Der Abwehrspezialist geht in die Offensive
HANDBALL: Ahrens redet nach seinem Abschied Klartext
Von unserem Redaktionsmitglied Ute Krebs
Nach dem Einzug der Rhein-Neckar Löwen in den EHF-Cup flossen auch Tränen. Aber nicht nur vor lauter Freude und Glück, sondern einige Fans und Spieler der SG Kronau/Östringen waren richtig hin- und hergerissen: traurig und maßlos enttäuscht. Auch Abwehrspezialist Steffen Ahrens, der seine Karriere aus beruflichen und zeitlichen Gründen (für viele allerdings ziemlich überraschend) beendete und den Verein nach sechs Jahren verlässt, hatte schnell den Kampf mit den Tränen verloren. "Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen", gibt der 30-Jährige zu Protokoll - und redet dann Klartext.
Denn es wäre auch locker möglich gewesen, den Feuerwehrmann, der insgesamt drei Mal wieder zur Bundesligatruppe stieß und zwischenzeitlich zwei Mal in der dritten Liga abgetaucht war, für ein weiteres Jahr zu binden. "Aber erst am Donnerstag vor dem letzten Spieltag gegen Lübbecke hat mir Geschäftsführer Uli Schuppler telefonisch ein neues Angebot unterbreitet. Bis zum nächsten Tag sollte ich mich dann entscheiden, damit auch klar ist, ob ich samstags verabschiedet werden müsse", berichtet Ahrens und fügt an: "Zu diesem Zeitpunkt stand mein Entschluss allerdings fest." Der charakterstarke Publikumsliebling hat sich für die Rückkehr in seine Heimatstadt Erfurt entschieden. Dort wird der Thüringer einen neuen Job annehmen und sich in seinem alten Klub, der gerade in die Oberliga aufgestiegen ist, fithalten - und abtrainieren.
Aber lange hielt sich Ahrens ein Hintertürchen offen, wäre nur zu gerne weiter im Löwen-Trikot aufgelaufen. Auch ein Jahr als Vollprofi sei denkbar gewesen. "Das wäre alles eine Sache der Kommunikation gewesen - und die hat zwischen Herrn Schuppler und mir einfach gefehlt", betont Ahrens enttäuscht: "Wie der Geschäftsführer teilweise mit den Spielern umgeht, ist eine Katastrophe!" Dagegen lässt der 1,95 Meter große Handballer auf Coach Iouri Chevtsov nichts kommen. "Das ist der beste Trainer, den ich jemals hatte. Von ihm habe ich extrem viel mitgenommen, er war immer offen, ehrlich und fair zu mir." Und Ahrens spielte in den Planungen des Weißrussen für die nächste Saison durchaus eine Rolle.
Bereits Ende April hatte Chevtsov ihm ein über die Saison hinaus laufendes Engagement signalisiert. "Oder zumindest meine Bereitschaft abgeklopft, ob ich als zweiter Man hinter Pino Torgovanov am Ball bleibe. Und natürlich konnte ich mir das vorstellen." Ahrens lehnte in dieser Zeit sogar eine Offerte des Zweitligisten ThSV Eisenach ab, wartete dann aber lange Zeit vergeblich darauf, dass von der SG erneut jemand auf ihn zukam. Zu Beginn der vergangenen Woche haben dann sein Heimatverein und der neue Arbeitgeber auf eine verbindliche Zusage gepocht. "Und da ich nicht mehr davon ausgegangen bin, dass mir Herr Schuppler noch ein Angebot macht, habe ich in Erfurt zugesagt", so Ahrens, der auch bei dem abschließenden Telefonat nicht den Eindruck hatte, als ob ihn der Löwen-Geschäftsführer unbedingt überreden wollte, zu bleiben.