Beim Basketball imponiert mir, dass die Vereine in den letzten Jahren aus Eigeninitiative den Grundstein für den Telekom-Deal gelegt haben. In der vergangenen Saison hatten 8 der 18 Erstligisten ihre Heimspiele - oft mit Unterstützung/Finanzierung durch Sponsoren - selbstständig als Livestream mit zwei bis vier Kameras produziert und den Fans via Internet geliefert. Diesen Dienst hatten nicht nur die Etatriesen wie Bayern München oder die Brose Baskets Bamberg angeboten, sondern z.B. auch Phoenix Hagen, MHP Riesen Ludwigsburg oder TBB Trier. Während im Handball die schlechten Resultate der Nationalmannschaft gerne als bequeme Erklärung für rückläufige TV-Zeiten und stagnierendes Zuschauerinteresse rangezogen werden, beweist der Basketball, dass auch ohne Erfolge im Nationalmannschafts-Trikot eine Sportart professinell aufgebaut und vermarktet werden kann. (Was nicht heißen soll, dass im Basketball alles perfekt liefe)
Aber die Vereine haben gezeigt, dass Profisport heutzutage längst nicht mehr vom TV als einzigem Massenmedium abhängig sind. Der Tipping point zwischen klassischem Fernsehen und Internetübertragungen ist zwar noch nicht erreicht und mit der Reichweite einer Übertragung in ARD oder ZDF kann ein Internetstream längst nicht konkurrieren. Aber gut produzierte Internetstreams sollten es mit der Reichweite von Nischensendern wie Sport1 oder Eurosport aufnehmen können, die letztendlich auch bloß die an der Sportart interessierten Zuschauer vor den Fernseher locken können. Nimmt man zusätzlich die Möglichkeit einer On-demand-Funktion hinzu haben Onlineplattformen längst das Potential kleinere Sender abzulösen - egal ob als vereinseigene Plattform oder Teil eines Sportarten übergreifenden Angebots wie z.B. Sportdeutschland.tv
Vorteil für den Basketball war sicherlich die (von mir subjektiv wahrgenommene) etwas jüngere Altersstruktur der Zuschauer im Vergleich zum Handball, da die jüngeren Generationen eine höhere Affinität und Akzeptanz bezüglich Internet und Streamingangeboten haben. Gleichzeitig konnten die BBL-Vereine gegenüber der Telekom detaillierte Nutzerzahlen (Anzahl der Seitenaufrufe, Verweildauer, On-demand-Nutzung, etc.) ihrer eigenen Streaming-Angebote vorlegen, während die HBL bei Verhandlungen meist auf die vagen Zuschauermessungen durch die GfK angewiesen ist. Daher sehe ich den Telekom-Deal auch als Folge der Eigeninitiative durch die Vereine.