HANDELSBLATT, Donnerstag, 02. März 2006, 10:11 Uhr
Bei der Vermarktung der Handball-WM hapert es
Wie ein Verband sein eigenes Großereignis verschläft
Von Hans Weymar
Nur weil nächstes Jahr die Handball-WM in Deutschland ist, muss der Deutsche Handball-Bund damit noch lange nicht Geld verdienen.
KÖLN. Sie soll die "beste aller Zeiten" werden, die XX. Handball-Weltmeisterschaft, die am 19. Januar 2007 mit dem Eröffnungsspiel
in Berlin beginnt. Das hat Ulrich Strombach, Präsident des Deutschen
Handball-Bundes (DHB), angekündigt, und nach dem fünften Platz, den die stark verjüngte deutsche Nationalmannschaft jüngst bei der EM in der Schweiz belegte, ist die Euphorie groß - der Vorverkauf für die Spiele läuft prächtig.
Nur bei der Vermarktung des Großereignisses hapert es offenbar. Beim Verkauf der Ticketingrechte an eine Handelsagentur verzichtete der DHB auf Erlöse in Höhe von knapp 500 000 Euro (siehe Handelsblatt vom 2. November 2005). Und nun fühlt sich der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in der Frage des Titelsponsorings von den deutschen Handball-Funktionären verschaukelt.
Dabei war die Partnerschaft von langer Hand geplant. Schon als sich der DHB um die WM 2005 bewarb, finanzierte der DSGV die Bewerbung mit 50 000 Euro. Dass der Handball-Bund erst für Januar 2007 den Zuschlag bekam, änderte nichts an der Strategie der Sparkassen-Manager. Da fast alle der 54 deutschen Bundesligisten mit den lokalen Sparkassen werben, wäre der DHB "der geborene Partner für uns gewesen", sagt Hans-Peter Krämer. In seiner Funktion als Chef des Zentralen Werbeausschusses des DSGV bat der 65-Jährige deshalb den DHB im vergangenen Frühjahr um Eckdaten für das Titelsponsoring. "Wir haben mehrfach unser Interesse bekundet", sagt Krämer, er habe darüber ständig mit Strombach konferiert. 1,7 Mill. Euro wäre das Engagement dem Sparkassen-Verbund wert gewesen, und mit dem gleichen Betrag sollte die WM
noch durch die lokalen Sparkassen flankiert werden.
3,4 Mill. Euro - ein ungewöhnlich hoher Betrag im Handball. Doch aus dem Geschäft wurde nichts. Zwar machte Krämer mehrfach darauf aufmerksam, dass die Etats für 2007 großteilig schon im Frühjahr 2005 verteilt wurden. Aber die DHB-Funktionäre waren offenbar nicht interessiert. Krämer berichtet, DHB-Vize Reiner Witte hätte ihn im April 2005 beiläufig gefragt, ob ein gleichzeitiges Engagement des Frankfurter Immobilienfinanzierers Eurohypo (seit Ende 2004 DHB-Sponsor) stören würde. Krämer bejahte. Hernach habe sich der DHB nicht mehr gerührt.
Dass Witte gegenüber dem Handelsblatt erklärt, nicht einmal Kenntnis vom Interesse des DSGV gehabt zu haben ("Ich weiß nicht, dass er Titelsponsor werden wollte"), bringt Krämer in Rage: "Das entspricht nicht der Wahrheit." Andere DHB-Funktionäre wie Vize-Präsident Hotti Bredemeier ziehen sich darauf zurück, dass der DHB - abgesehen von den Ticketrechten - bis heute über keinerlei Marketingrechte verfüge.
Das ist offiziell korrekt. Denn der Weltverband IHF hat bis dato erst die TV-Rechte für den laufenden Vierjahresturnus (2006-2009) an die Vermarktungsagentur Sportfive verkauft - für 33 Mill. Euro (im letzten Turnus waren es noch zwölf Mill. Euro). Erst im März entscheidet der Weltverband laut IHF-Geschäftsführer Frank Birkefeld über die verbleibenden Rechte.
Dabei sind die Weichen längst gestellt. Denn der Weltverband wird die Rechte künftig in Eigenregie vermarkten, und zwar in Kooperation mit dem jeweiligen Organisationskomitee. Für die WM 2007 wird der DHB als eine Art Vermittlungsagentur fungieren. Bredemeier sagte schon am Rande der EM im Januar: "Klar ist, dass wir mit im Boot sind." Um dieses Modell wissend, hatte DHB-Chef Strombach schon im September 2005 erklärt, dass insgeheim schon Verhandlungen mit potenziellen WM-Sponsoren liefen - obwohl die Rechtefrage wegen einer Option der Sportfive bis Dezember 2005 de jure ungeklärt war. Damit konfrontiert, wundert sich DSGV-Manager Krämer um so mehr, dass der DHB das lukrative Angebot ignorierte - zumal der DHB-Partner Euro-Hypo für das WM-Titelsponsoring nur 500 000 Euro geboten haben soll. Sieht danach aus, als ob "die beste Handball-WM aller Zeiten", wie sie der Handballboss Strombach vollmundig anpreist, verschlafen vermarktet wird.