Das Gerede der UEFA über Toleranz und Gleichberechtigung ist ein reines Lippenbekenntnis.
Die britische Nationalmannschaft kniet sich vor Beginn der Spiele auf den Rasen um ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung zu setzen. Am vergangenen Freitag machten auch die schottischen Spieler sowie der Schiedsrichter und seine Assistenten mit. Die UEFA dazu: "Die UEFA tritt mit null Toleranz gegen Rassismus ein", teilte der Verband auf Anfrage der Sportschau mit. "Jeder Spieler, der eine Gleichstellung von Menschen fordert, indem er sich niederkniet, hat die Erlaubnis dazu." Quelle: Sportschau.de
Manuel Neuer trägt eine Kapitänsbinde im Design der Regenbogenfahne, die für Akzeptanz und Gleichberechtigung von Menschen steht, die sich nicht mit dem traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen Normen rund um Geschlecht und Sexualität identifizieren. Die UEFA leitet eine Untersuchung ein, entscheidet sich aber aufgrund des "good cause" dafür keine Sanktionen auszusprechen. Beides sind seichte Symbole, die niemanden aus dem Kreise der UEFA angreifen und für gute Stimmung bei der Generation U30 sorgen.
Am Mittwoch in München hätte die UEFA selbst die Möglichkeit gehabt ihren schönen Phrasen über Bemühungen für Gleichberechtigung und Toleranz und gegen Rassismus und Diskriminierung Taten folgen zu lassen, indem sie dem Wunsch des Münchner Oberbürgermeisters gefolgt wäre und das Stadion in den Regenbogenfarben hätte erstrahlen lassen. Stattdessen entscheidet sie sich einmal mehr für den Kniefall vor einem Despoten. Welche Rolle spielte dabei Sándor Csányi, Präsident des Ungarischen Fußballverbands, Vizepräsident der UEFA und der FIFA und befreundet mit Viktor Orban? Was nützt es, dass die UEFA ihr Twitter-Logo in die Regenbogenfarben taucht, wenn das Verhalten der Menschen an der Spitze des Verbandes regelmäßig offen zeigt, dass Aussagen zu Gleichberechtigung und Toleranz nur mediale Lippenbekenntnisse sind hinter denen nichts steht als wirtschaftliches Kalkül? Sich als "guter" Verband verkaufen wollen, der sich für gesellschaftliche Werte einsetzt ... dabei zählen am Ende immer nur die Werte auf dem Konto. Budapest und Baku haben der UEFA hohe Stadion-Auslastungen beschert und im Gegenzug müssen gesellschaftliche Werte hinten anstehen. Business as usual.