Zitat
Original von Copa51
Und wie kann man diese Aktion bitte mit einer absichtlichen Spielbehinderung eines Spielers vergleichen?? Ein Trainer, der eine Spielerin im Gegenstoß umrammt ist es doch nicht mit einem Spieler zu vergleichen der den Anwurf des gegnerischen Teams verhindert!?
Die Frage ist auf welcher Ebene man diese beiden Vorfälle vergleichen will. Moralisch sind beide Vergehen unsportlich, denn sie dienen nur dazu dem Gegner die Möglichkeit auf den Siegtreffer zu nehmen.
Da es aber im Sport nicht immer nur um den Fairplay-Gedanken geht, gibt es Regeln. Und in den Handballregeln werden beide Fälle eindeutig behandelt. Regel 8:6 bzw. 16:6c verlangen in Verbindung mit Erläuterung 6f bzw. g sowohl für den Spieler als auch den Trainers eine Disqualifikation. In beiden Fällen ist eine anschließende Sperre des fehlbaren Spielers/Trainers vorgesehen. Woher die EHF jedoch den Punktabzug für Hypo konstruiert ist mir schleierhaft.
Ich habe Verständnis dafür, dass man einen Trainer für dieses Eingreifen härter bestraft als einen Spieler in einer vergleichbaren Situation, aber eine mehrjährige Sperre und ein so hohe Geldstrafe sind nicht verhältnismäßig. Wie Steinar bereits schrieb wurde Veselin Vujovic 2002 für zehn Monate gesperrt und musste 9000 Euro Geldstrafe zahlen, weil er als Trainer von Ciudad Real nach einem Spiel gegen die SG Flensburg-Handewitt erst Lars Christiansen tätlich angriff (In der Presse war von einem Karatesprung mit 30 Metern Anlauf die Rede) und anschließend den am Boden liegenden Lars Krogh Jeppesen trat. 2008 wurde er als Trainer von Vardar Skopje für einen tätlichen Angriff auf die Schiedsrichter nach einem Europapokalspiel für ein Jahr gesperrt und musste 3000 Euro bezahlen. Im Vergleich kommt also ein Trainer, der wiederholt körperliche Gewalt gegen Spieler oder Schiedsrichter anwendet, weit milder davon als Gunnar Prokop, dessen Eingreifen zwar moralisch höchst verwerflich war, aber durch den niemand körperlich zu schaden kam. Und weder Ciudad Real noch Vardar Skopje wurden für das Verhalten ihres Trainers sanktioniert.
Anstatt des Aktionismus einer drakonischen Bestrafung sollte die EHF lieber darüber nachdenken, wie sie durch eine Anpassung der Handballregeln diese unsportlichen Eingriffe von Spielern oder Offiziellen effektiv unterbinden kann. Würde eine "action of serious unsportsmanlike" in der Schlussminute zusätzlich zur Disqualifikation zwingend einen Siebenmeter zur Folge haben, dann bräuchten wir wohl nicht mehr über derartige Situationen zu diskutieren. Ich bin zwar eigentlich kein Freund davon vergleichbare Spielsituationen abhängig von der Spielzeit unterschiedlich zu bewerten, aber mit der Sperre bei Disqualifikation für unsportliches Verhalten in der Schlussminute wurde diese Grenze sowieso schon überschritten.