Ich komme zu einem anderen Fazit. Das deutsche Angriffstaktik gegen die 3:2:1 war stimmig. Hierzu mein Blogeintrag:
Männer-EM: Die deutsche Krankheit gegen offensive Abwehrsysteme?
[...] Branchenprimus Frankreich hatte über die gesamte letzte Weltmeisterschaft eine Angriffseffektivität von 53%. Für Deutschland wäre gegen die 3:2:1-Abwehr der Tschechen bei Nutzung der 100%-Chancen mit Leichtigkeit eine Angriffseffektivität von 50% möglich gewesen. [...]
Dieser Zahlenspielerei fehlt meiner Meinung nach die Grundlage. Du vergleichst magere 20 Angriffe der deutschen Mannschaft gegen einen der schwächeren Turnierteilnehmer mit einem kompletten WM-Turnier der Franzosen inklusive der Spiele gegen nicht-europäische Außenseiter und Weltklasse-Gegner sowie gegen alle möglichen Abwehrvarianten und unter Einsatz diverser Bankspieler um die erste Sieben zu schonen. Zudem werden auch die Franzosen bei ihren Angriffen nicht alle 100%-Chancen genutzt haben.
Ein genauerer Blick auf die IHF-Statistiken lässt mich zudem an der Verlässlichkeit der Zahlen zweifeln. Die kumulierte Statistik weist für Frankreich tatsächlich nur 53% Angriffseffektivität auf (327 Tore bei 614 Angriffen). In Anbetracht von Vorrundenspielen ggen Bahrain, Ägypten, Tunesien, etc. erschien mir dieser Wert ungewöhnlich niedrig. Also habe ich einen Blick auf die Statistiken der einzelnene Spiele geworfen:
[table='Runde,Gegner,Angriffe,Tore,Effektivität']
[*]Vorrunde[*]Tunesien[*]49[*]32[*]65%[*]
[*]Vorrunde[*]Ägypten[*]53[*]28[*]53%[*]
[*]Vorrunde[*]Bahrain[*]59[*]41[*]69%[*]
[*]Vorrunde[*]Deutschland[*]46[*]30[*]65%[*]
[*]Vorrunde[*]Spanien[*]52[*]28[*]54%[*]
[*]Hauptrunde[*]Ungarn[*]57[*]37[*]65%[*]
[*]Hauptrunde[*]Norwegen[*]57[*]31[*]54%[*]
[*]Hauptrunde[*]Island[*]53[*]34[*]64%[*]
[*]Halbfinale[*]Schweden[*]50[*]29[*]58%[*]
[*]Finale[*]Dänemark[*]57[*]37[*]65%[*]
[*]Gesamt[*] [*]533[*]327[*]61%[*][/table]
Wie die IHF in der Gesamtstatistik auf 614 Angriffe kommt ist mir schleierhaft und durchschnittlich über 60 Angriffe pro Spiel scheinen mir sehr hoch. Ebenso sind die in den kumulierten Statistiken angegebenen Angriffseffektivitäten der drei weiteren Halbfinalisten Schweden (46%), Dänemark (53%), und Spanien (45%) viel zu gering. Ich spare mir jetzt aber die Arbeit dies mit den Einzelspielen abzugleichen.
Unterm Strich:
Selbst wenn die deutschen Spieler bei den 20 von dir ausgewerteten Angriffen neben den sieben Toren auch noch vier der fünf 100%-Chancen genutzt hätten (eine Glanzparade sollte man dem gegnerischen Torwart schon zugestehen), wären sie auf 55% Angriffseffektivität in dieser Phase gekommen. Gegen Tschechien hätte dies vielleicht sogar gereicht, aber wirklich überzeugend ist das nicht.