Beiträge von Arcosh

    Florian Schmidt-Sommerfeld merkt man die persönliche Nähe zu Frank Buschmann deutlich an. Er hat stilistisch viel von seinem "Ziehvater" übernommen. Frank Buschmann hat das Talent auch dröge Veranstaltungen mit Leben zu füllen, versteht es die Gelegenheitszuschauer emotional mitzunehmen und für ein Sportereignis zu begeistern. Bei den Stammzuschauern hingegen kommt er mit seiner platten Art meist weniger gut an, weil seiner Kommentierung die fachliche Tiefe fehlt. (Das soll nicht heißen, dass er nicht das fachliche Sportwissen besäße, aber er hat sich eben für eine diese Art der Kommentierung entschieden.) Ich denke Kommentatoren wie Frank Buschmann oder Florian Schmidt-Sommerfeld sind bei Mainstream-Sendern wie RTL, Sat1 oder ProSieben gut aufgehoben und finden dort auch die passende Zuschauer- bzw. Zuhörerschaft. Aber bei einem Nischensender, dessen Streams zum Großteil nur Sportart-Enthusiasten abonnieren und einschalten, ist meiner Meinung nach eine fachlichere Kommentierung angebracht.

    Der ThSV Eisenach spielt bislang nah am Optimum, nutzt die eigene Heimstärke und (wie im anderen "Tabellen- und Meistertipp 2023/24"-Thread beschrieben) den für einen Aufsteiger günstigen Spielplan. Die für die 1. Bundesliga unorthodoxe offensive Abwehr bereitet aktuell einigen Gegnern Probleme, aber ich gehe davon aus, dass die gegnerischen Trainer sich damit nun intensiver beschäftigen und Lösungen dagegen finden werden, denn individuell sind fast alle HBL-Mannschaften stärker besetzt als der ThSV Eisenach.

    Für die Spannung im Abstiegskampf ist dieser gute Saisonstart der Eisenacher wunderbar. Aber noch will ich nicht ausschließen, dass es ähnlich weitergeht wie beim HC Empor Rostock in der Saison 2021/22, die als Aufsteiger in der 2. Bundesliga mit unorthodoxer Spielweise und viel Euphorie eine sensationelle Hinrunde spielten (Platz 6), nur um dann als schlechteste Rückrundenmannschaft fast noch abzusteigen.

    Das Spiel lebt vom aufopferungsvollen Kampf der Gastgeber und derfahrlässigen Chancenverwertung der Gäste. Für den neutralen Zuschauer zusammen mit der tollen Stimmung in der Halle ein sehenswertes Spiel.

    P.S.: Im Stream sind die dunkelblauen Spielertrikots und die schwarzen Schiedsrichter-Trikots keine ideale Kombination.

    Heimspiel für den VfL Gummersbach und noch dazu eine lösbare Aufgabe. Die dritte Viertelfinalteilnahme in Folge scheint möglich.

    Ansonsten gehen sich die Favoriten allesamt aus dem Weg.

    Handball Sport Verein Hamburg - TVB 1898 Stuttgart

    Füchse Berlin - Rhein-Neckar Löwen

    VfL Gummersbach - ThSV Eisenach

    HSG Wetzlar - Bergischer HC

    SC DHfK Leipzig - THW Kiel

    SC Magdeburg - TSV Hannover-Burgdorf

    TBV Lemgo Lippe - Frisch Auf! Göppingen

    SG Flensburg-Handewitt - HBW Balingen-Weilstetten

    MT Melsungen - HC Erlangen

    Ein interessanter Spieltag. In Lemgo treffen zwei Mannschaften aufeinander, die bisher eine eher enttäuschende Saison spielen. FAG zuletzt mit achtbaren Ergebnissen, aber der TBV muss nach dem desaströsen Auftritt gegen Leipzig in eigener Halle Wiedergutmachung betreiben. Wetzlar und der BHC hatten am Wochenende beide befreiende Überraschungssiege gefeiert und wollen nachlegen.

    Die MT Melsungen bislang mit souveränen Siegen und dem Big point in Kiel. Ihre Vorteile sind die fehlende internationale Belastung und obendrauf ein angenehmer Bundesliga-Spielplan, der in der Hinrunde die direkten Gegner recht gleichmäßig über die Monate verteilt - Berlin und die Rhein-Neckar Löwen im Oktober und dann Flensburg und Magdeburg im Dezember. Ein echtes Finale (sei es um die Meisterschaft oder einen CL-Platz) am 34. Spieltag zwischen Melsungen und Kiel wäre wohl der Traum eines jeden halbwegs neutralen Handballzuschauers.

    Die Füchse Berlin auch noch ohne Verlustpunkt und mit einem Big point gegen Magdeburg, allerdings einige Spiele mit knappem Ausgang. Daher sehe ich sie trotz des guten Saisonstarts am Ende nicht unter den Top 3.

    Die Topfavoriten THW Kiel, SG Flensburg-Handewitt und SC Magdeburg haben sich nach gerade einmal sechs bis sieben Spielen schon erstaunlich viele Fehltritte geleistet. Beim THW Kiel waren es zwar "nur" Niederlagen gegen direkte Konkurrenten, aber wenn man in allen direkten Duellen unterliegt, dann sind sie zum aktuellen Zeitpunkt kein Meisterschaftsfavorit. Die SG Flensburg-Handewitt zwar in eigener Halle mit reiner Weste, aber bereits mit zwei verschenkten "Pflichtpunkten" und selbst bei eigener Führung konnten sie ihre Spiele meist nicht in die eigene Hand nehmen und den Gegner dominieren. Da hatte ich mir vor der Saison mehr von dem Kader versprochen. Ähnlich ist die Situation beim SC Magdeburg, aber ihre Spielweise scheint mir am vielversprechendsten zu sein.

    Mein aktueller Meister- bzw. Tabellentipp:

    1. SC Magdeburg

    2. MT Melsungen

    3. THW Kiel

    4. SG Flensburg-Handewitt

    5. Füchse Berlin

    Dem schließe ich mich an. Überraschungspotential sehe ich höchstens in Balingen und Lemgo.

    Dany:

    Grundsätzlich ist die Mannschaft im Ballbesitz, die gerade den Ball unter Kontrolle hat oder einen im Spiel befindlichen Ball zuletzt unter Kontrolle hatte. Ein Ball ist dann unter Kontrolle, wenn er von einem Spieler unter Kontrolle gehalten wird oder von einem Spieler kontrolliert geprellt wird.

    Durch die Parade des Torwartes erlangt dessen Mannschaft noch keine Kontrolle über den Ball. Die einzige Ausnahme stellt der im Torraum auf dem Boden rollende Ball dar, denn dieser bleibt im Spiel und ist im Ballbesitz der Mannschaft des Torwarts. (vergleiche Regel 6:5). Da im Ausgangspost beschrieben wird, dass der Ball im Torraum springt, ist zum Zeitpunkt der Unterbrechung weiter die angreifende Mannschaft Rot in Ballbesitz.

    Doch, wurde sie! Es ging mit Freiwurf weiter.

    Auch das ist nicht nur ein Verstoß gegen die Videobeweis-Richtlinien, sondern ein Regelverstoß. Der Abwurf war ausgeführt; dann kann man den nicht mehr in Freiwurf ändern. Genau wie man keine Strafe mehr für etwas aussprechen darf, was vorher war.

    Sorry, aber gegen mehr Regeln kann man in meinen Augen nicht in einer Situation verstoßen.

    Die Spielfortsetzung mit Freiwurf war mir tatsächlich nicht bewusst aufgefallen. Insofern hast Du Recht.

    Wenn man sich die Szene in Ruhe anschaut, dann wird hier die angewendete Vorteilsregel 13:2 zum Bumerang für die Schiedsrichter. Der Torschiedsrichter zeigt zunächst per Handzeichen einen Freiwurf für Leipzig an und nimmt die Pfeife in den Mund (vermutlich weil er ein Offensivfoul gesehen hat). Aber noch bevor der Pfiff erfolgt (zumindest kann ich keinen Pfiff hören) erkennt der Schiedsrichter, dass der Wurf am Tor vorbeigeht und ändert sein Handzeichen auf Abwurf - wahrscheinlich um gemäß Regel 13:2 Kontinuität im Spiel zuzulassen. Das wird ihm dann bzgl. des Videobeweises und der Spielfortsetzung zum Verhängnis.

    Wobei die spitzfindige Frage bliebe: Treffen Schiedsrichter eine Entscheidung (im Sinne der zitierten Regularien) erst durch einen Pfiff oder bereits durch Zeigen eines IHF-Handzeichens?

    @Rheiner:

    Zitat

    Eine bereits vor dem Videobeweis getroffene Entscheidung der Schiedsrichter kann nach dessen Einsatz nur dann korrigiert werden,

    wenn das Spiel zuvor noch nicht fortgesetzt wurde.

    Wie bereits im Spielthread geschrieben, halte ich die Formulierung in den Regularien für (vorsichtig ausgedrückt) unglücklich. Allerdings seh ich in diesem konkreten Fall keinen Regelverstoß. Die getroffene Entscheidung der Schiedsrichter war "Abwurf", wie der Torschiedsrichter per Handzeichen signalisiert hat. Diese getroffene Entscheidung wurde im Rahmen des Videobeweises nicht korrigiert. Als Folge des Videobeweises wurde eine zusätzliche Entscheidung für eine persönliche Bestrafung eines Spielers getroffen.

    [...] Abgesehen davon ist auch die rote Karte für mich nur in Teilen nachvollziehbar. Der Spieler wirft. Ja, danach landet seine Hand im Gesicht des Abwehrspielers, der auch stark blutet, aber es handelt sich im einen normalen Wurfversuch. [...]

    Regel 8:5 unterscheidet nicht zwischen Spielern der angreifenden oder abwehrenden Mannschaft. So nah am Gegenspieler darf man einfach nicht derart den Arm durchziehen. Angreifer sind für ihre Armbewegungen genauso verantwortlich wie Abwehrspieler - auch wenn das in der Praxis meiner Erfahrung nach viel zu selten geahndet wird.

    So wie ich die Regularien lese, nicht.

    „Eine bereits vor dem Videobeweis getroffene Entscheidung der Schiedsrichter kann nach dessen Einsatz nur dann korrigiert werden, wenn das Spiel zuvor noch nicht fortgesetzt wurde.“

    https://www.liquimoly-hbl.de/?proxy=redakti…Videobeweis.pdf


    Willst Du jetzt eine Diskussion darüber führen, ob eine "Nicht-Entscheidung" eine Entscheidung ist?

    Zunächst einmal kann doch hoffentlich kein Zweifel bestehen, dass eine Disqualifikation für diese Aktion gegen den Kopf des Gegenspielers regelkonform ist, oder? Der von Dir zitierte Auszug aus den Regularien ist auf jeden Fall unglücklich formuliert.

    Hab's mir noch mal angeguckt: Ich hör da lautstarke Pfiffe.

    Die Zuschauer sehen's halt nicht. Sie wissen nur, dass jetzt Rot geprüft wird. Und dann gibt's 2 Minuten.

    Woraus leitest Du für Dich persönlich ab, dass es bei dem Videobeweis um eine mögliche Disqualifikation gegangen sein könnte? Woher nimmst Du die Gewissheit, dass der Zuschauer in der Halle so denken würde?

    Es gibt schlicht keine Gestiken oder ähnliches, aus denen sich schlussfolgern lässt, dass hier eine Disqualifikation im Raum stand. Naheliegender erscheint mir persönlich, dass die beiden Schiedsrichter den Kontakt nicht oder nicht eindeutig wahrgenommen hatten, da es abseits des Ballgeschehens passiert ist. Ähnlich wie wahrscheinlich der Großteil des Hallenpublikums haben sie nur die Reaktion des getroffenen Spielers wahrgenommen und dann zurecht den Videobeweis zurate gezogen.

    Sind die Linien auch zu sehen, wenn der Bildschirm ausfällt?

    Bei der Variante in München ist der Boden quasi ein großer LED-Bildschirm mit Glas darüber und auf diesem Bildschirm werden die Linien u.ä. dargestellt. Ist der Bildschirm aus, dann sind auch die Linien weg. Beim TV Großwallstadt hingegen befinden sich unter dem Glasboden nur dort LEDs wo später Linien dargestellt werden sollen. Dadurch lassen sich keine so aufwändigen, graphischen Effekte darstellen.