Beiträge von Arcosh

    Ist eigentlich von katarischer Seite geplant nach der WM die Mannschaft im wesentlichen so zusammen zu lassen? Also im Hinblick auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr!? Der Großteil der Eingebürgerten ist ja schließlich auch schon im fortgeschrittenen Handball-Alter.


    Weitere Nationalitätswechsel werden altersbedingt für die Neu-Kataris wohl nicht mehr in Frage kommen - erst Recht nicht, wenn sie tatsächlich die angesprochenen üppigen Renten erhalten. Das asiatische Qualifikationsturnier für Olympia wird im November in Katar ausgetragen. Das ist für mich ein deutlicher Hinweis, dass Rio das nächste Ziel für diese Mannschaft ist.

    @ojessen:
    Die Handball-WM ist doch nur einer der ersten Schritte für Katar. Es folgen u.a. die Schwimm-WM 2015, die Leichtathletik-WM 2019, die Fußball-WM 2022 und evtl. Olympia 2024. Die Sportreporter die heute für größerer Zeitungen vom Handball aus Doha berichten und auch bei zukünftigen Sportveranstaltungen eine Einladung erhalten möchten, werden sich wohlmöglich zweimal überlegen ob sie einen kritischen Bericht zum Ausrichter und Problemen im Umfeld veröffentlichen werden um nicht auf irgendeiner schwarzen Liste zu landen.

    Journalisten die sich auf die kleinere Handballsphäre beschränken würden vielleicht auch gerne mal zum IHF Super Globe eingeladen werden. Und selbst wenn Katar für sie ein einmaliges Erlebnis (im doppelten Wortsinn) ist, so resultiert aus der Einladung auch eine "Bringschuld/Abhängigkeit" gegenüber dem DHB, denn wenn man der Berichterstattung von Jens Weinreich glaubt, wurden die begünstigten Journalisten vom DHB ausgewählt und dem Veranstalter vorgeschlagen. Daher sollte dies meiner Meinung nach schon offen angesprochen und diskutiert werden.

    Katar hat 7 eingebürgerte Spieler. Das ist legitim. Bei den Top-Klubs spielen doch auch nur eingekaufte Legionäre. In Kiel spielen gerade mal 3 Deutsche (Wiencek, Klein, Sprenger und keiner von denen kommt aus Kiel), in Flensburg 2 (Heinl und Glandorf, wobei zumindest Heinl mal in der eigenen Jugend ausgebildet wurde ) etc. Wann immer es um die Verpflichtung von Spielern geht, wird immer der ausländische "Superstar" den Vorzug erhalten, weil er ja halt aus dem Ausland kommt. Warum ist das ok und das, was die Kataris machen, nicht ?


    Grundsätzlich sollte man meiner Meinung nach den Liga-Spielbetrieb nicht mit Nationalmannschaften vermischen. Das sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe.

    Insbesondere möchte ich aber dem fett markierten Satz widersprechen. KEIN Verein zieht einen Ausländer vor, "weil er aus dem Ausland kommt". Der Werbeeffekt und die Identifikationsmöglichkeiten mit einem deutschen (National-)Spieler sind wesentlich höher als bei einem ausländischen Spieler. Die Vereine sind professionell genug nach Kosten und Nutzen abzuwägen. Wären ein deutscher und ein ausländischer Handballer spielerisch auf demselben Niveau, charakterlich beide passend und würden den Verein dasselbe kosten, dann würde immer dem Deutschen der Vorzug gegeben. Aber wenn ein Junioren-Nationalspieler aus der zweiten Liga Gehaltsvorstellungen hat wie ein erfahrener ausländischer Nationalspieler mit Champions-League-Erfahrung, dann fällt die Entscheidung anders aus.

    @Beuger:
    Ohne Kim Andersson? Das ist dieses 1% Restrisiko.

    Für die Außendarstellung in den Medien wäre es gut heute alles in trockene Tücher zu bringen. Aber Bernhard Bauer oder Bob hanning werden auch im Falle einer Niederlage keine schlaflosen Nächte haben ... zumal auch die EM 2016 noch eine Chance zur Qualifikation böte.

    @Seth Gecko
    Für die Mannschaft wäre es förderlich die EM mit einem Erfolgserlebnis abzuschließen, aber für wirklich wichtig halte ich dieses Spiel nicht. Der Europameister 2016 wird zu 99% aus dem Kreise der Top8 dieser WM kommen und somit wird das Ergebnis des heutigen Spiels die Olympia-Ambitionen der deutschen Mannschaft nur geringfügig beeinflussen. (Falls Katar das Turnier gewinnen sollte - wovon ich aber nicht ausgehe - wäre Platz 8 sogar das Beste was dem deutschen Team passieren könnte. Aber das sind natürlich Spekulationen.)

    Das wollte ich damit nicht sagen. Aber zumindest hast du auf SteamboatWillies erste Nachfrage ein wenig ausweichend reagiert und soweit ich es bisher verfolgt habe (zwei oder drei Folgen muss ich noch nachhören) die diversen Randersscheinungen der WM nicht weiter thematisiert. Mag sein, dass du es einfach nicht als Teil deines Sendungskonzeptes siehst oder das schlichtweg vor Ort die Zeit dazu fehlt. Aber ich hoffe du verstehst, dass aus der Ferne der Zuhörer auch auf den Gedanken kommen könnte, dass ein nettes Hotel und Wohlfühl-Atmosphäre seitens der Gastgeber einen Journalisten möglicherweise nicht gerade zum kritischen Hinterfragen animieren.

    Genau aus den von dir genannten Gründen, fände ich es konkret in deinem Fall auch nicht schlimm, wenn du auf "Einladung" der Organisatoren vor Ort wärst. Nur sollte dies aus Gründen der Glaubwürdigkeit und Transparenz dann besser erwähnt werden.

    Mir gefällt es auch nicht, dass die IHF-Regeln Nationenwechsel mit nur geringen Einschränkungen (drei Jahre Länderspielpause) zulassen. Aber wenn hier einige von der "zusammengekauften Mannschaft" sprechen, da könnte man den Eindruck bekommen Katar habe das Who-is-who des internationalen Handballs eingebürgert und in bordeauxrot-weiße Trikots gesteckt. Aber wer kannte denn vor dem Auftaktspiel Spieler wie Bertrand Roiné, Rafael Capote oder Borja Vidal? Die standen nicht gerade ganz oben auf den Wunschlisten der Champions-League-Vereine. Da hat doch jeder europäische Bundestrainer einen illustreren Spielerpool aus dem er seinen Kader zusammenstellen kann. Valero Rivera hat aus einem (von den Torhütern abgesehen) durchschnittlichen Kader eine Mannschaft geformt, die auf höchstem Niveau mithalten kann. Schiedsrichter-Entscheidungen hin oder her ist die katarische Mannschaft spielerisch auf Augenhöhe mit Deutschland, Polen, Spanien & Co - und das ohne einen Steffen Weinhold, Bartosz Jurecki oder Joan Canellas mit reichlich internationaler Erfahrung auf höchtem Niveau. Brasilien oder Argentinien beispielsweise haben bei dieser WM auch begeistern können, sind aber in der Schlussphase regelmäßig an ihrer fehlenden Erfahrung und der nötigen Ruhe im Spiel gescheitert. Valero Rivera hat seinem Team genau das in Rekordzeit beigebracht, sie taktisch hervorragend eingestellt und auf den Punkt vorbereitet. Dafür hat diese Mannschaft meine Anerkennung. Einer der Matchwinner im heutigen Halbfinale war der 23jährige gebürtige Katari Kamalaldin Mallash. :respekt:

    Beim Großteil der deutschen Fans in der Handballecke herrscht die Grundhaltung, dass Deutschland zwar die Teilnahme per Wildcard nicht verdient habe, aber man unabhängig davon trotzdem der Mannschaft für ihre Leistungen im Turnier Respekt zollen solle. Eine Einstellung die ich persönlich teile. Aber dann sollte man auch ebenso die Leistungen der katarischen Mannschaft zu würdigen wissen - unabhängig davon unter welchen Umständen die WM an das Emirat vergeben wurde oder was man vom Staat Katar hält.

    @Teddy:
    Natürlich wäre es bei jedem Journalisten interessant bzw. ich würde mir wünschen diejenigen die auf Kosten des Ausrichters vor Ort umsorgt werden würden dies transparent darstellen. Hier besteht aber die Möglichkeit direkt nachzufragen. Kreis ab ist ein noch junges Format in dem bislang wahrscheinlich viel Arbeit und Herzblut, aber wenig Erlös steckt.

    Wieder so eine Mischung aus ungünstigen Pfiffen (der abgestandene Kempa und der letzte Siebenmeter für Katar) und Scheitern an sich selbst (zwei ganz dumme Gegentore in Überzahl, der letzte Gegenstoß endet im Fehlpass) ... Als das Spiel quasi schon verloren war hat Polen plötzlich die leichten Tore aus dem Rückraum gemacht, bei denen sie sich 50 Minuten lang nicht getraut haben die Würfe zu nehmen. Der höhnische Applaus gegenüber den Schiedsrichtern nach Abpfiff wird sicherlich nicht ohne Konsequenzen bleiben.

    Katar wie bereits im Viertelfinale mit einer unglaublich starken Angriffsquote! Die Polen bekommen Rafael Capote und Borja Vidal nicht in den Griff. Ich hätte vor dem Turnier nie gedacht, dass sie soweit kommen können, aber sie haben sich seit der Gruppenphase stetig gesteigert.

    Es geht darum die Teilnahme an der Quali zu sichern, wenn Polen morgen gewinnt gegen Katar, wäre es eventuell sogar besser wenn wir das Spiel gegen die Kroaten verlieren um dann mutmaßlich gegen die Slowenen den siebten Platz machen. Dann hätten wir nämlich ein sehr günstiges Qualiturnier für uns herausgespielt.

    Zum Spiel würde ich uns schon favorisiert sehen. Kroatien wollte hier Weltmeister werden und nach der Vorrunde sah das auch noch sehr gut aus. Nach einem schlechtem Spiel im Achtelfinale und der Niederlage gegen Polen dürfte die Motivation ziemlich am Tiefpunkt sein, egal ob es noch um die Quali geht. Per se würde ich sie schon besser sehen als uns.


    Wie hier bereits erklärt ist das derzeit alles nicht planbar oder absehbar. Möglich ist, dass Platz 5 (oder 6) dem deutschen Team den Heimvorteil als Ausrichter eines Olympia-Qualifikationsturniers beschert. Möglich ist auch, dass Platz 7 tatsächlich das leichteste Teilnehmerfeld bei der Olympia-Quali bringen würde ... vielleicht aber auch Platz 8 ... oder aber mit Platz 8 könnte man auch ganz raus sein ...


    Ich sehe Kroatien sportlich in der Favoritenrolle für dieses Spiel, aber es wird wahrscheinlich von der individuellen Motivation der Mannschaften abhängen.

    Und der größte Skandal ist ja eh die rote Karte, die schon draußen war, und auch nicht gegeben wurde, nachdem der Supervisor die Entscheidung berichtigt hat.


    Skandal? Genau dafür gibt es die neue Videounterstützung für die Schiedsrichter: Um gravierende Fehltenscheidungen wie eine falsche Rote Karte zu verhindern.

    Der erste Impuls der Schiedsrichter war es Katars Bertrand Roine zu disqualifizieren, aber nach Ansicht der Videoaufnahmen wurde auf Zeitstrafe für beide Spieler entschieden. Ich habe bislang keine Aufschlüsselung der Situation gesehen. Du etwa?

    Hätte die IHF gewollt, dass die Partie komplett mit rechten Dinge zugegangen wäre, dann hätten sie andere Schiedsrichter angesetzt. In der Szene weiß man eben, wer nicht empfänglich ist, beispielsweise ein Duo aus Dänemark wäre eine gute Wahl gewesen.


    In der Vergangenheit gab es hier in der Handballecke häufig Diskussionen, wenn Schiedsrichter aus dem Land eines möglichen Gegners in der nächsten Runde angesetzt wurden oder auch Schieddsrichter aus Ländern die zuvor gegen Deutschland ausgeschieden waren. Daran sieht man, dass man es nie jedem Recht machen kann.

    Natürlich öffnet die Ansetzung der beiden Mazedonier den Spekulationen Tür und Tor. Fakt ist jede gegen Deutschland getroffene Entscheidung (Offensivfoul, falsche Sperre, Zeitspiel) war regelkonform und konnte so getroffen werden. Gleichzeitig konnte man den Eindruck bekommen, dass auf der anderen Seite nicht ganz so kleinlich gepfiffen wurde. Das Problem dabei ist, dass niemand von uns dieses Spiel wirklich neutral betrachtet hat und so die knappen Entscheidungen schnell auf mutwillige Einflussnahme der Schiedsrichter geschoben werden ... insbesondere wenn die beiden Herren am Sky-Mikrofon diese Grundhaltung zusätzlich befeuern. Da wurde bereits vor dem Spiel dem Zuschauer eingetrichtert, dass man im Zweifelsfalle gegen Katar und die Schiedsrichter spielen werden müsse. In dieser Athmosphäre ist eine objektive Betrachtung quasi nicht mehr möglich.

    Wir wissen:

    • Es ist einfach nach einer Niederlage die (Teil-)Schuld bei den Schiedsrichtern zu suchen.
    • Der Spielraum der Handballregeln bietet viel Platz für Einflussnahme durch die Schiedsrichter.
    • Eine lautstake Hallenatmosphäre kann sich auf die Entscheidungen der Schiedsrichter auswirken.
    • Bei einer Handballl-EM/WM hat der Gastgeber neben dem Heimpublikum auch Einfluss auf den Spielplan und somit einen vermeintlich einfacheren Weg durch die K.O.-Runden.
    • Es gab in der Vergangenheit Schiedsrichter die offen waren für Zuwendungen der Mannschaften ... und gibt sie wohlmöglich immer noch.


    All das bietet genug Spielraum um nach dem gestrigen Viertelfinale entweder von gekauften Schiedsrichtern zu schreiben oder einer taktisch gut eingestellten Mannschaft mit Heimpublikum im Rücken zum verdienten Sieg zu gratulieren.

    :rotwerd: In den Genuss eines solch erlesenen Komplimentes komme ich Halbwissender wohl frühestens wieder im Januar 2016 wenn der Teilzeit-Gesperrte uns im Nachhinein der Spiele aus Polen die Handballwelt erklärt ... und hinterher beschreibt was er eigentlich ja schon vorher wusste.