Es war ein sehr gelungenes Wochenende in Köln. Natürlich nicht die gewohnte Athmosphäre einer ausverkauften Kölnarena, aber auch der kleine Kreis an Zuschauern mit Fans aller vier teilnehmenden Vereine hat für das wunderbar freidliche, internationale Flair gesorgt. Es gab nette Gespräche und am Samstagabend konnte man in Deutz und in der Altstadt einige Handballtrikots entdecken.
FC Barcelona Handbol
20 Spiele, 20 Siege und damit der logische und verdiente Sieger. Egal wer bei Barcelona auf dem Feld steht, der Ball läuft flüssig, die Spieler kennen die Lauf- und Passwege ihrer Nebenleute - das macht einfach Spaß anzuschauen. Zu keiner Zeit hatte man das Gefühl, dass die Kontrahenten im Halbfinale und im Endspiel ihnen ernsthaft gefährlich werden konnten. Über die gesamte Saison war es lediglich HBC Nantes, die beim 29:30 in Barcelona die Katalanen am Rande eines Punktverlustets hatten. Selbst herausragende Mannschaften wie der THW Kiel oder Veszprem mussten sich in eigener Halle mit 6 bzw. 3 Toren gegen das Starensemble geschlagen geben.
Mit Perez de Vargas hatten sie zudem den besten Torwart des Final4 in ihren Reihen, der vollkommen zurecht zum MVP in Köln ernannt wurde.
Aalborg Handbold
Die diesjährige Cinderella-Story hat die Dänen zum Publikumsliebling in Köln gemacht. In der Gruppenphase hatten sie mit dem Sieg in Veszprem auf sich aufmerksam gemacht, dann in den K.O-Runden zuerst Porto aufgrund der mehr erzielten Auswärtstore und schließlich Flensburg durch ein Tor in der Summe beider Spiele aus dem Rennen geworfen und konnten so mit der eher durchschnittlichen Bilanz von 9 Siegen und 9 Niederlagen aus 18 Spielen in der Champions-League zum Final4 nach Köln reisen. Im Halbfinale hat mich begeistert, dass die Dänen - wie bereits im Viertelfinal-Rückspiel gegen Flensburg - sich von einem Rückstand nie verunsichern ließen und weiter ihr eigenes Spiel aufgezogen haben. Sie kennen ihre eigenen Stärken, beherrschen das 7-gegen-6-Überzahlspiel und versuchen erst gar nicht gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner ihre Spielweise anzupassen. Gegen Paris hat genau diese Beharrlichkeit ihnen den Sieg beschert, nachdem sie nach einer grauenhaften ersten Viertelstunde deutlich in Rückstand lagen. Gegen Barcelona war dann zwar Endstation, aber ich bin gespannt wie sich diese Mannschaft entwickeln wird und wieviel von diesem Teamgeist erhalten bleiben wird, wenn nach und nach neue Leistungsträger in die Mannschaft integriert werden.
Paris Saint-Germain Handball
Zu den Franzosen ist schnell alles gesagt. Angetreten um den Titel endlich nach Paris zu holen und bereits Samstagnachmittag war der Traum vorbei - aber sie werden es auch nächste Saison wieder versuchen und werden wieder einer der Favoriten auf die Teilnahme am Final4 in Köln sein.
HBC Nantes
Als Sechstplatzierter der Gruppe B hatte Nates den vielleicht anspruchsvollsten Weg zum Final4. Nach einer Heimniederlage im Achtelfinale gegen Kielce ließ sie ein Auswärtssieg in Polen doch noch die nächste Runde erreichen. Im Viertelfinael düpierten sie im Hinspiel in eigener Halle Veszprem mit einem 4-Tore-Sieg und konnten dieses Polster im Rückspiel in Ungarn verteidigen. Am Wocheende in Köln hatten die Franzosen die lautstärksten und farbenfrohesten Fans mitgebracht.
Auf dem Feld konnten sie dem FC Barcelona lange Zeit Paroli bieten. Knackpunkt aus meiner Sicht war es in der zweiten Halbzeit an Emil Nielsen festzuhalten. Er hatte zwar in den ersten 30 Minuten stark gehalten, bakam aber im zweiten Durchgang minutenlang keine Hand an den Ball und auch vermeintlich haltbare Bälle rutschen ihm durch. Wenn ich als Trainer mit Cyrill Dumoulin einen starken zweiten Torhüter auf der Bank habe, dann muss ich diese Option einfach ziehen, anstatt ihn nur einmal für einen Siebenmeter aufs Feld zu schicken.
Im nächsten Jahr wird die beste Vereinsmannschaft Europas dann hoffentlich wieder vor ausverkauften Rängen asugespielt.