Der Handball „auf dem Weg“ - Leistungszentrum mit Internat
Von Josef Schmitt
Bundestrainer Brand: Talente gezielter fördern und ausbilden
11. Oktober 2006
Großes vor haben die Verantwortlichen in Großwallstadt. In einer Pressekonferenz wurde die Planungen für ein Handball-Leistungszentrum vorgestellt. Die äußere Fassade des über zehn Millionen Euro teuren Projektes, das über Sponsoreneinnahmen, Mitgliedsbeiträge und Zuschüsse von Kommunen, Bund und Land finanziert werden soll, erinnert an ein Einkaufszentrum und wird die Handballwelt in Großwallstadt und wohl auch im gesamten Bundesland Bayern verändern.
Das Bauwerk mit einer Grundfläche von über 12.000 Quadratmetern wird im sportlichen Teil ein Internat enthalten, zwei neue Sporthallen, dazu alle Annehmlichkeiten, die für Leistungssport nötig sind wie Sauna, modernen Umkleidekabinen, Behandlungs- und Regenerationsräume. Im vorderen Bereich des neuen Zentrums in Großwallstadt werden ein Ärztezentrum, die Geschäftstelle des TV Großwallstadt, ein Bistro, die Zentrale eines Software-Unternehmens, Seminar- und Büroräume entstehen. Die Planungen des Handball-Leistungszentrum (HBLZ) sind weit fortgeschritten, die Baumaßnahmen sollen bereits im Frühjahr nächsten Jahres beginnen.
Brand: „Gezieltere Förderung und Ausbildung nötig“
Dem großen Vorhaben angemessen waren die Redner bei der offiziellen Vorstellung. Bundestrainer Heiner Brand, der Großwallstädter Trainer Michael Roth, dessen Vorgänger Peter Meisinger als einer der Initiatoren, Nationalspieler wie Heiko Grimm und Jens Tiedtke und der Vizepräsident des Bayrischen Handball-Verbandes (BHV) Georg Clarke strichen die vielen Vorteile des neuen HBLZ heraus und berichteten über die Zielsetzungen und Chancen der neuartigen Jugendförderung. „Ich freue mich sehr, daß sich ein Traditionsverein wie der TV Großwallstadt zu einem Projekt mit solchen Dimensionen entschlossen hat“, sagte Heiner Brand. Er habe große Hoffnung, „daß für den Handball Großes herauskommt.“ Brand betonte die Notwendigkeit einer „gezielteren Förderung und Ausbildung“ junger Spieler.
Genau darum will sich das Leistungszentrum in Großwallstadt kümmern. Unter der Anleitung kompetenter Trainer sollen nicht nur aus der Region am Untermain, sondern wenn möglich landesweit aus Bayern und dem naheliegenden Hessen, im Idealfall aus dem ganzen Bundesgebiet, Talente zusammengezogen werden. Sie können in einem Internat untergebracht und dort sportlich wie schulisch gefördert werden. „Es wird eine bundesweit bisher einmalige Einrichtung“, sagte der Vorsitzende des HBLZ Jürgen Steigerwald, „wir wollen Jugendspieler an ganz gezielt an den Spitzensport heranführen.“
Sport und Schule unter einen Hut bringen
Schon mit Beginn des Jahres 2008 sollen zwei Mannschaften des HBLZ Großwallstadt, eine B- und eine A-Jugend, in den höchsten Leistungsklassen Bayerns spielen. Der Bayerische Handball-Verband will das neue Zentrum als Leistungsstützpunkt nutzen, dazu Trainerfortbildungen, Auwahlmaßnahmen und Schiedsrichter-Weiterbildungen in Großwallstadt anbieten. „Und fehlt bisher der flächendeckende Unterbau für unsere Talente“, sagte BHV-Vizepräsident Georg Clarke, „unsere Talente haben keine Möglichkeiten, sich richtig weiterzuentwickeln.“
An der Seite des HBLZ in Großwallstadt will der BHV nun die Spitzenförderung angehen. Es sei eine große Aufgabe, „die sportlichen, pädagogischen und schulischen Bereiche unter einen Hut zu bringen“, sagte Clarke. Für den Vorstand des TV Großwallstadt, Georg Ballmann, ist die Gründung und der Bau des HBLZ „die konsequente Fortführung unserer bisherigen Strategie mit vielen jungen deutschen Spielern.“ TVG-Trainer Michael Roth sprach von einer „fantastischen Sache“, die zeige, „daß der TVG auf dem richtigen Weg ist“.
Geboren wurde die Idee des Handball-Leistungszentrums bereits vor zwei Jahren. Mit Jürgen Steigerwald und Peter Meisinger haben sich zwei Fachleute damit näher auseinandergesetzt und ziemlich schnell Lösungen gefunden. In unmittelbarer Nähe der aktuellen Geschäftsstelle des TV Großwallstadt wird bald mit dem Bau begonnen, nachdem die Baugenehmigungen erteilt worden sind. „Wir sind durch Deutschland gereist und haben uns, auch bei anderen Sportarten wie zum Beispiel Fußball, Anregungen geholt“, sagte Steigerwald. Zwischen 28 und 30 Spieler sollen pro Jahr im HBLZ ausgebildet werden, jede der beiden Mannschaften B- und A-Jugend soll über einen Kader von rund 14 Spieler verfügen.
Doppelspielrecht als Ziel
Besonders wichtig für die Entwicklungen der Talente wäre eine Änderung der Statuten des Deutschen Handball-Bundes. „Es muß möglich sein, daß Spieler sowohl in der A-Jugend in Großwallstadt spielen als auch mit einem Doppelspielrecht ausgestattet in Klubs der Regionalliga auf Aktivenebene“, sagte Meisinger. Bundestrainer Brand unterstützt diese Forderung und sieht sie beim Deutschen Handball-Bund (DHB) „auf dem Weg“.