Gelebter Anti-Doping-Kampf im deutschen Handball.
DHB-Vize Bob Hannings erste Reaktion ist es zu betonen, dass Michael Kraus nach seiner Sperre die Rückkehr in die Nationalmannschaft offenstehe und Gerd Hofele versteigt sich in Relativierungen. Es ist nachvollziehbar, dass er jeglichen Verknüpfung mit einem positiven Dopingbefund sofort ausschließen will und die bekannten Fakten geben auch keinen Anlass derartiges zu vermuten, aber was soll die süffisante Kritik am NADA-System?
Zitat
"Beim dritten Fall kann ich es explizit ausschließen. Am 5. März war unser Spiel in Kiel. Am darauffolgenden Morgen sind die Kontrolleure morgens um 6 Uhr bei ihm zu Hause vor der Tür gestanden, um ihn zu testen", schilderte er. "Er ist am selben Morgen von Hamburg aus erst zurückgeflogen. Die hätten auch nach Kiel fahren können, wäre ja eigentlich logisch gewesen", erklärte er. "Der Mimi hatte vergessen, den Termin einzutragen, und dann standen sie beim ihm zu Hause. Man entzieht sich ja keiner Kontrolle, indem man ein Fernsehspiel absolviert."
Allein die Verniedlichung "der Mimi hatte vergessen" ... Nein, der 30jährige Nationalspieler Michael Kraus ist erneut seiner Meldepflicht nicht nachgekommen. Punkt.
Die Schilderung klingt als sei Michael Kraus nicht mit dem Rest der Mannschaft direkt nach dem Spiel nach Göppingen zurückgefahren, sondern erst am nächsten Tag alleine zurückgereist. Die Kontrolle war nicht am Tag des Spiels, sondern am Folgetag und da im Handball gerade die Regenerationsprozesse eine wichtige Rolle für die Leistungsfähigkeit spielen, halte ich den Morgen nach einem Spiel für einen durchaus geeigneten Zeitpunkt für eine unangemeldete Dopingkontrolle. Zudem sind die Trainingskontrollen unabhängig von den Wettkampfkontrollen wie sie beispielsweise im Rahmen des Bundesligaspiels in Kiel hätten genommen werden können.
Zitat
"Klar sowas darf nicht passieren. Aber, ob er jetzt am 25. Dezember die Liste abgibt oder am 1. Januar, da ändert sich ja nichts", sagte Hofele. "Wenn ein Individualsportler nicht bei der Kontrolle erscheint, hat er vielleicht was genommen, was meinetwegen zwölf Stunden später nicht nachweisbar ist."
... und die Lizenzierungsunterlagen können ruhig erst am 8. März eingereicht werden, da ändert sich ja nichts. Eine interesante Sichtweise des HBL-Vizepräsident Finanzen. Die Darstellung des Individualsportlers als typischem Doper während beim Mannschaftssport das ja sowieso nichts bringe ist der Gipfel der im Handball gelebten Betriebsblindheit oder Verklärung.
Von den 11 Meldepflichtverstöße beim Deutschen Handballbund im Jahr 2013 gehen also zwei auf das Konto von Michael Kraus und trotzdem verbringt er im März die Nacht in Kiel/Hamburg ohne wenigstens kurz per Smartphone den entsprechenden ADAMS-Eintrag zu editieren. Es gibt zahlreiche Geschichten von Sportlern die unverschuldet den dritten Verstoß angelastet bekommen haben und für mindestens ein Jahr gesperrt worden sind. Da habe ich kein Mitleid mit einem Dreißigjährigen der den Ernst und Sinn des Anti-Doping-Codes nicht zu begreifen scheint.