Es gab auch schon mal Versuche im fortgeschrittenen Alter zum Beidhänder zu werden:
ZitatAlles anzeigenEin Comeback mit links
von Sven BeckedahlBerlin - - Christian Prokop hat sich verändert. Doch nur wer ihn länger kennt, kann das wirklich gut beurteilen. Früher war der Handball-Profi des Bundesligisten GWD Minden Rechtshänder und hatte X-Beine. Nun ist er Linkshänder und hat O-Beine. Und schuld daran ist nur sein Knie.
Mit 20 gelang dem Mann aus Köthen in Sachsen-Anhalt der Sprung in die Bundesliga. Zunächst in Diensten des HC Wuppertal, seit 2001 bei GWD Minden. Seine respektablen Leistungen verschafften ihm sogar Berufungen in die B-Nationalmannschaft. Auf internationalem Terrain nahm das Übel seinen Lauf. In einem Länderspiel gegen Ägypten verdrehte sich bei einer hastigen Bewegung sein linkes Knie, eine Knorpelschuppe platzte ab. In Verbindung mit der Fehlstellung seiner Beine und der stetigen Belastung entstand eine Arthrose. Zwei Mal wurde er operiert. Die Schmerzen blieben.
Im Handball sind Bewegungsabläufe diagonal angelegt: Ein Rechtshänder wirft mit rechts, springt aber mit dem linken Bein ab. Damals dämmerte Prokop: "Es wäre eine Riesenentlastung für mein lädiertes Knie, wenn ich mit rechts abspringen würde." Weshalb er vor seiner dritten Operation im Gespräch mit GWD-Trainer und seinem Arzt einen kuriosen Entschluss fasste: "Ich hatte mich entschieden Linkshänder zu werden." Dazu ließ er sich unter Vollnarkose den linken Oberschenkel brechen. Durch die Fraktur wurde die Belastungsachse so verändert, dass der Druck von außen nach innen verlagert wird. Das Knie wurde mit Schrauben und Platten fixiert. "Erst hatte ich X-Beine, dann O-Beine", sagt Prokop, "ich musste quasi wieder das Laufen und die gesamte Koordination lernen." Noch auf Krücken feilte der 24-Jährige an der Feinmotorik, seit Januar übt er regelmäßig das Werfen und Springen. "Ich will nicht arrogant sein", sagt er, "aber wer mich nicht kennt, würde nicht denken, dass ich mal Rechtshänder war."
Trainer Rymanow hielt ständig Kontakt zu Prokop und freute sich auf dessen Rückkehr. Allein: Als Prokop nach Minden ins Mannschaftstraining zurückkehrte, flog der Russe raus: "Am Tag als ich wieder kam, stand er vor der Mannschaft und hat sich verabschiedet." Nachfolger Rainer Niemeyer müht sich, den derzeit Vorletzten der Liga vor dem Abstieg zu retten. Prokops Comeback-Chancen sind in der angespannten Lage aussichtslos. Wofür er Verständnis zeigt: "Die haben andere Probleme, als jemanden, der von rechts auf links umgeschult hat, im Team zu integrieren."
Manager Horst Bredemeier hält die bisherige Entwicklung Prokops für "wirklich außergewöhnlich. Das dürfte sogar einmalig sein. Doch was er wirklich kann, wird sich erst im Wettkampf zeigen. Dafür ist die Bundesliga aber das falsche Experimentierfeld."
Prokop wird Minden am Saisonende verlassen und sich in Köthen bei der Regionalligatruppe seines Vaters fit halten. Immerhin liegen dem neuen Linkshänder Anfragen aus der 2. Liga vor. "Minden", sagt er kämpferisch, "war sicher nicht mein letzter Verein."
Artikel erschienen am 20. Apr 2003
Quelle: Welt am Sonntag
Prokop wurde dann aber schließlich Trainer beim Regionalligisten MTV Braunschweig.