Die Presseresonanz auf den Bielefelder Auftritt war allerdings sehr gut - besser konnte es gar nicht laufen. Große Vorankündigung auf der ersten Lokalseite der Bielefelder Neuen Westfälischen und ausführliche Nachberichterstattung.
Zunächst ein (etwas krischer) Bericht aus dem Mindener Tageblatt (Minden liegt ca. 45 km von Bielefeld entfernt)
ZitatAlles anzeigenEin Hauch von Weltmeisterschaft unterm Dach des großen Zelt-Handballs
Roadshow mit Heiner Brand und Horst Bredemeier wirbt in Bielefeld um Aufmerksamkeit / "Wenn wir komplett und in Form sind, haben wir eine Chance"
Bielefeld (mt). Die Handball-Weltmeisterschaft kommt nach Deutschland. Und wie sie kommt: Mit Macht! Damit möglichst viele Menschen davon Kenntnis erlangen, tourt der Tross der WM-Macher mit der Handball- Roadshow durch Deutschland. Gestern, 98 Tage vor WM-Start, machte das Handball-Zelt Station in Bielefeld.
Von Marcus RiechmannJournalisten, städtische Amtsträger, Ehrengäste und natürlich WM-Macher von Cheforganisator Horst Bredemeier über Bundestrainer Heiner Brand bis zu Nationalmannschafts-Rechtsaußen Florian Kehrmann füllen den Innenraum des 165 Quadratmeter großen Zeltes in Form eines Handballs - dem so genannten Air-Dome.
Schmucklos wölbt sich über ihnen mächtig die weiß-graue Zeltplane an diesem trüben Spätsommertag, während von draußen am Bielefelder Verkehrsknotenpunkt Jahnplatz der Lärm des städtischen Alltags durch die Stoffhülle wabert. Viel zu sehen gibt es nicht im "größten begehbaren Handball", wie er vom Organisationskomitee beworben wird. Neben der Bühne sind vier Ecken leidlich gefüllt.
Wenig Inhalt in den vier Zeltecken
Eine Stellwand füllt die erste. Dort werden die WM-Spielorte auf einer Karte vorgestellt. Auf einem Bildschirm laufen Filme der teilnehmenden Teams und Szenen der großen Stars der Szene. So ist der Spanier Talant Duschebajew in einigen Szenen im Trikot von GWD Minden zu sehen.
In der gegenüberliegenden Ecke widmet sich eine Stellwand mit eingebautem Monitor der WM-Geschichte und dabei ausschließlich dem deutschen Titelgewinn von 1978 in Kopenhagen, als die beiden Hiller Dieter "Jimmy" Waltke und Rainer Niemeyer unter Vlado Stenzel triumphierten. In einer Vitrine werden neun Exponate ausgestellt, darunter eine Trainingsjacke des 78er-Teams, das Original-Trikot von Heiner Brand und der Spielberichtsbogen des Finales vom 5. Februar. Die beiden weiteren Ecken teilen sich ein Vorverkaufsstand für Tickets und ein Fan-Shop, der Schals und Wimpel anbietet. Viel zu sehen gibt es also nicht im WM-Ball, doch den DHB-Vizenpräsidenten Horst Bredemeier ficht das nicht an. "Es geht um das Spektakel, wenn der Ball mit der Roadshow in die Städte kommt. Wir wollen für Aufmerksamkeit sorgen", sagt er. Vor vier Monaten hätten erst fünf Prozent der Bundesbürger gewusst, dass die WM nach Deutschland kommt. "Jetzt sind es schon 37 Prozent", zitiert der Mindener aus der jüngsten Marktforschungsanalyse.
Vor dem Zelt-Ball, der silber-weiß mit dem grauen Bielefelder Himmel verschmilzt, üben Kinder an der Torwand und warten auf die Autogrammstunde. Drinnen übt sich derweil Ex-Nationalspieler Volker Zerbe beim Pressetermin in seiner Rolle als WM-Repräsentant und Gastgeber. Das Lemgoer Aushängeschild begrüßt die Gäste ohne Ausnahme mit Handschlag.
Derweil nehmen Bredemeier, Brand und Kehrmann nebst Bürgermeistern und Sponsorenvertretern auf dem Podium Platz und plaudern über die WM. Vom 19. Januar bis zum 4. Februar gastiert das Handball-Großereignis in Deutschland. 24 Teams spielen in zwölf Städten in 92 Begegnungen den neuen Weltmeister und sämtliche Platzierungen aus. 200 000 der rund 300 000 Tickets meldet das Organisationsteam der WM bereits als verkauft. Es soll die größte Handball-Weltmeisterschaft aller Zeiten werden - und es hat allen Anschein, als ob die sie es auch würde.
Brand als Botschafter der WM im Stress
Nicht nur unter finanziellen Gesichtpunkten ist für die Organisatoren der gut laufende Kartenvorverkauf wichtig. "Wir wollen allen Mannschaften das Gefühl von WM geben", wünscht sich Bredemeier anders als bei manch anderen Titelkämpfen zuvor volle Arenen nicht nur bei den Spielen der deutschen Mannschaft.
Dass der Kauf von Tickets mittlerweile nicht mehr ganz so einfach ist, beschreibt Florian Kehrmann. Er selber könne bei der Kartenvermittlung nicht helfen. Den zahlreichen Kartenwünschen würde er entgegnen: "Ich habe eine Karte, ich kann spielen." Noch am Abend musste Kehrmann in der Bundesliga mit dem TBV Lemgo gegen die HSG Wetzlar spielen. "Wir haben einen engen Alltag mit Bundesliga, Pokal und Europacup. Aber die WM kommt näher. Ich freue mich", erzählt der Flügelflitzer, bevor er sich auf den Weg in den Liga-Alltag macht.
Den Auftakt zur WM macht das Eröffnungsspiel in Berlin, das Finale steigt in Köln. Doch dazwischen gastiert die WM viel in der Handball-Hochburg Ostwestfalen. Vor- und Hauptrundenspiele werden im Haller Gerry-Weber-Stadion ausgetragen, Dortmund wird Spielort einiger Hauptrunden- und Platzierungsduelle sein, und der Großteil des Rennens um die hinteren Plätze, der "Presidents-Cup", wird in Lemgo ausgespielt. Dazu schlägt der Internationale Handballverband sein Hauptquartier in Halle auf.
Klare Sache also, dass der Air-Dome auch im OWL-Zentrum Bielefeld Station machte - auch wenn dort nicht gerade die Elite des heimischen Handballs zu Hause ist. Premiere feierte der Air-Dome am Donnerstag in Köln. Abschluss der Tournee wird am 6. Dezember in Kiel sein. In insgesamt zwölf Städten gastiert der Ball für einen Tag. Und überall wird Heiner Brand das Programm mit einem Lächeln unterm Schnauzbart abwickeln. Morgens ein Training in einer Schule, Presse-Termin, Bad in der Menge mit Autogrammstunde, Abreise.
Den Trainer hat die WM bereits jetzt voll im Griff. Der Weltmeister von 1978 ist Botschafter, Gesicht und oberster Repäsentant der Titelkämpfe. Und so pendelt er Tag für Tag durch die Republik und gibt nebenbei noch für den Sender Eurosport den Co-Kommentator bei Spielen der Handball-Champions-League. "Wenn wir komplett und in Form sind, dann haben wir eine Chance gegen die Favoriten wie Spanien, Frankreich und Kroatien. Mit der Begeisterung des Publikums im Rücken ist einiges möglich", sagt Brand, der sein Ziel längst klar erklärt hat: den Titelgewinn bei der "größten und besten WM aller Zeiten".
Quelle: mt-online
Ostwestfalenbreit wurde dieser Artikel im Mantelteil der Neuen Westfälischen verbreitet (im Bielefelder Lokalteil gab es dann zusätzlich noch einen größeren Artikel):
ZitatAlles anzeigenGrößte und beste WM aller Zeiten Größte und beste WM aller Zeiten / Mit Fotos zum Thema
VON MATTHIAS FOEDEBielefeld. Der Geschichte nach soll sich Horst Bredemeier auf einem Handtuch am Strand von Tunesien liegend eine Modusänderung für die anstehende Handball-Weltmeisterschaft ausgedacht haben. "Ganz so war es nicht", wiegelt der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB) ab – doch die Quintessenz der frei erfundenen Handlung stimme.
Die Quintessenz für die Welttitelkämpfe, die vom 19. Januar bis 4. Februar 2007, in Deutschland ausgetragen werden, lautet: Mehr Spiele, mehr Ruhetage, Wiedereinführung des Viertelfinals anstatt einer Zwischenrunde sowie Austragung des Presidents Cup – einer Art Trostrunde für die in der Vorrunde gescheiterten Mannschaften. Kurzum: "Es wird die größte und beste Handball-Weltmeisterschaft aller Zeiten", sagt Bredemeier.
Die deutschen Ausrichter treibt nicht die Hybris, also der altertümliche Größenwahn. Der DHB lässt sich vielmehr von einer Mission leiten, die da lautet: Der Handball muss raus aus den muffigen Sporthallen, rein in moderne Arenen, um attraktiv zu sein für ein Massenpublikum. Deshalb kritisierte der Verband, seines Zeichens der größte Handballverband der Welt, in Person ihres Präsidenten Ulrich Strombach stets, dass WM-Spiele wie zuletzt in Tunesien und Portugal nicht vor halbvollen Rängen stattfinden dürfen. Bei den beiden zurückliegenden Meisterschaften war der Zuspruch derart dürftig, dass sich Bredemeier öfters den Spaß machte und jeden Zuschauer per Handschlag begrüßte.
Auf diese witzige Idee wird er bei der eigenen WM nicht kommen. Schließlich läuft der Vorverkauf gut. Mehr als zwei Drittel der rund 300.000 Tickets für die zwölf Spielorte sind bereits vergriffen. Wenn man überhaupt von Absatzproblemen reden kann, dann gibt es einen schleppenden Verkauf bei Vorrundenpartien der so genannten Exoten wie Grönland oder Australien oder beim Presidents Cup. Deshalb hat der DHB mit der WM-Roadshow die heiße Phase seiner Werbemaßnahmen eingeläutet.
Nach dem Auftakt am Donnerstag in Köln gastierte der "Airdome", der größte begehbare Handball der Welt, tagsdrauf auf dem Bielefelder Jahnplatz und zog hunderte Schaulustige an. Die Verbandsspitze bringt sich mit großem persönlichen Einsatz ein. Allen voran Heiner Brand, der in dieser Woche wie Kaiser Beckenbauer bei der Fußball-WM kreuz und quer durch die Republik tourt, Termine wahrnimmt und "so ganz nebenbei auch noch Bundestrainer ist" (Brand).
Für den Presidents Cup, der zu einem Großteil in Lippe ausgetragen wird, hat Lemgos Manager Fynn Holpert sogar schulfrei für die Kids der Region erwirkt. Nicht zuletzt durch solche Aktivitäten hofft der DHB, seinen Bekanntheitsgrad zu steigern. Einer Umfrage zufolge wussten vor Monaten lediglich fünf Prozent der Bevölkerung, dass im Januar die WM in Deutschland stattfindet. Aktuell sind es bereits 30 Prozent. Diese Entwicklung nährt eine große Hoffnung von Florian Kehrmann. Der Handballer des Jahres wünscht sich eine "emotionale WM mit einer positiven Außendarstellung".
Die deutsche Mannschaft bestreitet das Eröffnungsspiel am 19. Januar in Berlin gegen Brasilien. Diese Partie wird um 17.30 Uhr live im Fernsehen übertragen – genauso wie die Spiele zwei und drei der DHB-Sieben in Halle: gegen Argentinien (21. Januar, 17.30 Uhr) und gegen Polen (22. Januar, 17 Uhr). Für Kehrmann soll der Weg der Deutschen im Finale (Köln, 4. Februar) mit dem Titel enden. Heiner Brand hat dazu eine eigene Meinung: "Nur weil Jürgen Klinsmann im Sommer meinte, dass seine Mannschaft Weltmeister werden muss, werde ich so etwas nicht behaupten."