Alles anzeigender kritische gegenpol ist doch da...
unser oberstes gericht hat doch entschieden....
wenn auch nur im eilverfahren im bezug auf bayernund dann kommt für mich die crux :
selbstverständlich kann doch kontrovers diskutiert werden - solange eben nicht die reine verschwörungstheorie kommt (damit mein ich nciht deins)
aber wenn wir sonst als letzte institution unser oberstes gericht anführen - dann können wir es jetzt wo es vlt. nicht in unsere argumentation
passt, es nicht aussen vor lassen...
sonst würde man ja genau das machen, was du beim nicht vorhandenen kritischen gegenpol bemängelt...
Ich sehe keinen MEDIALEN Gegenpol. Bei Lanz ist Streek zu Wort gekommen und sonst? Nix. Und das Gericht? Ja, was machen denn Gerichte? Die urteilen auf der Basis der Expertenmeinung. Auf welcher Expertenmeinung? Die die unilateral durch die Medienlandschaft gepeitscht wird. Zu welchem Ergebnis können die Damen und Herren Richter denn kommen?
Der Politik geht es da übrigens nicht besser. Was sollen die denn entscheiden? Ich verweise mal auf Mausfeld und den öffentlichen Debattenraum. Wir sind soweit eingeschränkt, dass wir nur noch darüber reden ob nun erst die Grundschüler und dann die Oberstufe wieder dürfen oder andersrum. Die großen Fragen werden nicht gestellt.
Und dazu noch eins. Es ist nicht so, dass wir nur noch ein bisschen durchhalten müssen und dann wird das schon. Wir werden dafür einen Preis zahlen - sowohl gesellschaftlich als auch gemeinschaftlich. Es geht nicht darum, dass wir auf Party und Freizügigkeit verzichten, dann noch homoffice und alles ist gut. Nur mal eine kurze Geschichte aus meinem direkten Umfeld: Mein Nachbar ist ca. 80 (so genau weiß ich das gar nicht), seine Frau ähnlich - beide mobil und vital bis zum vergangenen Jahr. Sie hatte dann einen Schlaganfall und weil er gerade Chemo bekam und mit sich genug zu tun hatte, musste sie in eine Pflegeeinrichtung. Anfang diesen Jahres wollte/sollte sie wieder nachhause. Pustekuchen. Nicht mal sehen können sie sich jetzt, möglicherweise auch NIE wieder. Wie wird es den Leuten gerade gehen? Wie geht es den Kindern, die da hilflos zusehen? Da bleiben Narben und sollte sich herausstellen, dass es am Ende doch nur eine Grippe war? Kann ein Einzelfall sein, geht mir aber nahe und bringt mich zu der Frage der Angemessenheit der Maßnahmen.
Und die Frage der Angemessenheit hängt unmittelbar an der Frage der Risikobeurteilung. Sollten wir ein hööögscht anstechendes Virus haben, das auch noch sautödlich ist, kann man nicht vorsichtig genug sein. Mit dem Kenntnisstand Anfang/Mitte März, als das BMI von 1,2Mio Todesfällen im worst case ausgeht und als Kommunikationselement die Schockwirkung durch genau diese Bilder und Szenarien empfiehlt, mag das vertretbar gewesen sein. Die Leute sollten Angst haben und ja alle Anweisungen brav befolgen. Heute wissen wir vielleicht etwas mehr und sind zumindest weit entfernt von diesen Szenarien. Und auch damals gab es schon Alternativen. Ich zitiere mal in Bezug auf Südkorea, die das Thema routiniert und unaufgeregt erledigt haben:
ZitatDie Abschätzung der Sterblichkeitsrate kann am besten mit den Daten aus Südkorea geschehen. Dort wurden mit minimalen Ausgangsbeschränkungen, vor allem durch effizientes Testen und Isolieren, die verschiedenen Ausbrüche erfolgreich unter Kontrolle gebracht. Bei einer erheblichen Dunkelziffer von nicht gefundenen Fällen wäre dies nicht möglich gewesen. Es erging nie ein Aufruf zur Selbstisolierung bei milden Symptomen, der in der Grippesaison und bei einem Virus, das sehr lange ansteckend ist, auch nicht viel gebracht hätte. Auch wurden dort durch die systematische Kontaktsuche sehr viele Personen getestet, die überhaupt keine Symptome hatten. Daher ist in Südkorea mit einer sehr kleinen Dunkelziffer zu rechnen.