Die Threatüberschrift 'Minden II vor dem Aus?' wird dem Artikel nicht ganz gerecht (ganz korrekt wäre: 'Minden II vor Umstrukturierung' oder so).
Um mal kurz den Nebel etwas zu lichten, muß man etwas ausholen (Daten jetzt tw. aus dem Kopf - daher 'keine Gewähr'):
GWD II hat seit Mitte der 70er Jahre in der RL gespielt (bis 1981 zweithöchste Klasse). Im Zuge des Professionalisierungsschubs des Handballs Mitte der 80er Jahre stieg die BL-Mannschaft 84/85 in die 2. Liga ab - in den nachfolgenden Jahren wurde die 2. Mannschaft bis in die Landesliga durchgereicht. Die 'Renaissance' der 2. Mannschaft erfolgte nach der Deutschen Meisterschaft der A-Jugend 1995 (glz. auch Wiederaufstieg der 1.Mannschaft) und mündete in den RL-Aufstieg 2002. Bis heute besteht die Mannschaft komplett aus einheimischen Spielern - sie fällt in die Zuständigkeit des Hauptvereins, dieser ist aber eng mit der Bundesligamannschaft verzahnt (das ist ja nicht überall so!). Z.B. waren/sind in den letzten BL-Spielen gegen Nettelstedt und den TVG von den 14 Spielern im BL-Kader 10 Spieler aktuell/früher Stammspieler der zweiten Mannschaft
Der Bundesligaspielbetrieb wurde bis 1997 vom Hauptverein getragen. U.a. aufgrund von Nachzahlungen an die Sozialversicherungen (das betraf damals sehr viele Vereine) ist ein erheblicher Schuldenberg angehäuft worden (über 1,5 Mio €). Daraufhin wurde unter maßgeblicher Beteiligung der Hauptsponsoren die 'Gesellschaft' gegründet, die seitdem den Bundesligaspielbetrieb trägt.
Die Schulden verblieben aber (wie die 2.Mannschaft) beim Hauptverein: die Gesellschaft zahlt dem Hauptverein eine jährliche Summe zum planmäßigen Schuldenabbau - das klappte auch immer (Schuldenstand des Hauptvereins 1997: 1,5 Mio € - 30.06.2005: 646 000 €). Dazu kamen noch andere Leistungen der 'Gesellschaft'.
Die Reorganisation klappte zunächst vorzüglich, Verpflichtungen wie Frandesjö, Tutschkin, Dujshebaev usw., sowie der Hallenausbau waren möglich. Der Hauptverein selbst 'schwamm' nie im Geld, setzte die Jugendarbeit fort (mit viel bescheideneren finanziellen Mitteln als die staatlich unterstützten Magdeburger) und unterhielt die 2. Mannschaft ohne auswärtige Neuverpflichtungen (schon gar nicht ausländische Gastspieler, Profis oder so).
In dem Artikel steht, daß 'die Gesellschaft' ihren Zahlungszusagen an den Hauptverein im Moment nicht im vollen Umfang nachkommt. Dies ist auf die einzuklagenden Gelder aus Hannover zurückzuführen (siehe heute aktualisierten Threat TUI-Arena). Den Spielern der 2. Mannschaft wegen den( bestehenden oder anstehenden) zögerlichen Zahlungen, die Möglichkeit einzuräumen, den Verein zu wechseln, ist m.E. ein Akt der Fairness. Eine andere Frage ist, ob von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht wird (es ist ja keine Aufforderung!), zumal im Moment vier Stammspieler der RL-Mannschaft im Bundesligakader stehen (und lt. Artikel auch primär von der 'Gesellschaft' finanziert werden).
Kurz noch zwei Anmerkungen:
a) mit Essen ist der Fall nur sehr eingeschränkt vergleichbar, da Papenburg alles andere als ein griechischer Reeder ist; ja auch schon Gelder geflossen sind usw.
b) zu 'Papenburg vorjammern' - nun das ist ein eigenes Thema: das Gastspiel in Hannover hatte relativ schlechte Voraussetzungen (z.B. ganz wichtig: die Bundeslandgrenze); bei sportlichem Erfolg (Johanesson Verletzung letztes Jahr!!) hätten die m.E. (recht) bescheidenen Erwartungen aber durchaus aufgehen können.