. Allerdings steht auch ein Anliegen der HBL dahinter, denn den Handball-Bundesligisten werden bestimmte Dinge in der Nachwuchsarbeit vorgeschrieben.
"GWD Minden macht seit Jahren eine ausgezeichnete Nachwuchsarbeit. Da spielen einige in den Jugendmannschaften ausgebildete Spieler inzwischen in der Bundesliga. So etwas verbindet die Fans mit der Mannschaft extrem gut", blickte Armin Gauselmann ein wenig über den Tellerrand hinaus. Doch um ähnliche Strukturen beim TuS Nettelstedt zu installieren, bedarf es allerdings sehr vieler Jahre und sehr viel Geduld. "Dieses Konzept ist unabhängig von den jetzt handelnden Personen, es ist wichtig für den Verein", so Jens Pfänder.
Viel wichtiger erscheint allerdings für den TuS N-Lübbecke in der angespannten sportlichen Situation in den kommenden Begegnungen Punkte im Kampf gegen den drohenden Abstieg zu gewinnen.