Was hier überhaupt nicht erwähnt wird, sind die Aussagen von Prokop unmittelbar nach dem Spiel gegenüber dem ZDF. Er hat eingeräumt, dass er Fehler gemacht hat und viel bei dem Turnier gelernt zu haben. Dies, ebenso wie sein agieren während des Turniers zeigt doch, dass er selbstkritisch und lernfähig ist.
Ja, Christian Prokop hat im ZDF-Interview nach dem EM-Aus gegen Spanien erklärt, dass er viel gerlernt habe. Auf explizite Nachfrage des Moderators konnte oder wollte er aber nicht konkretisieren was er gelernt habe. Zudem ist das Ziel einer Europameisterschaft nicht unbedingt die Weiterbildung des Bundestrainers ... das fällt eher in den Bereich Anforderungsprofil für diese Stelle.
Seine Äußerungen lassen mich zudem daran zweifeln, dass er das Scheitern seiner Herangehensweise bei dieser EM wirklich hinterfragt bzw. bereit ist von seiner selbstgewählten Spielphilosophie abzuweichen:
Zitat
Prokop, der einen langfristigen Vertrag bis 2022 besitzt, schließt einen freiwilligen Rückzug aus. "Ich mache mir überhaupt keine Gedanken über einen Rücktritt, weil auch ich Großes vorhabe", betonte der 39-Jährige. Dafür will er künftig keine Kompromisse eingehen. "Ich habe eine klare Vorstellung von einer Spielphilosophie. Ich möchte eine Mannschaft sehen, die mit viel Tempo spielt und nicht ausrechenbar ist", formulierte er den Anspruch.
Quelle: Handball-World.com
In der abschließenden Analyse dieser Europameisterschaft lässt er keine Zweifel an seiner Spielphilosophie zu. Seine Aussage heißt nichts anderes als: Nicht die Spielphilosophie war Grund für Platz 9 und mäßige Spiele, sondern die Spieler, die seine Philosophie nicht umgesetzt haben oder umsetzen konnten. Die Spielphilosophie wird also bestehen bleiben und entweder können die Spieler sich dem Anpassen oder sie müssen gegen andere geeignetere ausgewechselt werden.
Das kann eine herangehensweise für eine (aufstrebende) Vereinsmannschaft sein, aber in meinen Augen nicht für eine Nationalmannschaft, die aus einem deutlich limitierteren Spielerpool schöpfen muss, und erst Recht nicht für eine bereits existierende, gewachsene Mannschaftsstruktur.
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In den vergangenen Jahren war stets die Abwehrarbeit im Zusammenspiel mit starken Torhüterleistungen die Basis für Erfolge der DHB-Auswahl und brachte der Mannschaft das nötige Selbstvertrauen für das Offensivspiel. Die Quoten unserer Torhüter waren bei diesem Turnier jedoch nur Durchschnitt ... eher sogar unteres Mitteldfeld beim Blick auf die Turnierstatistiken. Das Andreas Wolff und Silvio Heinevetter bei Strafwürfen keine guten Quoten erreichen, war aus der HBL bekannt. Aber im Positionsspiel zeigen sie in der HBL seit Jahren bessere Leistungen als bei diesem Turnier, was meiner Meinung nach in erster Linie auf Mängel beim Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torwart zurückzuführen ist. Gerade da zeigt sich ob die Abwehrformation miteinander eingespielt ist. Dass Finn Lemke nach dem zweiten Vorrundenspiel wieder zur Mannschaft zurückgeholt wurde war der richtige Schritt, aber kann nicht egalisieren, dass eben diese zwei Spiele fehlen, um das Zusammenspiel zwischen Torwart und Abwehr unter Wettkampfbedingungen weiter zu verfeinern - gerade da bei der Nationalmannschaft die Anzahl der gemeinsamen Trainings- und Spielzeiten im jahr stark limitiert ist.