Das Problem der hier diskutierten Regelauslegung ist zu wichtig, um es „einfach gut zu sein zu lassen.“
1. Ich sehe die Interpretation in dem Kontext des Versuchs der Flexibilisierung (keineswegs immer ein positiver Begriff!) des Spiels. Feste Strukturen des Spiels (z.B. Ausführung „der Mitte“ – auf einer anderen Ebene auch ‚Abschaffung des Mannschaftsführers’) werden gelockert - der Handballsport soll schneller, dynamischer (und unübersichtlicher) gemacht werden. (darüber kann man streiten).
2. Wenn Mannschaften diese Freiwurfausführungsauslegung in ihr taktisches Kalkül ziehen würden, dann könnte man sich leicht vorstellen, daß sich der Charakter des Spiels erheblich ändern würde. Man würde eine möglichst schnelle Ausführung anstreben – und versuchen, den Gegner quasi zu überrumpeln. Dies hätte u.a. eine erhebliche
3. Verletzungsgefahr für die Spieler zur Folge. [Z.B: Backovic hätte es Michel auch unmöglich machen können, den Freiwurf auszuführen (durch grobes Foulspiel) – die Möglichkeit des ‚fließendes’ Ausführen eines Freiwurfes bei Mitspielern im 9-m-Raum könnte ein solches ‚unsauberes’ Verhalten fördern].
4. Die Problematik der Übertragbarkeit auf untere Spielklassen wurde schon in mehreren Postings angesprochen. Auch hier steht für mich die Gefahr des Provozierens von ‚unkontrolliertem Verhalten’ der Abwehr- und Angriffsspieler im Mittelpunkt meiner Bedenken.
5. Eine Regelung analog zum ‚passiven Abseits im Fußball’ stellt eine Überforderung der Schiedsrichter, Spieler und Zuschauer da. Zudem ist zu beachten, daß die hier diskutierte Situation ja nur ‚quasi zufällig’ in den Schlußsekunden entstand – man stelle sich wirklich vor, eine Mannschaft baut ihr Angriffsspiel auf die blitzartige Ausführung von Freiwürfen auf (bei mehr oder weniger passiv im 9-m-Kreis verbliebenen Mitspielern)
6. Finde ich es generell nicht sehr glücklich, wenn die offizielle Spielaufsicht eines BL-Spiels dem Schiedsrichterwart des DHB übertragen wird (lt. SIS wenige Tage vor dem Spiel war zunächst Stemberg als Spielaufsicht vorgesehen). Es entsteht zu leicht der (irrige) Eindruck, daß er als eine Art Oberschiedsrichter fungieren würde – zumal bei der Ansetzung eines sehr jungen Gespanns.
Ps. Die Argumentation von Handball-SR ist für mich durchaus nachvollziehbar – ich habe einige Gegenargumente gesammelt und tendiere eher zu diesen. Regeln und Regelauslegungen befinden sich halt in einem ständigen Wandlungsprozeß (und man bekommt als Nicht-SR die Diskussionen nicht immer mit) – und haben allesamt Vorzüge und Nachteile
Wichtig ist aber m.E., daß in allen Spielklassen (möglichst) einheitlich gepfiffen wird und die Gegebenheiten aller Spielklassen bei ‚faktischen’ Modifikationen des Regelwerks berücksichtigt werden
2. PS. Genau wie Lothar Frohwein 'durste' ich nach schriftlichem.