GWD auf der Suche nach innerer Sicherheit
Mindens Trainer Richard Ratka nimmt Mirza Cehajic und Jiri Hynek in Schutz / Löcher im Team kaum zu stopfen
Minden (mt). Mit zehn Fingern kann man keine elf Löcher stopfen. Diese unbefriedigende Erkenntnis gewinnt derzeit Richard Ratka, der als Trainer des heimischen Handball-Bundesligisten GWD Minden weiter mit argen Verletzungsproblemen zu kämpfen hat.
Von Marcus Riechmann
Mit dem langzeitverletzten Rückraumspieler Arne Niemeyer (Fußverletzung) und Kreisläufer Dimitri Kusilew (Anriss des Innenbandes im linken Knie) fehlen Ratka morgen im Heimspiel gegen den HSV Hamburg weiter zwei zentrale Spieler. Egal, welche personellen Rochaden sich der Trainer beim heimischen Bundesligisten ausdenkt, um die durch das Fehlen von Niemeyer und Kusilew entstandenen Lücken zu füllen: Mit jedem Loch, das er stopft, reißt Ratka an anderer Stelle eins auf.
So hat sich allein Stephan Just als adäquater Ersatz angeboten - und zwar in zweifacher Hinsicht: für Kusilew am Kreis und für Niemeyer im Rückraum. Alle anderen Alternativen sind bislang nur ein lauwarmer Aufguss der Originale: Jiri Hynek oder Georg Auerswald sind am Kreis ebenso überfordert wie es Mirza Cehajic im linken Rückraum ist.
Eine weitere Option für Ratka: Er stellt Just an den Kreis, Gudjonsson auf Halblinks und den quirligen Andreas Simon auf die Mittelposition. Dann allerdings klafft ein Loch auf Linksaußen, denn dort ist Simon Alleinunterhalter.
Ein optimale Lösung ist also nicht in Sicht, Ratka muss den Notstand verwalten und kann nur auf die baldige Rückkehr seines Kreisläufers hoffen. Im Auswärtsspiel gegen Aufsteiger HBW Balingen-Weilstetten am 16. September soll Kusilew wieder mitwirken können. Gegen das Hamburger Star-Ensemble wird Ratka morgen auch auf Georg Auerswald nicht zurückgreifen können. Er spielt zeitgleich mit der GWD-A-Jugend.
Die Herzen der Fans hat das Mindener Team in der jungen Saison noch nicht erwärmen können. Bei den Anhängern mischen sich der Frust über die Verletzungen mit der Enttäuschung über den emotionsarmen Heimauftritt gegen Göppingen. Die Kritik macht sich derzeit vor allem an Mirza Cehajic und Jiri Hynek fest.
In der Tat: Anders als Rechtsaußen Einar Jonsson konnten die beiden anderen neuen GWD-Akteure noch keine Akzente setzen. Sie versprühen keine Torgefahr und stellten gegen Göppingen einen ebenso zahmen wie wackeligen Abwehr-Innenblock.
Ratka kann die Kritik der Fans daher verstehen, doch der Trainer selbst hält sich mit kritischen Worten zurück. Vielmehr rückt er die Erwartungshaltung zurecht: "Ganz klar, Arne ist nicht zu ersetzen. Das war aber auch nicht geplant. Es gibt erstens keinen passenden Spieler auf dem Markt und zweitens wäre ein solcher Spieler nicht finanzierbar für uns", erläutert Ratka die Ausgangslage und macht klar: Weder Hynek noch Cehajic seien als Niemeyer-Ersatz geholt worden. Man dürfe von ihnen keine Wunderdinge erwarten. Die ihnen zugedachten Rollen sähen anders aus: Der Tscheche soll als Abwehrspieler die Rolle von Ognjen Backovic übernehmen. Der Bosnier Cehajic soll als routinierter Allrounder sowohl in der Deckung wie auch im Angriff für Entlastung sorgen.
"Jiri bemüht sich, aber er ist kein gelernter Kreisläufer", nimmt Ratka den Abwehrhünen vor der Publikumskritik in Schutz und stellt sich auch vor den 27-jährigen Bosnier: "Mirza ist nicht der Mann, von dem ich jedes Spiel acht, neun Tore erwarte." Während Ratkas Erwartungen an die Offensivkraft der beiden also gering ist, sind sie in ihre Deckungsleistung umso höher. Die beiden 100-Kilo-Männer sollen auch weiterhin den Innenblock und damit das Herzstück der Abwehr bilden.
Trainer bittet um Geduld für neuen Innenblock
"An unserer Abwehr arbeiten wir hart", sagt Ratka. Gegen den HSV soll es morgen noch ein bisschen besser werden als in Nordhorn. "Natürlich sind wir klarer Außenseiter. Aber wir wollen zeigen, dass die Pleite gegen Göppingen eine Ausnahme war. Wir werden uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln wehren."