Das Problem ist doch, dass es ein Regelwerk gibt und eine gelebte Praxis. Beide sind nicht deckungsgleich. Das geht bei Schritten los, abgestanden von den Außen, Kontakt der Außen beim Sprung, Stoßen in der Luft, Abwehr im Kreis...etc. Wenn man da die Regeln stren nach Wortlaut auslegt, wäre ich gespannt wieviele reguläre Tore beispielsweise ein Abalo macht. Das wird nur einfach nicht streng ausgelegt, weder in der BuLi, noch im Pokal noch in den europäischen Wettbewerben. Dieses Verhalten ist der "Konsument" gewohnt.
Nun ist ja nichts dagegen einzuwenden, wenn man sich plötzlich darauf besinnt, regelkonform pfeifen zu wollen - dazu sind die Regeln ja de facto da. Schwierig finde ich, wenn man sich nur einzelne Themen rauspickt und den Rest weiter wie bisher macht - warum genau diese und warum die anderen nicht? Genauso die Frage, warum so drastisch. Für den Kenner und Insider ist das auch noch OK, weil der in der Regel weiß, dass man nur drei Schritte machen darf und nicht im Kreis zu stehen hat. Wenn die Millionen Fernsehzuschauer, die sonst wenig mit Handball zu tun haben und eigentlich nur ein spannendes Spiel sehen wollen, sich mit einer ungewohnten Regelinterpretation auseinander setzen müssen, ist das schwierig für die Akzeptanz.
Ich denke man wäre gut beraten, diese Anpassungen oder Rückbesinnungen auf das Regelwerk moderat und über über einen längeren Zeitraum zu steuern und nicht zu den Großereignissen mit einem anderen Maßstab anzutreten. Und noch ein Aspekt: Wenn es denn so gewollt ist, müsste der Maßstab auch in den nationalen Ligen und den internationalen Wettbewerben durchgehalten werden. Das wird spannend zu beobachten. Andernfalls erhält man zwangsläufig Wettbewerbe nach klasischen Regeln und Freestyle. Das kann wohl nicht im Sinne des Sports sein.